75 Jahre SZ:Einblick schafft Vertrauen

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Zum Jubiläum: Leser fragen, Redakteure antworten.

Von Klaus Ott

Vor ein paar Tagen hat sich ein SZ-Leser bei der Zeitung gemeldet, der zugleich Wirecard-Aktionär ist, und um Nachsicht für frühere Vorwürfe gebeten. Der Leser und Aktionär hatte ebenso wie viele andere Wirecard-Anleger der Redaktion seit dem vergangenen Jahr wiederholt vorgehalten, unsachlich und zu Unrecht über "angebliche Fehlentwicklungen" bei dem an der Börse so hoch bewerteten Zahlungsdienstleister zu berichten. Jetzt, nachdem frühere Verdächtigungen über geschönte Bilanzen bei Wirecard sich als berechtigt erwiesen haben, nahm der Leser seine Kritik zurück.

Vorausgegangen waren etliche Mailwechsel, in denen die Redaktion diesem Leser und anderen Briefeschreibern in Sachen Wirecard erläutert hatte, warum die Zeitung wie berichtet. Kritik ernst nehmen, die eigene Arbeit erklären, Transparenz schaffen; das ist der SZ sehr wichtig. Die Zeitung ist ja für die Leserinnen und Leser da und nicht umgekehrt. Aus diesem Grund sollte bei den vielen geplanten Aktionen anlässlich des 75. Geburtstags der SZ am 6. Oktober 2020 auch vieles für die Leser und mit den Lesern stattfinden.

Das Coronavirus hat etliche Pläne für das Jubiläumsjahr über den Haufen geworfen, aber nicht alle. Was unter anderem bleibt, ist die Aktion "75 Fragen - 75 Antworten". Leser schreiben, was sie wissen wollen, die SZ antwortet. Von dieser Ausgabe an erklären Kolleginnen und Kollegen aus Redaktion und Verlag auf der Leserbriefseite, was draußen interessiert. Viele Zuschriften sind schon da.

Wie prüft die Redaktion, was richtig ist und was falsch? Wie kommt die gedruckte Zeitung zu den Lesern? Oder, ganz grundsätzlich: Was sind im digitalen Zeitalter die größten Herausforderungen, denen sich der Journalismus stellen muss? Aber auch solche Fragen sind dabei: "Warum beginnen bei Ihnen manche Absätze mit dem unnötigen Spruch 'Aber der Reihe nach ...' oder ähnlichen Floskeln? Da ist dem Autor wohl keine sinnvolle Verbindung zum vorigen Absatz eingefallen."

Die Antwort folgt nächste Woche von Hermann Unterstöger, unserem Mann im "Sprachlabor", und sie wird, so viel sei an dieser Stelle verraten, zum Schmunzeln sein. Auch in unruhigen Zeiten soll bei der Lektüre der Zeitung nicht das Lachen vergehen. Meist aber geht es um sehr Ernstes, und das hängt natürlich mit der Lage im Lande und überhaupt auf dieser Erde zusammen. Klimakatastrophe, Autokraten auf dem Vormarsch, immer mehr Konflikte; die Welt wird nicht erst seit Corona ständig komplizierter und vielleicht auch beängstigender. Wie soll man da noch den Über- und Durchblick behalten, wem soll man vertrauen?

Medien, die gewissenhaft arbeiten, können Orientierung geben. Das wiederum beruht auf Vertrauen, und damit das erhalten bleibt und gestärkt wird, müssen Redaktionen Einblicke geben. Wer Fragen an die SZ hat, schickt diese an: 75Jahre@sz.de und kann die Antworten auch unter sz.de/75Jahre nachlesen.

Übrigens: Der SZ-Leser mit den Wirecard-Aktien ist noch ganz gut weggekommen. Glücklicherweise hätten sich bei ihm rechtzeitig Zweifel eingestellt, sodass er von dem ganzen Desaster fast nicht betroffen sei, schrieb er der Redaktion und hatte noch einen Wunsch: "Bleiben Sie kritisch."

© SZ vom 01.07.2020 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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