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Abschuss von Flug MH17:Der BND hat seine Ansicht revidiert

Monatelang hat ein Team von WDR, NDR und SZ alle Spuren über den Abschuss der Maschine zusammengetragen. Die Recherchen führten quer durch Europa und auch nach Übersee. Mit Politikern, Augenzeugen, Separatistenführern, Luftverkehrsexperten, Angehörigen von Opfern, Nachrichtendienstlern wurde gesprochen und das Ergebnis all der Bemühungen lässt sich knapp zusammenfassen: Es spricht fast alles dafür, dass das Passagierflugzeug mit einem Raketensystem zur Flugabwehr, einer in den Siebzigerjahren in der damaligen Sowjetunion entwickelten Buk M1, vom Himmel geholt wurde.

Passagiermaschine in Ostukraine abgestürzt

Das russische Raketen-Abwehrsystem Buk-M2 bei einer Flugschau.

(Foto: Maxim Shipenkov/dpa)

Es gibt keinen Zweifel, dass die Maschine von dem Separatistengebiet aus abgeschossen wurde. Und sehr wahrscheinlich wussten die Schützen nicht, dass sie eine Zivilmaschine im Visier hatten. "Wir haben eine ukrainische Militärmaschine abgeschossen", jubelten unmittelbar nach dem Abschuss prorussische Rebellen im Netz. Viel komplizierter ist die Frage, ob es nur einen Schuldigen gibt. Eher nicht.

Weil damals schon die Lage so unübersichtlich war, hätte, wie Fachleute aus unterschiedlichsten Bereichen sagen, die Ukraine den eigenen Luftraum unbedingt sperren müssen. Das machte sie aber nicht. Sie sperrte nach dem Abschuss der Antonow den Luftraum lediglich bis zu einer Höhe von 9750 Metern. Das traf nicht die Zivilflugzeuge, die in größerer Höhe fliegen und für eine Buk M1 dennoch ein leichtes Ziel bieten.

Eine Sperrung des Luftraumes hätte die Ukraine Millionen Euro gekostet

Bei den Überflugrechten geht es um Geld. Eine Sperrung des Luftraums hätte die Ukraine am Tag schätzungsweise eine halbe bis zwei Millionen Euro gekostet. Das Geld wollte man sich offensichtlich nicht entgehen lassen. Die Ukraine ist klamm.

Einer der Angehörigen hat bei den Recherchen seine Fassungslosigkeit so zusammengefasst: "Mein erster Gedanke war schon, wie es möglich ist, dass ein Flugzeug über ein Land fliegen darf, wo nichts mehr kontrolliert wird." Einige andere Gesellschaften seien doch nicht mehr über dem Gebiet geflogen.

Der Weg der Buk M1 war lange Zeit unter den Geheimdienstlern umstritten. Der BND etwa hing einer anderen Version an als beispielsweise die Amerikaner oder die Ukrainer, die sich sicher gaben, dass die Waffe aus Russland kam.

In Kranotorsk, Luhansk, Donezk und Mariupol, so der BND in einem geheimen Lagebericht, habe die Ukraine über vergleichbare Systeme verfügt. Mindestens zwei der Standorte seien von prorussischen Separatisten überrannt worden. Vielleicht handele es sich bei der Buk um eine Beutewaffe. Dafür gebe es zwar keine Belege. Diese Einschätzung beruhe aber auf Indizien, Plausibilitätserwägungen und Wahrscheinlichkeiten, meinte der BND. Satellitenbilder zeigten, dass einer der Stützpunkte umkämpft gewesen sei.

Inzwischen hat der BND seine Ansicht revidiert. Angeblich ist die Buk M1 doch aus Russland gekommen.

"Todesflug MH 17 - warum mussten 298 Menschen sterben?" Dokumentation in der Reihe "Die Story im Ersten", ARD, 22.45 Uhr.

© SZ vom 27.04.2015/fued

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