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Abgasaffäre:Billige Einsicht bei VW

Volkswagen verhandelt endlich mit Verbraucherschützern über Schadenersatz - allerdings nur für einen Bruchteil der geschädigten Käufer. Für die Konzernkasse mag das gut sein. Unternehmenspolitisch aber ist dieser Umgang mit den Kunden eine Bankrotterklärung.

Volkswagen lässt sich im fünften Jahr der Abgasaffäre endlich darauf ein, mit Deutschlands Verbraucherschützern über einen Schadenersatz für betroffene Autokunden zu verhandeln. Das ist nicht nur eine späte, sondern auch eine billige Einsicht. Denn es geht nur um gut 400 000 VW-Kunden, die sich einem Musterprozess in Braunschweig angeschlossen haben. Der Konzern hat hierzulande aber 2,4 Millionen Käufern saubere Diesel-Fahrzeuge versprochen und stattdessen Schmutzautos mit manipulierter Abgasreinigung angedreht.

Volkswagen hat bislang alles getan, um in Deutschland und im übrigen Europa Ansprüche abzuwehren. Der Konzern hat teure Anwälte vorgeschickt, hat jeden zulässigen Trick angewandt. Hat es geschafft, ein mögliches Grundsatzurteil so lange hinauszuzögern, dass weitere Klagen offenbar verjährt wären. Um nichts oder möglichst wenig zahlen zu müssen.

Die harte Linie ist ganz im Sinne der VW-Hauptaktionäre, der Milliardärsfamilien Porsche und Piëch. Deren Vertrauter bei VW, der Chefjurist Manfred Döss, drückt die harte Linie durch. Für die Konzernkasse und für die Milliardärsfamilien mag sich das finanziell auszahlen. Aber unternehmenspolitisch betrachtet ist dieser Umgang mit den Kunden für Volkswagen wie auch für die Porsches und Piëchs eine Bankrotterklärung.

© SZ vom 03.01.2020
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