Abdullah Öcalan:Erdoğan sorgt für Irritationen

Verhandeln statt kämpfen. Im Februar hatte sich Öcalan schon einmal ähnlich geäußert. Im Istanbuler Dolmabahçe-Palast wurde in Anwesenheit eines Regierungsvertreters ein Statement von Öcalan vorgetragen. Eine Sensation für sich. Seither ist wieder Bewegung in den Friedensprozess gekommen, der 2012 von Ankara aus begonnen wurde, seither aber keine wirklich großen Fortschritte gemacht hatte.

Der Frieden ist brüchig. Nun sollen die Kurden bei einem Kongress im Frühjahr beschließen, die Waffen niederzulegen. Öcalan sagt, das Treffen solle "eine gesellschaftliche und politische Strategie" festlegen. Es gehe um eine "neue Ära" im Verhältnis der Kurden zu den Türken. Noch ist sie ein Versprechen.

Wer sich in Diyarbakır beim Newroz-Fest umhört, bekommt zu spüren, wie groß der Wunsch nach Frieden ist. "Wir warten schon so lange", sagen ein paar Studenten, die sich um ein kleines Feuer versammelt haben. Jetzt sei die türkische Seite dran. Frieden könne es nur dann geben, wenn beide Seiten sich bewegten.

Die AKP-Regierung tut sich schwer. Ihr sitzen die Nationalisten im Nacken. Die konservativ-islamische Regierung fürchtet, ihr könnten Wähler davonlaufen. Die Nationalisten sind nicht bereit, den Kurden mehr Rechte und Freiheiten zu geben. Schon gar nicht in der Verfassung verbürgt, wie die Kurden verlangen. Im Juni wird in der Türkei gewählt. Jeder Schritt bis dahin ist auch Taktik.

Zuletzt sorgte eine Äußerung von Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan für Irritationen. Er sagte, es gebe überhaupt kein Kurdenproblem. In Diyarbakır kommt das nicht gut an. "Wir trauen der Regierung nicht", heißt es dort bei den Leuten. Im Moment will keine Seite zu große Zugeständnisse machen. Die Zeit des Friedens wird - wenn überhaupt - erst nach den Wahlen anbrechen können.

In Diyarbakır haken sich die Kurden unter und tanzen. Das ist ihr Tag.

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