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Mit Wissen von Kanzler Adenauer:Schnez' Spitzel lieferten BND Listen mit angeblichen Verdächtigen

Auf der anderen politischen Seite suchte und fand Schnez offenbar viele Kontakte: mit dem SS-Obersturmführer Otto Skorzeny ebenso wie mindestens zwei rechten Organisationen, die sich auf den bewaffneten Kampf gegen Eindringlinge aus dem Osten vorbereiteten. Seine Schattenarmee bot Schnez 1951 der Organisation Gehlen "zur militärischen Verwendung" an, aus dem der Bundesnachrichtendienst (BND) hervorgehen sollte. Offenbar lieferten Schnez' Spitzel dem BND-Vorläufer "Warnlisten", auf denen vermeintlich oder tatsächlich linke Personen verzeichnet waren.

Hans Speidel mit deutschen Offizieren an der Ostfront, 1943

Generalmajor Hans Speidel mit deutschen Offizieren an der Ostfront 1943. Nach dem Krieg stieg Speidel in der Bundeswehr und der Nato auf.

(Foto: Süddeutsche Zeitung Photo)

Die Bundesregierung von CDU-Kanzler Adenauer scheute den Konflikt mit den umtriebigen Weltkriegsveteranen. Angeblich informierte Adenauer auch den damaligen SPD-Granden Carlo Schmidt. Doch es passierte fast nichts.

Zweimal habe es aus dem Kanzleramt den Auftrag an Gehlen gegeben, wie mit der Schnez-Truppe zu verfahren wäre: "Betreuung und Überwachung". Neben kleineren Geldzuwendungen soll es allerdings keine weiteren Unterstützungen gegeben haben. Was aus der Schattenarmee wurde, geht aus den entdeckten Papieren nicht hervor.

Einen Orden zum Abschluss

Viele Köpfe der Truppe gingen zur Bundeswehr, die 1955 gegründet wurde. Mit dabei beim Aufbau der Truppe: Adolf Heusinger, der erste Generalinspekteur, und Hans Speidel, ab 1957 Oberbefehlshaber der Nato-Landstreitkräfte in Mitteleuropa. Beide Generale sollen Schnez' Geheimprojekt auch unterstützt haben. Schnez selbst machte ebenfalls bei der Bundeswehr Karriere: Er gehörte zum engeren Umfeld des Verteidigungsministers Franz Josef Strauß (CSU) und wurde Brigadegeneral. 1960 wurde öffentlich, dass er sich in Spanien nach Depots und Übungsplätzen für die Bundeswehr umsah - die Parallele zu früheren Plänen seiner Schattenarmee ist naheliegend.

Doch das schadete Schnez ebenso wenig, wie das vorlaute Verhalten gegenüber Adenauer. "Keine Folgen" von Seiten des Kanzlers habe es gegeben, sagte der General a. D. kurz vor seinem Tod, und fügte zufrieden hinzu: Adenauer habe anschließend bei Gesprächen mit US-Präsident John F. Kennedy "wie eine Eins" zu Berlin gestanden.

Kurz vor dem Ende seiner militärischen Laufbahn zeigte Schnez noch einmal, wie er tickte. In einer Studie schwadronierte er 1970 über das Soldatenbild einer "vergangenen militärischen Welt", wie die Zeit vermerkte. Es war eine Kraftprobe mit dem neuen Bundesverteidigungsminister Helmut Schmidt (SPD), der die Truppe später reformieren sollte - ohne Schnez. Der ging 1971 in Pension, nachdem ihm das Große Verdienstkreuz mit Stern verliehen worden war.

© SZ.de/gba
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