Ägypten Krieg im Kernland

A handout picture taken on February 10, 2015 and released by the Egyptian Presidency shows Egyptian President Abdel Fattah al-Sisi (C) arriving to offer his condolences to Egypt's Coptic Pope Tawadros II (R) at Saint-Mark's Coptic Cathedral in Cairo's al-Abbassiya district on February 16, 2015, a day after the Islamic State (IS) group posted a video purportedly showing the decapitation of 21 Egyptian Coptic Christians. Al-Sisi said Egypt reserves the right to respond in a 'suitable way' after jihadists in Libya released the footage. AFP PHOTO / EGYPTIAN PRESIDENCY / HO ===RESTRICTED TO EDITORIAL USE - MANDATORY CREDIT 'AFP PHOTO / EGYPTIAN PRESIDENCY / HO' - NO MARKETING NO ADVERTISING CAMPAIGNS - DISTRIBUTED AS A SERVICE TO CLIENTS ===

(Foto: AFP)

Der "Islamische Staat" versucht Ägypten und Jordanien in einen bewaffneten Konflikt hineinzuziehen. Sollte das gelingen, käme die Terrororganisation ihrer apokalyptischen Vision näher.

Kommentar von Paul-Anton Krüger

Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi hat nie Zweifel daran gelassen, dass er den Bürgerkrieg im Nachbarland Libyen als Bedrohung der nationalen Sicherheit sieht. Die grausame Enthauptung von 21 Kopten durch Dschihadisten, die sich zum Islamischen Staat bekennen, ließ ihm nun kaum eine Wahl, als offen in Libyen zu intervenieren und den Kampf gegen das Terrorkalifat jenseits der eigenen Grenze zu führen.

Plan ist ein großer Krieg im Nahen Osten

Das spielt dessen selbst ernanntem Emir Abu Bakr el-Bagdadi in die Hand, denn in Syrien, vor allem aber in Irak geraten seine Schergen unter Druck. Eine Ausweitung der Kampfzone kommt dem Terrorfürsten gelegen; auch die Ermordung des jordanischen Piloten Moaz al-Kasasbeh zielte darauf: einen großen Krieg im Nahen Osten zu entfachen, auf dessen brennenden Trümmern er dann die Heimstatt aller Rechtgläubigen errichtet.

Schritt hin zur apokalyptischen Vision des selbst ernannten Kalifen

Das klingt nach einem irren Plan, aber birgt große Gefahr - nicht zuletzt für Ägypten: Die Armee führt auf dem Sinai Krieg gegen die Adepten des Emirs, die aller Erfolgsmeldungen zum Trotz jüngst mit einem Dutzend koordinierter Angriffe zurückschlagen konnten. Die Grenze zu Libyen ist mehr als 1000 Kilometer lang und kaum zu überwachen. Wenn der Kalif den Krieg ins ägyptische Kernland tragen und das bevölkerungsreichste arabische Land ins Chaos stürzen kann, dann kommt er seiner apokalyptischen Vision zumindest einen Schritt näher.