Abgas-Affäre in den USA Neues Debakel für VW

Amerikas Behörden lehnen die Rückrufpläne für 113 000 Diesel-Oberklassewagen strikt ab. Nun drohen Volkswagen weitere Milliardenkosten.

Von C. Hulverscheidt, Th. Fromm, A. Slavik, New York/München

Der Autobauer VW hat bei der Aufarbeitung des Abgas-Skandals in den USA erneut einen schweren Rückschlag erlitten. Das kalifornische Umweltamt CARB lehnte am Donnerstag das Rückrufkonzept des Konzerns für Pkw mit Drei-Liter-Dieselmotor zum wiederholten Mal ab und verlangte umfassende Nachbesserungen. Der vorliegende Plan sei "unvollständig, mangelhaft und weit davon entfernt, die betroffenen Autos wieder in einen Zustand zu versetzen, der den gesetzlichen Anforderungen entspricht", hieß es.

Mit der Entscheidung des Amtes rückt zunehmend die Volkswagen-Tochter Audi in den Mittelpunkt des Skandals um manipulierte Emissionswerte. Die Ingolstädter sind konzernintern für den Bau der Drei-Liter-Motoren zuständig und beliefern auch VW und Porsche. Da sich die US-Bundesumweltbehörde EPA der CARB-Einschätzung anschloss, gilt die Rüge de facto für alle 113 000 Oberklassemodelle der drei Marken, die auf US-Straßen unterwegs sind.

Die Affäre könnte für Volkswagen somit noch teurer werden als gedacht. Bisher hat der Konzern allein in den Vereinigten Staaten 15 Milliarden Dollar (13,5 Milliarden Euro) für Strafzahlungen, Entschädigungen sowie die Reparatur und den Rückkauf von Autos zugesagt. Der Vergleich betrifft jedoch nur die 482 000 Kunden mit Zwei-Liter-Modellen. Sollte der Konzern nun auch Oberklassewagen zurückkaufen und die Besitzer entschädigen müssen, wären die 16,2 Milliarden Euro, die VW zur Bewältigung der Krise zur Seite gelegt hat, wohl rasch aufgebraucht. Audi hat bisher lediglich 228 Millionen Euro zurückgestellt.

Der VW-Konzern hatte im vorigen September gegenüber den US-Behörden eingestehen müssen, dass er den Schadstoffausstoß seiner Diesel-Pkw über Jahre manipuliert hatte. Weltweit geht es um mehr als zehn Millionen Autos. Dass auch Modelle mit drei Litern Hubraum betroffen sind, bestritten VW und Audi lange. Vielmehr hieß es, es habe bei der amtlichen Anmeldung eines Software-Bausteins zur Steuerung der Abgasanlage eine kleine Panne gegeben. EPA und CARB bewerten jedoch auch diesen Baustein als bewussten Versuch, den viel zu hohen Schadstoffausstoß der Motoren nach unten zu regeln, sobald die Wagen auf dem Werkstatt-Prüfstand stehen.

In ihren Schreiben an VW, Audi und Porsche wirft die kalifornische Behörde den Firmen unter anderem vor, die Wirkungen der Manipulationssoftware bis heute nicht verständlich erklärt zu haben. Auch sei völlig unklar, ob eine Reparatur möglich sei und wie sich diese auf die Motorleistung und den Diesel-Verbrauch der Fahrzeuge auswirken würde. Die Rüge ist für Volkswagen auch deshalb heikel, weil der mit dem Skandal befasste Bundesrichter auch dem Vergleichsvorschlag für die Zwei-Liter-Modelle noch nicht zugestimmt hat. Er hatte VW und die Behörden zuletzt vielmehr aufgefordert, auch bei den Gesprächen über die Oberklassewagen voranzukommen.

VW bezeichnete die CARB-Schreiben als "verfahrensrechtlichen Schritt". Man werde weiter eng mit den Behörden zusammenarbeiten, um auch bei den Drei-Liter-Motoren so schnell wie möglich zu einer Lösung zu kommen.