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Abgasskandal:Audi zahlt 800 Millionen Euro Bußgeld

Der Konzern gibt zu, die Abgasreinigung von Millionen Diesel-Fahrzeugen manipuliert zu haben. Noch bis 2018 wurde beim Stickoxid-Ausstoß getäuscht - Verbraucherschützer fordern Entschädigung für Kunden.

Die Staatsanwaltschaft München II hat in der Abgasaffäre gegen die Volkswagen-Tochter Audi ein Bußgeld in Höhe von 800 Millionen Euro verhängt. Audi akzeptiert den Bescheid. Fast fünf Millionen in Europa, den USA und weiteren Ländern verkaufte Diesel-Fahrzeuge seien nicht in Ordnung gewesen, erklärte die Staatsanwaltschaft. Audi habe die Vorgaben für den Ausstoß von Stickoxiden nicht eingehalten. Im Verlauf der Affäre hatte sich gezeigt, dass nicht nur Volkswagen, sondern auch Audi die Abgasreinigung von Diesel-Autos manipuliert hatte.

Es handelt sich um die zweithöchste Geldbuße bei Affären dieser Art in Deutschland. Im Juni hatte Volkswagen eine Milliarde Euro zahlen müssen. Nun ist Audi mit 800 Millionen Euro dran. Zu diesen insgesamt 1,8 Milliarden Euro dürften in Europa kaum noch weitere Bußgelder hinzukommen. Im Vergleich zu den USA kommt der VW-Konzern damit glimpflich weg. In Übersee waren Strafen sowie Schadensersatzzahlungen für Autokäufer von mehr als 20 Milliarden Dollar fällig.

Audi räumt Verstöße von 2004 bis 2018 ein, also auch nach der Enthüllung von Manipulationen bei VW im Jahr 2015 durch US-Behörden. Die betroffenen Fahrzeuge sind beziehungsweise wurden von Audi sowohl mit eigenen Motoren wie auch mit Maschinen von VW ausgestattet. Außerdem geht es um Autos von VW und Porsche mit Audi-Motoren.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hat der Bußgeldbescheid keine Auswirkungen auf Schadenersatzklagen von Autokäufern. Deren Ansprüche blieben "unberührt". Bislang gehen die Besitzer von Fahrzeugen des VW-Konzerns in Europa aber weitgehend leer aus. Volkswagen und die anderen Konzernmarken stellen sich auf den Standpunkt, man habe hier die Autos mit Software-Updates in Ordnung gebracht und müsse deshalb anders als in den USA keinen Schadenersatz zahlen. Nur in Ausnahmefällen vergleicht sich VW mit Kunden. Das geschieht vor allem, um Urteile von Oberlandesgerichten abzuwehren, die Signalwirkung haben könnten.

Der oberste Verbraucherschützer hierzulande, Klaus Müller, findet das nicht in Ordnung. Audi müsse nach dem Bußgeldbescheid die Manipulationen lückenlos aufklären und die Autokäufer "anständig entschädigen". Das könne etwa durch Geldzahlungen oder einen Umtausch der Fahrzeuge geschehen. "Leider macht die Erfahrung mit VW wenig Hoffnung auf eine schnelle und faire Lösung vonseiten der Autoindustrie", sagt Müller. Er leitet die deutsche Verbraucherzentrale.

Auch nach dem Bußgeldbescheid gegen Audi ermittelt die Staatsanwaltschaft weiter gegen den früheren Vorstandschef Rupert Stadler, der in Untersuchungshaft sitzt, und andere Beschuldigte. Ihnen wird Betrug von Kunden vorgeworfen. Stadler bestreitet das. Audi prüft Schadenersatzforderungen gegen den Ex-Vorstandschef, will aber offenbar abwarten, was bei den Ermittlungen und einem eventuellen Prozess herauskommt. Falls man Stadler in Regress nehme, solle dies "weh tun", aber nicht seine wirtschaftliche Existenz vernichten, heißt es von Audi.