Zweiter Weltkrieg:Als Japans Kaiser zur Kapitulation drängte

In Europa war der Krieg schon aus. Doch Japan ergibt sich erst am 2. September 1945 - nach den Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki.

Von Jeremias Schmidt

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Bataille d'Okinawa

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Während in Europa die Waffen bereits schwiegen, ging der Krieg in Südostasien 1945 mit unverminderter Härte weiter. Je näher die Amerikaner den japanischen Inseln kamen, desto verbissener wurde der Widerstand der Truppen Kaiser Hirohitos. Die Schlacht um die Insel Okinawa, der letzten Verteidigungsbastion vor Japan, entwickelte sich zur verlustreichsten des Pazifikkrieges. Tausende Kamikaze-Piloten stürzten sich auf die amerikanische Invasionsflotte, von den 120 000 japanischen Verteidigern starben bei den Kämpfen etwa 100 000. Als die USA die Schlacht um Okinawa am 30. Juni 1945 offiziell für beendet erklärten, zählten sie 20 000 Tote in den eigenen Reihen.

Auf diesem Bild vom 18. Mai 1945 rücken zwei Soldaten des Marine Corps auf der durch Schiffsartillerie völlig verwüsteten Insel vor.

Winston Churchill, Harry Truman und Josef Stalin auf der Potsdamer Konferenz, 1945

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Bevor es allerdings zu einer Invasion des japanischen Kernlandes kam, forderten die westlichen Siegermächte in der sogenannten "Potsdamer Erklärung" vom 26. Juli 1945 Japan zur Kapitulation auf - ansonsten drohten sie mit "sofortiger und völliger Vernichtung". Was in Japan niemand ahnte: Nur wenige Tage zuvor hatte der amerikanische Präsident Truman dem Einsatz von Nuklearwaffen gegen japanische Städte zugestimmt. Die Erklärung wurde über Flugblätter und Radiodurchsagen verbreitet. Doch eine Antwort von japanischer Seite blieb aus - alle gemäßigten Stimmen im Land verhallten.

Hier sind die Teilnehmer der Konferenz von Potsdam zu sehen (v.li.): der britische Premier Winston Churchill, US-Präsident Harry Truman und der sowjetische Diktator Josef Stalin. Letzterer gehörte zwar nicht zu den Unterzeichnern der Deklaration, doch hatte Stalin bereits während der Konferenz von Jalta zugestimmt, spätestens drei Monate nach dem Sieg über Deutschland in den Pazifikkrieg einzugreifen.

Sous marins americains

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Die militärische Lage Japans war zu diesem Zeitpunkt bereits vollkommen hoffnungslos. Nahezu die gesamte Flotte lag auf dem Grund des Pazifiks. Amerikanische U-Boote - wie hier zu sehen - konnten die verbliebenen Schiffe der japanischen Handelsmarine ohne Gegenwehr versenken.

Die Versorgungslage Japans wurde so mit jedem Monat kritischer, die Bevölkerung begann zu hungern. Auch Truppenverlegungen wurden durch die ständige Gefahr durch amerikanische U-Boote immer schwieriger. Währenddessen produzierten die Werften der Industriemacht USA laufend neue Kriegsschiffe.

B-29 Bomber bei einem Trainingsflug

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Auch in der Luft hatten die japanischen Streitkräfte den Amerikanern nichts mehr entgegenzusetzen. Boeing B-29 Bomber (im Bild) unter dem Kommando von General Curtis LeMay verwandelten eine japanische Stadt nach der anderen mit Napalmbomben in gigantische Krematorien. Alleine beim Angriff auf Tokio am 10. März 1945 starben etwa 100 000 Menschen - mehr als bei jedem anderen Luftangriff in der Kriegsgeschichte.

Ähnlich wie im Kampf gegen das Deutsche Reich erzielte die Zerstörung der japanischen Städte nicht die gewünschte Wirkung. Als desbezüglich effektiver erwiesen sich die im Zuge der "Operation Starvation" durch B-29 Bomber verlegten Seeminen, die den Schiffsverkehr Japans fast vollständig zusammenbrechen ließen.

Japanischer Ausbilder mit Milizangehörigen in Japan, 1945

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Während die Amerikaner am 16. Juli 1945 in der Wüste New Mexikos die erste Atombombe zündeten, wurden in Japan Bambusspeere an Zivilisten verteilt. Im Gegensatz zu Deutschland, das seinen "Volkssturm" noch mit primitiven Sturmgewehren und Panzerfäusten ausrüsten konnte, war die Waffenproduktion in Japan im Zuge der amerikanischen Blockade praktisch zum Erliegen gekommen.

Die geschätzten Verluste im Falle der Invasion Japans, "Operation Downfall" genannt, waren trotzdem enorm. Nicht zuletzt, weil die amerikanischen Militärs mit dem fanatischen Widerstand der japanischen Zivilbevölkerung rechneten.

