Ägypten Mindestens 24 Polizisten sterben in Hinterhalt auf dem Sinai

Ägypten versinkt in Gewalt: In Kairo kommen Dutzende Mursi-Anhänger ums Leben - angeblich bei einem Fluchtversuch. Auf der Sinai-Halbinsel sterben mindestens 24 Sicherheitskräfte, als Unbekannte sie in einen Hinterhalt locken. Die Behörden reagieren umgehend.

Auf der Sinai-Halbinsel im Osten Ägyptens sind Berichten zufolge mindestens 24 ägyptische Sicherheitskräfte getötet worden. Wie die Nachrichtenagenturen Reuters und AP unter Berufung auf offizielle Stellen melden, starben die Beamten in einem Hinterhalt nahe der Stadt Rafah.

Demnach wurden zwei Fahrzeuge der Ordnungspolizei am Morgen von Unbekannten mit Panzerfäusten aus einem Hinterhalt angegriffen, als sie sich von Rafah aus in Richtung Westen in Bewegung setzten. Zudem seien zwei Polizisten verletzt worden. Die ägyptische Regierung hat den Grenzübergang zum Gazastreifen inzwischen geschlossen.

Die Sicherheitslage auf dem Sinai hat sich seit der Revolution gegen den langjährigen Machthaber Husni Mubarak vor gut zweieinhalb Jahren massiv verschlechtert. Vor allem im de facto gesetzlosen Norden der Halbinsel an der Grenze zu Israel und dem Gazastreifen sind mittlerweile mehrere radikal-islamische Gruppen präsent. Zahlreiche Anschläge wurden auf Polizisten und Soldaten in der Region verübt. Außerdem kommt es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen den Sicherheitskräften und den Betreibern der Schmugglertunnel, durch die Waffen und Waren des täglichen Bedarfs in den Gazastreifen gelangen.

Diskussion um angeblichen Fluchtversuch

Bei einem Fluchtversuch von festgenommenen Muslimbrüdern in Kairo starben am Sonntag möglicherweise bis zu 38 Menschen. Das berichtete der arabische Nachrichtensender al-Jazeera. Die bereits am Samstag festgenommenen Männer hätten am Sonntag während ihres Transports zu einem Gefängnis einen Polizeioffizier als Geisel genommen und einen Fluchtversuch unternommen. Andere Polizisten hätten von außen durch die Fenster des Gefangenentransporters das Feuer eröffnet und alle 38 Insassen des Fahrzeugs erschossen.

Das Staatsfernsehen meldete am Abend, eine Gruppe von Bewaffneten habe versucht, den Transport zu stoppen, mit dem 612 Gefangene in die Haftanstalt gebracht werden sollten. Es entbrannte nach diesen Angaben ein Gefecht zwischen der Polizei und den Angreifern. Dabei seien 36 der Angreifer getötet worden.

Anderen Berichten zufolge starben die Menschen nicht durch Schüsse. Das Innenministerium erklärte, 36 Männer seien bei dem Ausbruchversuch gestorben, nachdem sie Tränengas eingeatmet hätten. Eine Person aus dem Umfeld der Justiz sagte der Nachrichtenagentur Reuters hingegen, die Islamisten seien auf dem Weg zum Gefängnis in einem überfüllten Transportfahrzeug der Polizei erstickt.

Die Muslimbruderschaft sprach am Montagmorgen von 52 Toten und forderte eine internationale Untersuchung des "abscheulichen Verbrechens" und anderer Vorfälle nach der Absetzung vom Präsident Mohammed Mursi. Eine für Sonntag geplante Kundgebung auf dem Roxy-Platz in Kairo wurde von den Muslimbrüdern "aus Sicherheitsgründen" abgesagt. Auf den Dächern der umliegenden Häuser seien "Schläger und Scharfschützen" gesichtet worden, hieß es. Eine Kundgebung vor dem Verfassungsgericht fiel dem staatlichen Fernsehen zufolge aus, weil die Sicherheitskräfte die Straßen rund um das Gebäude abgesperrt hatten.

EU-Staaten beraten über Reaktion

Seit der Räumung von zwei Protestlagern der Islamisten am Mittwoch sind nach offiziellen Angaben mindestens 750 Menschen Opfer der Gewalt geworden, darunter 57 Polizisten. Der Armeechef, General Abdel Fattah al-Sisi, forderte die Muslimbrüder auf, ihren Protest aufzugeben. Stattdessen sollten sie sich wieder am politischen Prozess beteiligen. Gleichzeitig drohte al-Sisi, die Sicherheitskräfte würden nicht schweigend zuschauen, wie die Entwicklung des Landes von den Anhängern Mursis sabotiert werde.

Die Botschafter von 28 EU-Staaten beraten am Montag in Brüssel über eine europäische Reaktion auf das Blutvergießen in Ägypten. Sie bereiten auch eine Sondersitzung der EU-Außenminister vor, die noch in dieser Woche stattfinden könnte, sagten EU-Diplomaten. Mehrere EU-Staaten, darunter auch Deutschland, haben bereits Finanzhilfen für staatliche Entwicklungsprojekte auf Eis gelegt. Italien hat angeregt, keinerlei Waffen mehr aus der EU nach Ägypten zu liefern. Die EU-Staaten genehmigten nach offiziellen Angaben im Jahr 2011 den Export von Waffen und Militärgütern im Wert von 303 Millionen Euro nach Ägypten.

Die neuen Machthaber in Kairo wollen sich auch durch Kritik westlicher Geberländer nicht von ihrem harten Kurs gegen die entmachteten Muslimbrüder abbringen lassen. Sie kündigten am Wochenende eine Politik der "eisernen Faust" an und diskutierten über ein Verbot der Islamisten-Organisation. Die Islamisten-Bewegung mobilisierte am Sonntag erneut Tausende von Anhängern, die gegen den "Militärputsch" demonstrierten.