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Abspaltung von den USA:Darf ein Staat die USA überhaupt verlassen?

Dennoch wäre es "ungerecht", den Aufschwung der Sezession-Bewegung in Texas und anderen Südstaaten nur auf Barack Obama zurückzuführen, meint Rumion: "Seit 60 Jahren nimmt sich die Regierung immer mehr Rechte und trampelt auf unserer Verfassung herum. George W. Bush und Clinton waren nicht besser als Obama."

Der wichtigste, erbittert ausgetragene Konflikt in Amerikas Gesellschaft, welche Aufgaben der Staat übernehmen und welche Steuerlast jeder Bürger dafür begleichen soll - er steht auch hinter der schrillen SECEDE-Bewegung. Ginge es nach Jon Rumion, dann wäre ein unabhängiges Texas "der Welt ein strahlendes Vorbild". Die neue Verfassung würde klar festschreiben, dass der Staat keine Schulden machen dürfe und die Rechte der Bürger sichern müsse. Ähnlich wie in Island sollten die Menschen viele Mitspracherechte bekommen. Der 24-Jährige, der auch in der Hackerszene aktiv ist, plädiert dafür, ein modernes Einwanderungsrecht festzuschreiben und Drogenbesitz zu entkriminalisieren.

Dies dürfte den ultrakonservativen Nationalisten ebenso wenig gefallen wie Rumions Überzeugung, dass Homosexuelle gleiche Rechte erhalten müssen: "Man muss die Steuergesetze doch nur so schreiben, dass das Wort Ehe gar nicht vorkommt." Eines scheint klar: Wenn die Bewegung um SECEDE Kilgore irgendwann über ein Parteiprogramm debattiert, dann kommt entweder ein völlig unverbindliches Dokument heraus oder es fliegen die Fetzen.

2014 soll über Abspaltung abgestimmt werden

Für Außenstehende ist der offen zur Schau getragene Patriotismus Rumions schwer zu verstehen. Natürlich sei er zunächst Texaner und dann Amerikaner, erklärt der 24-Jährige. In der achten Klasse habe er gelernt, wie etwa 200 Texaner im Jahr 1836 nahe der Missionsstadt Alamo so lange gegen die zahlenmäßig überlegene Armee Mexikos kämpften, bis Verstärkung kam - und alle für ihre Heimat starben. Die Entscheidung "Sieg oder Tod", vor die alle Männer gestellt wurden, beeindruckte Rumion: "Der Stolz ist bis heute da. Wir waren eine Republik, bevor wir 1845 den USA beitraten - das vergessen wir nicht." Der einer Pilgerfahrt ähnelnde Ausflug nach San Antonio zum Museum The Alamo ist Pflichtprogramm für alle texanischen Schüler, und Ted Cruz, der soeben gewählte republikanische Senator und Tea-Party-Liebling, zitiert "Victory or Death" bei jeder Gelegenheit, um seine Prinzipientreue zu verdeutlichen.

Im Sommer werde der Wahlkampf beginnen, sagt SECEDE: Er will erreichen, dass parallel zur Gouverneurswahl im November 2014 über eine Abspaltung Texas' abgestimmt wird. Ein entsprechender Antrag soll in diesem Sommer gestellt werden. Wie Rumion setzt der Ober-Separatist darauf, dass die öffentliche Aufmerksamkeit und das Medienecho ihrem Anliegen helfen werden.

Unter Juristen ist es hoch umstritten, ob ein Bundesstaat die USA verlassen darf. Sollten die Texaner wirklich ernst machen, müsste der Supreme Court entscheiden - und auch konservative Richter wie Antonin Scalia halten dies für unmöglich. Eine weitere offene Frage: Wie würde Gouverneur Rick Perry reagieren, wenn eine Mehrheit der texanischen Wähler dem Antrag zustimmt, der eine Sezession fordert? Als 2009 die Tea Party populär wurde, hatte der Republikaner noch mit derselben Idee geliebäugelt.

Im November aber hatte Perry, der auf eine Kandidatur für das Weiße Haus zugunsten von Mitt Romney verzichten musste, erklärt, dass er zwar frustriert über Washington sei, aber weiterhin an die "Größe der Vereinigten Staaten" glaube und keine Änderungen fordere. Doch Jon Rumion vermutet, dass sich dies im Erfolgsfall ändern werde: "Perry würde sich an die Spitze der Unabhängigkeitsbewegung stellen." Allerdings wirkt Rumion selbst so, als halte er dies nicht für sonderlich wahrscheinlich.

Der Autor twittert unter @matikolb.