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Abrüstung:Vertrauen

Die USA und China sollten sich zusammenreißen und ehrlich auf Abrüstungsverhandlungen einlassen.

Rüstungskontrolle scheint ein Ding der Vergangenheit zu sein, die Verträge zu den großen Abrüstungsinitiativen stammen politisch und militärisch aus einer anderen Zeit. Wenn nun in einem angespannten politischen Klima Russland und die USA Gespräche zur Verlängerung oder gar Neufassung des wichtigsten Kontrollvertrags für Nuklearwaffen vereinbaren, wittert man nicht zu Unrecht eine Falle: Wer könnte hier wen vorführen wollen?

Misstrauen ist immer angebracht, aber diesmal sollten die Gespräche in guter Absicht beginnen. Beide Seiten haben Gründe und genügend neuartige Waffentypen, um über deren Begrenzung zu sprechen. Ein Rüstungswettlauf in technologischer Echtzeit ist unkontrollierbar und zwingt selbst die US-Volkswirtschaft in die Knie.

Bleiben zwei Unwägbarkeiten: Ein neuer Vertrag müsste bis zur US-Wahl geschlossen sein, danach wird es so schnell kein Ergebnis geben. Und das rüstungsfreudige China müsste eigentlich an der Nuklearkontrolle beteiligt werden, wie es die USA mit guten Gründen verlangen. Weigert sich Peking, dann wäre das vielleicht ein willkommener Beleg vom Sündenkonto im neuen Kalten Krieg mit den USA. Aber auf diese taktische Spielerei darf eine Abrüstungsinitiative nicht reduziert werden. Noch sitzen die USA und Russland auf den größten Arsenalen und haben eine Bringschuld. Ein Vertrag zwischen den beiden würde China automatisch isolieren. Die Teilnahme darf also keine Bedingung sein.

© SZ vom 10.06.2020

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