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Abgeordnete im neuen Bundestag:Religion und Berufe

Religion

Auch das gibt es im Bundestag: regelmäßige morgendliche Andachten, die katholische und evangelische Seelsorger gemeinsam veranstalten. Wem das nicht genug ist, der kann als Abgeordneter auch noch die Gebetsfrühstücke in der Dienststelle von Martin Dutzmann besuchen. Der neue Bevollmächtigte der Evangelischen Kirche in Deutschland will dort möglichst besinnlich einen Parteigrenzen übergreifenden Dialog pflegen.

Die konfessionellen Gewichte bleiben im neuen Bundestag nahezu unverändert. 224 Abgeordnete bekennen sich als Katholiken, 220 sind evangelisch. 85 sind konfessionslos, das ist mehr als ein Achtel. 91 Parlamentarier wollten sich überhaupt nicht äußern, ob sie einer Kirche angehören. Die Linkspartei wartet mit einer orthodoxen Abgeordneten auf, die SPD mit einem Altkatholiken.

Die Zahl der Muslime steigt beständig: Im vorherigen Parlament waren drei Muslime vertreten, im neuen sind es acht. Die Grünen haben mit vier Abgeordneten die meisten Muslime in der Fraktion. Mit Cemile Giousouf sitzt zum ersten Mal in den Reihen der CDU eine Muslimin. Die 35-Jährige wurde in Leverkusen geboren, ihre Eltern gehören der türkischen Minderheit in Griechenland an. Sie kam aus dem westfälischen Hagen über die Landesliste ins Parlament und sagt: "Es war ein langer Weg." Bislang arbeitete Giousouf als Referentin im nordrhein-westfälischen Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales.

Berufe

Unter seinem Kampfnamen "Fieser Freiherr" hat der SPD-Politiker Matthias Ilgen, 29, jahrelang anderen Wrestlern im Ring zugesetzt. Weil der Politiker aus Nordfriesland aber nun vernünftige Arbeit auf seinen Themengebieten Energie, Wirtschaft und Verkehr leisten will, steigt er aus dem professionellen Wrestling-Geschäft aus. Der Veranstaltungskaufmann, der im Alter von 15 Jahren bei den Jusos begann, will sich in Berlin nur noch im Fitness-Studio verausgaben. Ilgen ist sich sicher, dass ihm seine Erfahrungen als Ringkämpfer nützlich sein werden: "Das dicke Fell, das man entwickelt, kann man in der Politik durchaus gebrauchen."

Der einzige verbliebene Ex-Sportstar im Parlament ist übrigens Eberhard Gienger, 62, Reck-Weltmeister und Olympia-Dritter. Seit 2002 hält der Unternehmer sein Mandat für die CDU, diesmal mit dem Traumergebnis 53 Prozent in seinem Wahlkreis Neckar-Zaber.

Fast ein Viertel der Abgeordneten kommt aus farbloseren Berufsbereichen: Von 631 Abgeordneten sind 149 Beamte und Angestellte im öffentlichen Dienst. Es handelt sich zumeist um Verwaltungsmitarbeiter oder Lehrer. Stark vertreten ist auch die Branche der Juristen. 80 Rechtsanwälte und Notare stehen im neuen Bundestagsverzeichnis. Das sind doppelt so viele wie Anfang der Sechzigerjahre.