Ägypten: Widersprüchliche Berichte:Verwirrung um Mubaraks Gesundheitszustand

Der ehemalige ägyptische Staatschef soll einen Schlaganfall erlitten und ins Koma gefallen sein. Das behauptet zumindest sein Anwalt. Oder ist das nur ein geschickter Schachzug kurz vor dem Prozess? Das Krankenhaus, in dem Hosni Mubarak in Untersuchungshaft sitzt, hält jedenfalls dessen Zustand für stabil.

Über den Gesundheitszustand des ehemaligen ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak gibt es widersprüchliche Berichte: Der staatliche ägyptische Rundfunk und der arabische Fernsehsender Al-Dschasira berichteten am Sonntagabend zunächst, Mubarak habe einen Schlaganfall erlitten und liege im Koma. Mubaraks Rechtsanwalt habe dies bestätigt. Kurz darauf berichtete das Fernsehen, das Krankenhaus bestreite die Angaben.

Hosni Mubarak

Das Archivfoto zeigt Hosni Mubarak. Nun herrscht Verwirrung über die Verschlechterung seines Gesundheitszustandes.

(Foto: AP)

Dort hieß es, Mubaraks Gesundheitszustand sei stabil. Der Direktor der Luxus-Krankenhaus im Sinai-Bad Scharm el Scheich, in der sich Mubarak seit Juni unter Arrest aufhält, dementierte, dass der Ex-Präsident ins Koma gefallen sei. Der 83-Jährige habe lediglich niedrigen Blutdruck gehabt und sich schwindelig gefühlt, sagte der Leiter des betreuenden Ärzteteams, Assen Assam.

Mubaraks gesundheitlicher Zustand sei stabil, und er werde weiter in seinem Zimmer im dritten Stock des internationalen Krankenhauses von Scharm el Scheich behandelt, sagte auch Ägyptens Vize-Gesundheitsminister Adel Adawi am Sonntagabend laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Mena.

Zuvor hatte Mubaraks Anwalt Farid el-Deeb berichtet, er sei über eine plötzliche Verschlechterung der Gesundheit seines Mandaten informiert worden. Dieser sei im "vollständigen Koma". Die Ärzte arbeiteten daran, dass Mubarak erwache. Der frühere Staatschef wurde bislang in erster Linie wegen Herzproblemen behandelt. Im Vorjahr war er im Universitätsklinikum Heidelberg an der Gallenblase operiert worden.

El-Deeb hat in jüngster Zeit häufiger von einer Verschlechterung von Mubaraks Gesundheitszustand berichtet, doch die Ärzte widersprachen jedes Mal. Ägyptische Medien spekulieren nun, dass Mubaraks Anwalt möglicherweise mit Berichten über eine Verschlechterung seines Gesundheitszustandes die Einstellung der Bevölkerung Mubarak gegenüber verbessern wollte.

Am 3. August beginnt der Prozess gegen den Ex-Präsidenten. Bei einem Schuldspruch könnte Mubarak die Todesstrafe drohen. In Ägypten verkaufen Straßenhändler seit einiger Zeit "Galgenstricke", die sich manche Autofahrer hinter die Scheibe hängen. Damit wollen sie ausdrücken, dass sie ihn möglichst bald am Galgen sehen wollen.

Mubarak war nach Massenprotesten abgetreten und befindet sich seit April in dem Krankenhaus am Roten Meer in Untersuchungshaft. Bei den Demonstrationen, die im Februar zu seinem Sturz führten, kamen fast 900 Menschen ums Leben. Weil Mubarak als zu schwach für eine Verlegung ins Gefängnis gilt, soll der Prozess gegen ihn wahrscheinlich in Scharm el Scheich - und nicht in Kairo - stattfinden, hieß es am Samstag in Justiz- und Sicherheitskreisen.

© AFP/dapd/Reuters/dpa/afis
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