Terrorismus:FBI gibt erstes Geheimdokument zu 9/11 frei

Lesezeit: 2 min

(210912) -- NEW YORK, Sept. 12, 2021 -- People mourn for the victims at the National September 11 Memorial & Museum in N

Am National September 11 Memorial & Museum in New York gedenken Menschen der Opfer der Terroranschläge.

(Foto: Wang Ying/Imago)

Angehörige von Opfern der Anschläge verdächtigen Saudi-Arabien, eine Rolle bei den Anschlägen gespielt zu haben. Präsident Biden hatte deshalb angeordnet, bislang geheime Untersuchungsergebnisse zu veröffentlichen.

Darauf haben viele Menschen gewartet, insbesondere unter jenen, die den offiziellen Untersuchungsergebnissen zu den Anschlägen am 11. September 2001 nicht trauen wollten: Die US-Bundespolizei FBI hat das erste Dokument in Zusammenhang mit ihren Ermittlungen zu den Anschlägen und mutmaßlichen Verwicklungen der saudischen Regierung freigegeben.

Die Behörde befolgte am Samstag damit eine Anweisung von US-Präsident Joe Biden. Wer allerdings auf spektakuläre neue Informationen gehofft hatte, dürfte erst einmal enttäuscht sein. In dem teilweise geschwärzten 16-seitigen Dokument werden Kontakte zwischen den Entführern der vier Passagiermaschinen und saudischen Beamten skizziert. Es gibt aber keinen Beweis dafür, dass die Regierung in Riad an den Anschlägen beteiligt war. Gemäß Bidens Anordnung sollen in den kommenden sechs Monaten allerdings weitere Dokumente veröffentlicht werden.

In einer Stellungnahme im Namen der Organisation 9/11 Families United erklärte Terry Strada, deren Ehemann Tom bei den Anschlägen getötet wurde, das vom FBI veröffentlichte Dokument beseitige alle Zweifel an einer saudischen Mittäterschaft. "Jetzt sind die Geheimnisse der Saudis aufgedeckt, und es ist längst an der Zeit, dass das Königreich sich der Rolle seiner Beamten bei der Ermordung Tausender auf amerikanischem Boden stellt."

15 der 19 Flugzeugentführer kamen aus Saudi-Arabien

Saudi-Arabien hatte immer wieder erklärt, es habe mit den Anschlägen, bei denen fast 3000 Menschen getötet wurden, nichts zu tun. Die saudische Botschaft in Washington gab zunächst keine Stellungnahme zu der FBI-Veröffentlichung ab. Bereits vor einigen Tagen hatte sie erklärt, Saudi-Arabien habe sich stets für Transparenz in Bezug auf die Ereignisse am 11. September 2001 eingesetzt und begrüße in diesem Zusammenhang die Freigabe von Verschlusssachen durch die USA. Frühere Ermittlungen hätten keinerlei Beweis erbracht, dass die saudische Regierung oder ihre Mitarbeiter vorab über die Anschläge informiert oder in irgendeiner Weise involviert gewesen wären.

Anfang September hatte Biden das Justizministerium angewiesen, Dokumente aus der FBI-Untersuchung zu den Anschlägen vom 11. September zu überprüfen und freizugeben. Er habe sich noch als Präsidentschaftskandidat verpflichtet, "für Transparenz bei der Freigabe von Dokumenten über die Terroranschläge vom 11. September 2001 auf Amerika zu sorgen". Zuvor war Biden von Angehörigen von Opfern zu diesem Schritt aufgefordert worden.

Der Verdacht, dass Riad mehr wusste, als die Regierung zugeben wollte, oder dass es sogar Verbindungen zu den Terroristen geben könnte, hatte mehrere Ursachen: 15 der 19 Entführer der vier Flugzeuge kamen aus Saudi-Arabien. Bekannt hatte sich zu den Anschlägen dann das Terrornetzwerk al-Qaida von Osama bin Laden, der ebenfalls aus Saudi-Arabien stammt. In dem Land haben darüber hinaus ultrakonservative Kleriker, Vertreter des Wahabismus, großen Einfluss, die den Westen und sein Agieren in der muslimischen Welt ablehnen. Trotzdem ist das Land ein enger Verbündeter der USA.

Eine Kommission der US-Regierung hatte keine Beweise dafür gefunden, dass das Land die Terrororganisation al-Qaida direkt finanziell unterstützt hätte. Es war aber offengeblieben, ob vielleicht einzelne Beamte in dem Königreich dies taten. Die Angehörigen von rund 2500 der Todesopfer von 9/11 und der mehr als 20 000 Verletzten sowie etliche Unternehmen und Versicherer haben Saudi-Arabien auf mehrere Milliarden Dollar verklagt.

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