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Abitur:Länder in der Schulpflicht

Es braucht nicht zwingend ein Zentralabitur - aber mehr Gemeinsamkeit.

Von Paul Munzinger

Bildungsministerin Susanne Eisenmann (CDU) aus Baden-Württemberg setzt sich auf einmal vehement für ein bundesweites Zentralabitur ein. Das ist überraschend, aber aus zwei Gründen plausibel: Erstens will sie als künftige Herausforderin des grünen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann auf sich aufmerksam machen. Zweitens hat sie verstanden, dass die Bundesländer dringend den Nachweis erbringen müssen, dass Bildungsfragen bei ihnen in den richtigen Händen sind. Dass Bayerns Ministerpräsident Markus Söder ihre Idee kategorisch ablehnt, ist nicht überraschend, hat aber vor allem einen Grund: Er hat genau das nicht verstanden.

Die Querelen um das Mathe-Abitur in diesem Sommer haben gezeigt, dass die Länder in ihren Bemühungen, das Abitur besser vergleichbar zu machen, nur in Trippelschritten vorankommen. Der Pool gemeinsamer Aufgaben? Nur ein netter Versuch, solange die Länder diese verändern können. Gerechtigkeit? Ein frommer Wunsch, wenn nach den Protesten die einen Länder die Noten rückwirkend heraufsetzen, die anderen nicht.

Ein Zentralabitur wäre die radikalste Lösung. So weit muss es gar nicht gehen. Aber die Länder müssen vorankommen. Nicht um ihre Bildungshoheit preiszugeben, wie Söder argwöhnt. Sondern um sie zu verteidigen.

© SZ vom 12.07.2019

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