Ägypten Islamisten bekennen sich zu Anschlag in Mansura

Anschlag in Mansura: Ägypter tragen während der Beerdigung einen der 16 Toten des Anschlags durch die Menge.

Die islamistische Gruppe Ansar Beit al-Makdis hat sich im Internet zu dem Anschlag im Nildelta bekannt. Bei dem Bombenattentat waren 16 Menschen ums Leben gekommen, rund 140 wurden verletzt. Nun wurde die islamistische Muslimbruderschaft offiziell als Terrororganisation eingestuft.

Die ägyptische Islamistengruppe Ansar Bait al-Makdis hat sich zu dem Bombenanschlag auf ein Polizeigelände im Norden des Landes bekannt, bei dem 16 Menschen getötet und rund 140 verletzt wurden. "Dies war die Vergeltung für den Krieg der gottlosen Herrschaftsordnung gegen die islamische Scharia", hieß es in dem Schreiben der Gruppe Ansar Beit al-Makdis, das die Internet-Ausgabe der Tageszeitung "Al-Masry Al-Youm" veröffentlichte. Das Schreiben forderte Ägyptens Soldaten und Polizisten dazu auf, "ihre Posten zu verlassen", wenn sie nicht Opfer eines weiteren Anschlags werden wollten. Ansar Beit al-Makdis war bislang vor allem auf der Halbinsel Sinai und in der Suezkanal-Region aktiv.

Das Attentat in der Provinzhauptstadt Mansura riss am Dienstagmorgen vor allem Polizisten in den Tod, wie die Regionalregierung mitteilte. Sicherheitskreisen zufolge brachte die extrem kraftvolle Detonation von mehreren Dutzend Kilogramm Sprengstoff einen Teil des Polizeigebäudes zum Einsturz. Selbst in 20 Kilometer Entfernung sei die Druckwelle der Explosion noch zu spüren gewesen. Auf Fernsehbildern waren zerstörte Gebäudefassaden und zahlreiche Rettungswagen zu sehen. Unter den Verletzten soll sich auch der Chef der Sicherheitskräfte der Provinz, Sami el-Mihi, befinden. Zwei seiner Assistenten seien getötet worden. Mansura liegt etwa hundert Kilometer nördlich von Kairo.

Ägyptens Regierung stufte die islamistische Muslimbruderschaft nun eineinhalb Tage nach dem Anschlag als "Terrororganisation" ein. Beobachter gehen davon aus, dass die Behörden vor dem anstehenden Verfassungsreferendum möglicherweise noch härter gegen die Organisation vorgehen werden. Das Verfassungsreferendum ist nach derzeitigem Stand für den 14. und 15. Januar geplant. Wird die Verfassung vom Volk angenommen, sollen bis Jahresmitte Parlaments- und Präsidentschaftswahlen abgehalten werden.

USA zeigen sich "tief besorgt"

Das ägyptische Militär, das den islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi Anfang Juli abgesetzt hatte, bewirbt den zur Abstimmung vorbereiteten Verfassungsentwurf als ersten großen Schritt hin zu einer demokratischen Regierung. Der Muslimbruderschaft, der auch Mursi entstammt, sind durch ein Gerichtsurteil bereits alle Aktivitäten untersagt worden. Die vom Militär eingesetzten Übergangsbehörden werfen der ältesten islamistischen Bewegung der Welt auch vor, bewaffnete Aufständische auf der von andauernden Unruhen erschütterten Sinai-Halbinsel zu finanzieren und auszubilden.

Nahezu die vollständige Führungsriege der Muslimbruderschaft und Tausende weitere Islamisten wurden nach Mursis Absetzung verhaftet. Bei der Niederschlagung der Proteste gegen Mursis Entmachtung wurden landesweit mehrere Hundert seiner Anhänger getötet. Parallel dazu nahm die Zahl der Attentate gegen Ägyptens Sicherheitskräfte massiv zu.

Die US-Regierung äußerte sich am Montag "tief besorgt" über die "verschlechterten Bedingungen für Versammlungs- und Meinungsfreiheit in Ägypten". "Die Umsetzung des verschärften Demonstrationsrechts hat zu vermehrten Festnahmen, Verhaftungen und Anschuldigungen gegen Oppositionelle, Menschenrechtler und friedliche Demonstranten geführt", kritisierte Außenamtssprecherin Jennifer Psaki. Erst am Sonntag waren drei Aktivisten nach Protesten gegen das neue Demonstrationsrecht zu dreijährigen Gefängnisstrafen verurteilt worden.