Plötzlicher Tod im Gerichtssaal Ägyptens Ex-Präsident Mursi beigesetzt

  • Ägyptens ehemaliger Präsident Mursi ist nach seinem unerwarteten Tod am Montag bereits beigesetzt worden.
  • Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor eine Untersuchung des Vorfalls sowie eine Obduktion der Leiche angeordnet.
  • Staatliche Medien meldeten, Mursi sei an einem Herzinfarkt gestorben. Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es bislang nicht.

Nach seinem plötzlichen Tod während einer Gerichtsverhandlung ist Ägyptens früherer Präsident Mohammed Mursi beigesetzt worden. Er sei am frühen Dienstagmorgen im Beisein seiner Familie auf einem Friedhof für Anführer der Muslimbrüder im Osten Kairos bestattet worden, teilte Mursis Sohn Ahmed über Twitter mit. Die Sicherheitsbehörden hätten eine Beerdigung im Familiengrab in seinem Geburtsort im Gouvernement asch-Scharqiyya untersagt.

Der 67 Jahre alte Mursi war am Montag während einer Gerichtsverhandlung ohnmächtig geworden, er starb, noch bevor er in ein Krankenhaus gebracht werden konnte. Im Islam ist eine Bestattung innerhalb eines Tages üblich. Die staatliche Nachrichtenseite Al-Ahram und das Staatsfernsehen meldeten unter Berufung auf medizinische Kreise, der Ex-Präsident habe einen Herzinfarkt erlitten. Dafür gab es zunächst keine offizielle Bestätigung.

Die Staatsanwaltschaft hatte eine Untersuchung der Todesursache angeordnet. Staatsanwälte hätten Material der Überwachungskameras aus dem Gerichtssaal beschlagnahmt und einen Autopsiebericht angeordnet, erklärte Ägyptens Generalstaatsanwalt Nabil Sadek offenbar am Montag. Zur Frage, ob der Leichnam Mursis vor seiner Beisetzung noch obduziert worden ist, wurde bislang nichts bekannt gegeben.

Mursis Anwalt Abdel-Menem Abdel-Maksud sagte der Nachrichtenagentur Reuters, der 67-Jährige sei während seiner Haft in schlechter gesundheitlicher Verfassung gewesen. "Wir haben mehrere Anträge auf Behandlung gestellt", sagte er. "Einige wurden genehmigt, andere nicht."

Amnesty: Mursis Ableben wirft "ernste Fragen" auf

Menschenrechtler machten die schlechten Haftbedingungen für Mursis Tod verantwortlich. Die inzwischen verbotene Muslimbrüderschaft warf dem ägyptischen Staat vor, absichtlich für einen "langsamen Tod" gesorgt zu haben. Ein in London lebendes Mitglied der Muslimbrüder, Mohammed Sudan, bezeichnete Mursis Tod als "vorsätzlichen Mord". Über seinen Gesundheitszustand habe es wenige Informationen gegeben. Mursi habe seit Monaten keinen Besuch bekommen. Er habe geklagt, nicht seine Medizin zu bekommen.

Amnesty International verlangte eine umfassende Untersuchung. Die ägyptischen Behörden müssten den Umständen seines Todes "unvoreingenommen, gründlich und transparent" nachgehen, sagte die stellvertretende Nahost-Direktorin der Menschenrechtsgruppe, Magdalena Mughrabi. Gleiches gelte für das Überprüfen seiner Haftbedingungen und seines Zugangs zu medizinischer Versorgung. Sein Ableben "werfe ernste Fragen zu seiner Behandlung in Gewahrsam" auf.

Mursi war im Jahr 2012 als erster frei gewählter Präsident des Landes an die Macht gekommen. Das Militär stürzte ihn nach Massenprotesten im Juli 2013. Seitdem saß er im Gefängnis. Er musste sich mehrfach vor Gericht verantworten, unter anderem wegen der Tötung von Demonstranten und Spionage.

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