Ägypten Ex-Präsident Mursi wurde auf Marine-Basis gefangen gehalten

Wenig war bisher über den Verbleib von Mohammed Mursi seit seiner Absetzung bekannt. Jetzt meldet sich der ehemalige ägyptische Präsident in einem Brief zu Wort und berichtet von einer Entführung durch das Militär. Sein Anwalt kündigt gerichtliche Schritte gegen den Putsch an.

Der gestürzte ägyptische Präsident Mohammed Mursi ist nach eigenen Angaben vor seiner Absetzung durch das Militär entführt und auf einem Marine-Stützpunkt festgehalten worden. Das geht aus einem Brief Mursis hervor, den sein Anwalt Mohammed al-Damati am Mittwoch im Fernsehen vorgelesen hat. Der Anwalt hatte seinen Klienten am Vortag im Gefängnis in Alexandria besucht. Bisher war nur wenig über den Verbleib Mursis seit seinem Sturz bekannt.

"Das ägyptische Volk sollte wissen, dass ich gewaltsam entführt wurde und gegen meinen Willen vom 2. Juli bis 5. Juli in einem Haus der republikanischen Garde war, bis ich und meine Berater erneut gewaltsam in eine Marine-Basis der Streitkräfte für vier volle Monate verlegt wurden", zitierte der Anwalt Mursi. Die republikanische Garde ist eine Elite-Militäreinheit, die den Präsidentenpalast sowie weitere Regierungsgebäude bewacht. In der Haft habe Mursi nur die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton sowie eine EU-Delegation und vier Staatsanwälte getroffen.

"Dieser Putsch ist ein Verbrechen und Hochverrat"

In seinem Brief warnt Mursi die neue Führung Ägyptens außerdem vor weiteren Unruhen: Es werde erst wieder Stabilität herrschen, wenn alle Folgen des "Putsches" beseitigt seien, betonte Mursi. Die Verantwortlichen müssten zur Rechenschaft gezogen werden, weil sie ägyptisches Blut vergossen hätten. "Dieser Putsch ist ein Verbrechen und Hochverrat", hieß es in der Erklärung. "Der Präsident erwägt gesetzliche Maßnahmen gegen den Staatsstreich", sagte Anwalt al-Damati vor Journalisten. Ein Team von Verteidigern werde in Kürze entsprechende Schritte unternehmen. So werde eine Klage beim Generalstaatsanwalt eingereicht, die die Entmachtung als Verbrechen entlarven werde.

Das Militär hatte am 3. Juli Mursi entmachtet und eine Übergangsregierung eingesetzt. Seitdem kommt das nordafrikanische Land nicht zur Ruhe. Die Armee geht mit harter Hand gegen die Bewegung der Muslimbrüder vor. Ein Gericht hob am Dienstag den vor drei Monaten ausgerufenen Ausnahmezustand auf. Damit sollen künftig auch nächtliche Ausgangssperren wegfallen.

Der Prozess gegen Mursi und 14 weitere Angeklagte der Muslimbruderschaft wegen Anstiftung zur Gewalt und wegen des Todes von Demonstranten begann Anfang November mit einem Eklat. Nach wiederholten Unterbrechungen aufgrund von Protestrufen Mursis vertagte der Richter die Verhandlung auf Januar. Bei einem Schuldspruch droht dem ersten freigewählten Präsident in der jüngeren ägyptischen Geschichte lebenslange Haft oder die Todesstrafe.