Abdullah Öcalan:Friedensbotschaft aus dem Gefängnis

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In Diyarbakır wird das Neujahrsfest Newroz gefeiert.

(Foto: AFP)
  • Zum kurdischen Neujahrsfest Newroz verspricht der inhaftierte Kurdenführer Öcalan seinen Anhängern "eine neue Ära" im Verhältnis zur Türkei.
  • Damit könnte Bewegung in den Friedensprozess kommen, der den jahrzehntealten Konflikt zwischen Kurden und Türken beenden soll.
  • Anders als von einigen erhofft, forderte Öcalan seine Anhänger nicht dazu auf, umgehend die Waffen niederzulegen.

Von Mike Szymanski, Diyarbakır

Dunkle Rauchschwaden steigen am Stadtrand von Diyarbakır auf. Aber nein, man muss jetzt nicht beunruhigt sein, sagt Çiğdem. Die 20-jährige Studentin ist mit ihren Freunden auf dieses große, weite Feld gekommen, um zu feiern. Nicht weit von ihr brennt es, eine Art gigantische Fackel. "Es ist das Feuer der Kurden", sagt Çiğdem. Es könne gar nicht groß genug sein.

Es ist der 21. März. Die Kurden feiern an diesem Tag ihr Neujahrsfest, Newroz. In Diyarbakır, im kurdisch geprägten Südosten der Türkei, ist die ganze Stadt seit den Morgenstunden auf den Beinen. Hunderttausende sind unterwegs. Und Diyarbakır hat sich herausgeputzt, die Stadt leuchtet in Rot, Grün und Gelb. Das sind die Farben der Kurden. Die Studentin und ihre Freunde tragen sie als geflochtenes Stirnband unter dem langen, schwarzen Haar. Wer den Blick einmal schweifen lässt, schaut auf ein buntes Fahnenmeer. Die Worte der Bürgermeisterin von Diyarbakır, Gültan Kışanak, kommen einem in den Sinn. Als sie sich mit ihrer Gefolgschaft in einem Reisebus hierher fahren ließ, da sagte sie: "Wir erwarten keine große Überraschung. Das ist der Tag, an dem die Kurden zeigen, wer sie sind. Es geht um ihre Identität."

Öcalans Botschaft weckt und enttäuscht Hoffnungen gleichermaßen

Aber es geht um noch viel mehr, gerade bei diesem Newroz-Fest. Seit mehr als 30 Jahren kämpfen Kurden und türkischer Staat gegeneinander - in vielen Jahren geschah das unerbittlich. Der Konflikt hat 40 000 Menschen das Leben gekostet, Trauer und Leid über ein ganzes Land gebracht. Die Menschen in der Türkei sehnen sich nach einem Miteinander in Frieden. Der inhaftierte Führer der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK, Abdullah Öcalan, hat für diesen Samstag eine Erklärung angekündigt. Tagelang wurde spekuliert, ob er sich sogar per Videobotschaft an seine Anhänger wenden würde.

Aber soweit kommt es nicht. Gegen Mittag betreten zwei Politiker der HDP, dem parlamentarischen Arm der Kurden, die gigantische Bühne, die größenmäßig auch Popstars zufriedenstimmen würde. Es sind Pervin Buldan, Fraktionsvizechefin, und Sırrı Sürreya Önder, sie sind Unterhändler zwischen türkischer Regierung und dem auf der Gefängnisinsel Imralı inhaftierten Öcalan. Sie tragen vor Hunderttausenden einen Brief Öcalans vor - zuerst auf Kurdisch, dann für Türkisch. Was sie sagen, weckt und enttäuscht Hoffnungen gleichermaßen.

Nein, Öcalan ruft seine Anhänger nicht dazu auf, mit diesem Tag die Waffen niederzulegen. Das wäre ein historischer Schritt gewesen. Regierungschef Ahmet Davutoğlu hatte dies verlangt. Trotzdem legt Öcalan einen Schalter um: Er sagt, es sei an der Zeit, die "gnadenlose" und "zerstörerische" Geschichte zu beenden und eine Ära des "Friedens und der Brüderlichkeit und der Demokratie" zu beginnen. "Der Kampf unserer Bewegung war voller Schmerzen. Er war nicht umsonst, aber er hat einen Punkt erreicht, an dem man ihn so nicht fortsetzen kann." Es müsse eine demokratische Lösung her.

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