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Abu Dhabi:Katar verspricht Schritte zur Terrorismusbekämpfung - aber ist das genug?

Diesem Druck wird sich Katar kaum entziehen können, das ließ sich auch aus den Äußerungen von Außenminister al-Thani herauslesen. Katar habe sich verpflichtet, alle internationalen Vereinbarungen zu erfüllen, sagte er. Man habe viele Schritte unternommen, um den Terrorismus zu bekämpfen. "Wir lassen uns gerne auch beraten von Ländern, die Erfahrungen im Anti-Terror-Kampf haben", fügte er hinzu. Die Amerikaner etwa haben ausgeklügelte Maßnahmen entwickelt, um finanzielle Transaktionen zu Gunsten von Terrorvereinigungen zu unterbinden.

Wenn die Zugeständnisse Katars in diesem Bereich als ausreichend betrachtet werden, erscheinen Lösungen für die anderen Probleme zumindest aus der Sicht Abu Dhabis möglich. Kuwait habe seine Außenpolitik, vor allem was Iran und Irak angehe, und Oman habe seine eigene Außenpolitik, auch gegenüber Iran. "Nie gab es deswegen eine Krise", sagte Gargash der SZ.

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Aber der Fall Katar liege anders: Man habe es mit einem Land zu tun, das intensiv dschihadistische Gruppen unterstütze. "Im Golfkooperationsrat wird ein großes Maß an Souveränität und Eigenständigkeit praktiziert, aber das gemeinsame Interesse an Stabilität ist ebenfalls ein Kernelement." Katar wolle zwar den ersten Teil in Anspruch nehmen, aber sich nicht an den zweiten halten, sondern Organisationen von der Muslimbruderschaft über die Hamas bis zur Nusra-Front in Syrien und Organisationen in Libyen zu unterstützen, die mit al-Qaida verbunden sind.

Ist die Muslimbruderschaft eine terroristische Gruppe?

Während Katar - nicht immer restlos überzeugend - jede Unterstützung von Gruppen bestreitet, die von den Vereinten Nationen als terroristisch gelistet sind, dürfte der Konflikt um Dohas Beziehungen zur Muslimbruderschaft am schwierigsten zu lösen sein. In Abu Dhabi gilt sie als Terrororganisation, ebenso in Saudi-Arabien, auch wenn Riad etwa mit der jemenitischen Filiale, der Islah-Partei, weiter Kontakte hat. Katar unterstützt in Libyen mit der Bruderschaft verbundene Gruppen, während die V.A.E. und Ägypten deren Gegnern im Kampf um die Macht in dem ölreichen nordafrikanischen Land mit Geld und auch militärischer Ausrüstung und Waffen unter die Arme greifen.

Auch hat Katar sich nie von der ägyptischen Muslimbruderschaft abgewandt, die im Sommer 2013 vom Militär in Kairo von der Macht vertrieben worden war - nachdem sie die ersten demokratischen Wahlen in dem Land überdeutlich gewonnen hatte. Die Bruderschaft ist weder in Deutschland noch in der EU oder in den USA als Terrorvereinigung eingestuft, auch wenn es im US-Kongress solche Bestrebungen gibt, befeuert durch entsprechende Lobby-Arbeit Ägyptens und der V.A.E. Selbst US-Außenminister Tillerson warnt vor einer pauschalen Einstufung. Der tunesische Ableger etwa, die Ennahda-Partei, ist in Tunis an der Regierung beteiligt und gilt als Partner, mit dem man reden kann.

Westliche Geheimdienste bescheinigen der Muslimbruderschaft in Ägypten, ein politisches Klima zu schaffen, in dem Gewalt als Mittel in der politischen Auseinandersetzung als legitim erscheint. Auch gibt es mehrere Gruppen, die aus der Jugend der Bruderschaft hervorgegangen sind und Polizisten sowie andere Repräsentanten des Staates attackieren. Zugleich heißt es bei den Diensten aber, es gebe keine Belege dafür, dass die Muslimbruderschaft und ihre im Exil lebenden Führer selbst Terrorattacken organisieren oder unterstützen - geschweige denn, dass sie mit der Terrormiliz Islamischer Staat kooperieren.

Das ist der Graubereich, in dem es schwierig werden wird, die Positionen vor allem der Vereinigten Arabischen Emirate und Ägyptens mit denen Katars in Einklang zu bringen - das betrifft auch die Rolle von Al Jazeera. Kairo und Abu Dhabi sehen den Sender als Sprachrohr der Muslimbruderschaft und Medium der Aufwiegelung. Katar hat ausgeschlossen, ihn zuzumachen. Auch das ist eine Forderung, die westliche Staaten kaum mittragen können. Es wird also auch nach dem Treffen in Kairo großen Gesprächsbedarf geben - wenn die Außenminister mindestens wieder bereit sind, sich mit Katar an einen Tisch zu setzen.

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