Abschiebungen in den USA Adiós Amerika, adiós meine Kinder

Guadalupe Garcia de Rayos bei ihrer Abschiebung.

(Foto: AP)

21 Jahre lebt Guadalupe García de Rayos illegal in den USA. Nun musste sie gehen - obwohl ihre Kinder Amerikaner sind. Der neue Präsident will es so.

21 Jahre Hoffnung, zwei Kinder, ein Traum: Ein besseres Leben, irgendwie raus aus der Armut. Dieser Traum von Guadalupe García de Rayos ist nun geplatzt, von heute auf morgen, genauer: am Mittwoch.

Rayos ist wohl die erste "Illegale", wie Menschen ohne gültige Papiere vom neuen US-Präsidenten Donald Trump genannt werden, die in einer Behörde der US-Regierung verhaftet und dann abgeschoben wurde. Die New York Times hat ihre Geschichte recherchiert und veröffentlicht.

Sie beginnt demnach Mitte der neunziger Jahre in Acambaro, einer verarmten Stadt in Mexiko, da ist sie noch ein Mädchen. Nach 2014 Kilometern schwitzen und bangen kommt sie endlich in den USA an: Arizona. In diesem Hinterland der USA, wo ihre Zweifel im Wind verwehen, träumt die damals 14-Jährige von einer Zukunft ohne Armut. Sie heiratet und bringt eine Tochter und einen Sohn zur Welt, gesund, beide sind Amerikaner. Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten meint es gut mit mir, denkt Rayos.

Mexikaner ohne Nummer, mit falscher Nummer, wer weiß das schon?

Ihr Traum geht auf in harter Arbeit, im Erlebnispark Golf Sunsplash in der Stadt Mesa, wo weiße Kinder in roten Gummireifen rutschen. Rayos ist drin, das allein zählt, 2229 Kilometer entfernt von ihrer Vergangenheit.

Jahrelang geht das gut, sie besorgt sich eine falsche Sozialversicherungsnummer. Wer den US-amerikanischen Alltag kennt, der kennt auch die Mexikaner in den Küchen der Restaurants. Nannys, Putzfrauen, Gärtner: Mexikaner, ohne Nummer, mit falscher Nummer, wer weiß das schon?

Rayos Tochter wächst und bekommt eine Zahnspange. Ihre Mutter bekommt den Schreck ihres Lebens: Kontrolle, Ausweise, der Sheriff greift durch, Handschellen klicken.

Sie wird wegen Identitätsdiebstahls festgenommen, drei Monate Gefängnis. Rayos ist jetzt wieder die Mexikanerin, die keiner will und alle brauchen. 2013 entscheidet ein Gericht, dass sie abgeschoben werden soll, doch Rayos kann bleiben. Die Obama-Regierung zeigt Nachsicht mit illegalen Einwanderern. Sie hat vielleicht auch Sorge um die Betriebe wie das Golf Sunsplash in Mesa, auch das ist eine Perspektive.

Die Behörden jedenfalls fordern sie auf, jedes Jahr im Büro der Immigration and Customs Enforcement, kurz ICE, anzutreten, wo ihr Fall immer wieder aufs Neue geprüft wird. Bevor sie das Gebäude betritt, faltet Guadalupe García de Rayos die Hände. Sie glaubt an Gott, sie glaubt an ihr Glück. Jedes Jahr wieder ein Jahr Schonfrist. Bis zu diesem Mittwoch.

Rayos wird festgesetzt, die Abschiebung organisiert, Stempel, Unterschrift, raus. Der neue US-Präsident hat angekündigt, Kehraus zu machen im Land. Eines seiner ersten 18 Präsidenten-Dekrete verfügt, Menschen ohne gültige Papiere des Landes zu verweisen, und so sitzt Guadalupe García de Rayos mitten in der Nacht in einem vergitterten Bus in Richtung Sonne. Sie ist eine Kriminelle, so sieht das Trump, und so sieht das nun auch die Behörde mit der kühlen Abkürzung ICE.

"Wir leben in einer neuen Zeit, einer Zeit, in der Krieg gegen Migranten herrscht"

Vor dem ICE-Gebäude in Phoenix protestieren Menschenrechtsgruppen, kein Mensch ist illegal, schreien sie. Rayos Tochter sagt unter Tränen, dass keine Tochter dieser Welt gezwungen werden sollte, den Koffer ihrer Mutter zu packen.

"Wir leben in einer neuen Zeit, einer Zeit, in der Krieg gegen Migranten herrscht", zitiert die New York Times Ray A. Ybarra Maldonado, Rayos' Anwalt. Die mexikanische Regierung hat nach dem Vorfall ihre Staatsbürger zu besonderer Vorsicht in den USA aufgerufen. Betroffene sollten Kontakt mit dem nächsten Konsulat aufnehmen, heißt es: Man wolle die Landsleute besser schützen.

Vom Schutz der eigenen Landsleute träumen auch Tausende Menschen im Internet, die ihren Präsidenten Trump feiern. Keine Träne weine ich Frau Rayos hinterher, schreibt jemand auf Twitter.

Passend dazu häufen sich Meldungen, wonach ICE-Beamten hunderte Menschen ohne Papiere festgenommen haben sollen, in US-Medien ist die Rede von raids, von Razzien.

Die Kinder von Guadalupe García de Rayos erhalten am Donnerstag einen Anruf. Ihre Mutter ist im mexikanischen Grenzort Nogales angekommen. Genau dort, von wo aus sie vor 21 Jahren das Land betreten hat, in dem alles besser werden sollte.