Avion kamikaze

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Was den Japanern an Ausrüstung fehlte, sollte durch unbedingten Opferwillen ausgeglichen werden. Weil die verbliebenen Piloten schlecht ausgebildet waren, waren Suizidangriffe die einzige Möglichkeit, die Luftstreitkräfte Japans noch irgendwie einzusetzen. Kamikaze, der "göttliche Wind", konnte den Amerikanern trotz Tausender Todesopfer innerhalb der Navy keinen entscheidenden Schaden zufügen. Für jeden Flugzeugträger, der versenkt oder beschädigt wurde, standen in den Werften der amerikanischen Westküste neue bereit. Echte Tropenstürme, wie etwa Typhoon, der im Dezember 1944 die amerikanische Flotte auf den Philippinen traf, verursachten zumeist schwerere Verluste als die japanischen Selbstmordpiloten.

Im Bild untersuchen amerikanische Soldaten erbeutete Flugzeuge vom Typ Yokosuka MXY-7, die speziell für den Kamikazeeinsatz konzipiert worden waren. Wie alle anderen "Wunderwaffen" des Zweiten Weltkrieges blieb auch dieses Flugzeug weit hinter den Erwartungen zurück.

Chinesische und russische Armee

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Einzig in China schafften es die Japaner, die Oberhand zu behalten. Ein Jahr zuvor war es bei der großangelegten Offensive "Operation Ichi-Go" gar gelungen, die amerikanischen Flugplätze im Südosten Chinas zu erobern und die von dort geflogenen Angriffe auf Japan teilweise zu unterbrechen. Nicht wenige Soldaten des etwa 1,5 Millionen Mann starken Besatzungsheeres in China bestärkten diese Erfolge in der trügerischen Annahme, dass der Krieg noch gewonnen werden könnte.

Dieses Bild zeigt japanische Soldaten mit vermeintlichen chinesischen Saboteuren. Das Standardverfahren in solchen Fällen war die sofortige Exekution. Bis zu 20 Millionen Chinesen starben im achtjährigen Krieg gegen Japan - nur die Sowjetunion hatte im Zweiten Weltkrieg noch mehr Opfer zu beklagen.

Japanische und indische Soldaten bei Kämpfen in Burma, 1944

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Mit dem Niedergang Japans traten auch die europäischen Kolonialmächte wieder auf den Plan. Diese hatten zwischen 1941-1942 in einer Serie demütigender Niederlagen den Großteil ihrer ostasiatischen Ländereien an die Japaner verloren. Ende 1944 gingen die Briten zur Gegenoffensive über, wobei vor allem die Rückeroberung Burmas im Vordergrund stand.

Militärisch gesehen waren diese Feldzüge oft unnötig, der Krieg mit Japan wurde damit um keinen Tag verkürzt. Für Großbritannien ging es aber darum, am Tag der japanischen Kapitulation möglichst viele verlorene Gebiete des Empire mit eigenen Truppen besetzt zu halten. Im August 1945 war dieses Ziel erreicht, doch Tausende Soldaten hatten für die kurze Verlängerung der britischen Kolonialherrschaft mit dem Leben bezahlt.

Im Bild warten japanische Soldaten, unterstützt von Freiwilligen der "Indischen Nationalarmee", im dichten Dschungel Burmas auf einen britischen Angriff.

Reddition de la gendarmerie japonaise

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Einzig Frankreich gelang es, einen Teil seiner asiatischen Machtbasis zu erhalten. Erst im Mai 1945 hatte Japan den Entschluss gefasst, auch in Französisch-Indochina die Europäer endgültig zu vertreiben. Japanische Truppen waren zwar bereits seit 1940 in Teilen Indochinas stationiert gewesen, doch oblag die Verwaltung des Gebiets noch immer französischen Beamten des Vichy-Regimes. Von den Wirren nach der japanischen Machtübernahme profitierten vor allem die kommunistischen Guerillatruppen des Việt Minh.

Die japanische Herrschaft währte indes nicht lange. Hier übergibt ein japanischer Offizier während der Kapitulation Saigons im September 1945 sein Schwert an die britische Delegation.

Kampf gegen die japanische Kwantung-Armee an der Grenze der Mongolei 1939

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Auch die Sowjetunion hatte mit Japan noch eine Rechnung offen. Im Jahr 1939 war es nahe dem Fluss Khalkhin Gol in der Mandschurei zu mehreren Schlachten gekommen, welche allerdings nicht zu einer Kriegserklärung führten. Der verlustreiche Grenzkonflikt mit den Sowjets beeinflusste den weiteren Verlauf des Zweiten Weltkrieges entscheidend: Die japanische Militärführung kam zu dem Schluss, dass Südostasien das leichtere Ziel darstelle und ließ alle Offensivpläne gegen die Sowjetunion fallen. Im japanisch-sowjetischen Neutralitätspakt von 1941 wurde dies auch vertraglich festgesetzt. Dass die Sowjets im Dezember 1941 ihre sibirischen Divisionen in die Schlacht um Moskau werfen konnten, gehört ebenfalls zu den Folgen dieses Vertrages.

