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A400M:Ein Unglück von Anfang an

Es hätte eine gute Alternative zu diesem Großraumtransporter gegeben.

Der Großraumtransporter A400M von Airbus ist eine Art fliegende Elbphilharmonie geworden: Alle Kostenvoranschläge wurden um ein Vielfaches übertroffen, und die Realisierung ist eine lange Kette von Pannen. Nun kommt die Absturz-Katastrophe dazu.

Zu den Merkwürdigkeiten des Projektes gehört die Leichtigkeit, mit der vor anderthalb Jahrzehnten die Alternative verworfen wurde, nämlich die gründlich modernisierten bewährten Luftlaster der Kiewer Antonow-Werke. Dies wäre eine wichtige vertrauensbildende, aber auch wirtschaftsfördernde Maßnahme für den postsowjetischen Raum geworden. Sicherheitspolitische Bedenken gab es damals wenige, denn ein auch zivil nutzbares Transportflugzeug ist nun einmal keine strategische Waffe.

Doch damals entschieden sich die Regierungen in Berlin und Paris als wichtigste Auftraggeber für eine Neuentwicklung. Kostenlawine und Pannenserie sind indes nicht die einzigen schlechten A400M-Nachrichten. Nachdem nämlich der Westen den Ukrainern die kalte Schulter gezeigt hat, wandten diese sich gezwungenermaßen dem großen Nachbarn im Norden zu. Mit russischer Hilfe gelang es, die Antonow-70 zu modernisieren. Auf dem Weltmarkt wird sie nun viel billiger als der Airbus-Konkurrent angeboten. Airbus dürfte vielleicht nicht einmal die Entwicklungskosten einspielen. Die Kampagne von Airbus gegen Kiew rächt sich.

© SZ vom 11.05.2015

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