Dieses Bild zeigt den späteren Eroberer Berlins, General Georgy Zhukov (5. von li.), inmitten seiner siegreichen Soldaten in der mandschurischen Steppe im September 1939.

Mandchourie

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Die Hoffnung Japans, die Sowjetunion würde auch nach dem Sieg über Nazi-Deutschland weiterhin am Neutralitätsabkommen festhalten, erwies sich als Illusion. Von 9. August 1945 an rollten abermals russische Panzer durch die Mandschurei und trieben die hoffnungslos unterlegene japanische Kwantung-Armee vor sich her. Das Eingreifen der Sowjets in Südostasien beschleunigte die japanische Niederlage entscheidend. Die sowjetisch besetzte Mandschurei wurde schnell zur wichtigsten Basis der kommunistischen Truppen Mao Zedongs im chinesischen Bürgerkrieg.

Auf dem Bild ist die Besatzung eines sowjetischen T-34/85 Panzers auf einem Markt in der Hafenstadt Dalian zu sehen.

Verletzte nach dem Atombombenabwurf auf Hiroshima, 1945

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Am selben Tag, als die ersten sowjetischen Einheiten die Grenze zur Mandschurei überschritten, fiel auf die japanische Stadt Nagasaki die zweite Atombombe. Kurz zuvor, am 6. August 1945, hatten die USA bereits auf Hiroshima eine Atombombe geworfen, bis zu 80 000 Menschen starben innerhalb weniger Sekunden. Der Kriegseintritt der Sowjetunion und die Angriffe auf Hiroshima und Nagasaki waren ein doppelter Schock für Japan. Das Land war bereit zur Kapitulation.

Die verstrahlten Überlebenden, wie hier in Hiroshima zu sehen, erlitten oft einen qualvollen Krebstod.

Unterzeichnung der Kapitulation durch Mamoru Shigemitsu an Bord der 'Missouri', 1945

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Kaiser Hirohito intervenierte persönlich und drängte den Obersten Kriegsrat dazu, die Potsdamer Erklärung anzunehmen. Selbst im Angesicht der vollständigen Auslöschung Japans konnte sich eine Gruppe Hardliner nicht dazu durchringen, der Schmach einer Kapitulation zuzustimmen. Offiziere unter der Führung von Major Kenji Hatanaka versuchten noch am 15. August, die Niederlage durch einen Staatsstreich abzuwenden. Ihr Einsatz blieb vergebens, die Stimmung innerhalb des japanischen Heeres war bereits gekippt. Hatanaka und seine Mitverschwörer nahmen sich das Leben. Wenige Stunden später verkündete Hirohito durch eine Radioansprache die Kapitulation Japans. Millionen Soldaten, die nie zuvor die Stimme des göttlichen Tennō gehört hatten, beugten sich der Aufforderung, die Waffen niederzulegen - der Krieg im Pazifik näherte sich seinem Ende.

Am 2. September 1945 traf eine japanische Delegation (Bildmitte) auf dem amerikanischen Schlachtschiff USS Missouri in der Bucht von Tokio ein, um die Kapitulationsurkunde zu unterzeichnen. Drei Jahre, acht Monate, drei Wochen und fünf Tage nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor war Japan damit endgültig besiegt.

Tschiang Kai Schek bei nationalchinesischen Truppen während des Bürgerkriegs in China, 1947

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Kein Frieden in Sicht: Die Niederlage Japans bedeutete für viele Länder Südostasiens eine weitere Episode ihres jahrzehntelangen Leidensweges. Alleine im chinesischen Bürgerkrieg starben weitere Millionen Menschen, bis schließlich 1950 die Volksbefreiungsarmee Mao Zedongs über die Nationalisten Chiang Kai-sheks (Bildmitte, 1946) triumphierte.

Indochine

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Die Rückkehr der Europäer führte in nahezu allen betroffenen Ländern zu weiteren Konflikten. In Vietnam gingen die Truppen Hồ Chí Minhs bereits im Jahr 1946 zum offenen Krieg gegen die Franzosen über, der bis 1954 etwa eine Million Menschen das Leben kostete. Auch Burma erlangte 1948 seine Unabhängigkeit, alle Anstrengungen der Briten in den Jahren 1944-1945 waren damit umsonst gewesen.

Im Bild bewacht ein französischer Soldat einen gefangenen Kämpfer des Việt Minh, 1947.

© SZ.de/mane/rus
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