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Von Herzl bis Peres:Köpfe, die Israels Geschichte prägten

Militärs, Ministerpräsidenten und ein Journalist aus Wien: Persönlichkeiten, die die wechselhafte Geschichte Israels bestimmten.

Von Oliver Das Gupta

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Herzl

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Militärs, Ministerpräsidenten und ein Journalist aus Wien: Persönlichkeiten, die die wechselhafte Geschichte Israels bestimmten.

Theodor Herzl (1860-1904) In Paris erlebte der Wiener Journalist Theodor Herzl in den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts den Dreyfuss-Prozess. Ein französischer Offizier jüdischen Glaubens war der Spionage für die Deutschen für schuldig befunden worden - zu Unrecht, wie sich später herausstellte. Für Herzl soll die Affäre ein Schlüsselerlebnis gewesen sein. Er kam zu dem Schluss, dass die Assimilationsversuche der Juden fehlgeschlagen seien und es nur einen Ausweg gäbe: Den Juden ein Land zu geben, in dem sie nicht als fremd wahrgenommen werden. Kurzum: Die Gründung eines "Judenstaats", so auch der Titel seines politischen Manifests. Herzl initiierte die Zionistische Bewegung, reiste auch selbst ins Heilige Land, erlebte aber die Staatsgründung nicht: Er starb 1904.

Ben Gurion

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David Ben Gurion (1886-1973) Ben Gurion gilt als der Gründervater des Staates Israel. Zur Welt kam er als David Grün in Polen. Bereits in seiner Jugend gründete er eine zionistische Jugendgruppe, 1906 wanderte er aus - nach Palästina. Im Ersten Weltkrieg wurde er von der damals osmanischen Obrigkeit ausgewiesen. 1918 kam er wieder ins Heilige Land, diesmal als Soldat der Jüdischen Legion auf Seiten der Entente. Fortan betätigte er sich beim Aufbau von zionistischen Organisationen wie der Gewerkschaft Histadruth. Er gründete die Arbeitspartei und wurde schließlich zum politischen Vertreter der jüdischen Bevölkerung im britisch verwalteten Palästina. Nach dem Ende der zionistisch-freundlichen Politik Londons rief er zum Widerstand auf, nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges soll er auch Sabotage- und Terrorakte gebilligt haben. Am 14. Mai 1948 proklamierte Ben Gurion den Staat Israel und wurde Ministerpräsident und Verteidigungsminister. Er hatte entscheidenden Anteil an den Siegen Israels in den ersten beiden Israelisch-Arabischen Kriegen in den Jahren 1948/1949 und 1956 (Foto). 1970 zog sich Ben Gurion aus der Politik zurück. Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte er im Kibbuz Sede Boqer in der Negev-Wüste.

Dayan

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Mosche Dayan (1915-1981) Israels späteren Verteidigungsminister zog es schon in seiner Jugend zum Militär. Mit 14 Jahren trat Dayan der Wehrmiliz Haganah bei, die die jüdischen Siedlungen in Palästina gegen Übergriffe der Araber verteidigte. Im Unabhängigkeitskrieg Israels war er Kommandant. Die Krönung seiner Militär-Karriere folgte: 1953 wurde Dayan Generalstabschef und leitete in dieser Funktion die Truppen während des Sinaifeldzuges 1956. Zwei Jahre später verließ er die Armee und begann seine politische Laufbahn. Von 1959 bis 1964 fungierte er als Landwirtschaftsminister unter David Ben Gurion. Dayan wurde kurz vor dem Sechs-Tage-Krieg 1967 Verteidigungsminister und blieb es bis 1974. Ab 1977 war er Außenminister und wirkte später federführend bei der Ausarbeitung des Friedensabkommens mit Ägypten im Jahre 1979 mit. Aus Protest gegen die Politik des Ministerpräsidenten Begin hinsichtlich der umstrittenen West Bank trat er zurück. Wenig später starb der legendäre Politiker.

Meir

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Golda Meir (1898-1978) Golda Mabowitsch kam in ärmlichen Verhältnissen in Kiew zur Welt. 1906 gelang ihrer Familie die Auswanderung in die USA. Dort wurde sie Lehrerin, heiratete und schloss sich der sozialistisch-zionistischen Bewegung an. 1921 siedelte sie in das britisch verwaltete Palästina über. In den Folgejahren stieg die spätere Regierungschefin in Gewerkschaft und Arbeiterbewegung auf. Anfang 1948, im Vorfeld der Gründung des Staates Israel, führte Golda Meir geheime Verhandlungen mit dem jordanischen König, um den Ausbruch eines arabisch-israelischen Krieges zu verhindern - ohne Erfolg.

Meir unterschrieb die Gründungsproklamation Israels. Nach einem kurzem Zwischenspiel als Botschafterin in Moskau wurde Meir zur Arbeitsministerin ernannt. In dieser Funktion führte sie umfangreiche Wohnungs- und Straßenbauprogramme durch und schuf die Grundlagen für ein umfassendes Sozialversicherungssystem in Israel. 1956 wechselte sie ins Außenressort.

1969 wurde Golda Meir zur Ministerpräsidentin gewählt. Damals strotzte Israel aufgrund des gewonnenen Sechs-Tage-Krieges vor Selbstbewusstsein. Golda Meir lehnte es strikt ab, zu Gunsten einer Beilegung des Nahostkonflikts und einer tragfähigen Friedenslösung die israelischen Truppen aus den besetzten Gebieten abzuziehen oder ernsthaft Verhandlungen mit den arabischen Nachbarn aufzunehmen. Der nächste Waffengang läutete das Ende ihrer politischen Karriere ein: Nach dem verlustreichen Jom-Kippur-Krieg 1973 sah sich die Regierungschefin massiver Kritik ausgesetzt. Im Folgejahr übergab sie ihr Amt an Jitzchak Rabin und zog sich aus der Politik zurück.

Begin

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Menachem Begin (1913-1992) Das Leben Begins ist schillernd. Er war während der Mandatszeit gesuchter Terrorist und später der erste israelische Regierungschef, der Frieden mit einem arabischen Land schloss.

Begin wurde im russischen Brest-Litowsk geboren und studierte Jura an der Universität Warschau. Früh engagierte er sich in der zionistischen Jugend und nahm bald Führungspositionen ein. Nach dem Einmarsch der Deutschen in Polen floh er ins Baltikum, wurde dort von Sowjets gefangengenommen und in ein Arbeitslager gesteckt. Anschließend gehörte er kurzzeitig einer in der Roten Armee gebildeten, gegen Nazi-Deutschland kämpfenden Einheit an, ehe er 1942 nach Palästina auswanderte.

In Palästina übernahm Begin bald die Führung der terroristischen Untergrundorganisation Irgun Zwai Leumi, die Anschläge auf Araber und Briten verübte - wie auch das berühmte Bombenattentat auf das King David Hotel in Jerusalem. Nach dem Rückzug der Briten aus Palästina und der Gründung des Staates Israel setzte sich Begin bald an die Spitze der extrem rechtsgerichteten Cherut-Partei. Danach war sein Aufstieg nicht mehr zu stoppen: Von 1967 bis 1970 war er Minister ohne Geschäftsbereich. 1973 bildeten die rechtsgerichteten Oppositionsparteien den Likud-Block und wählten Begin zu ihrem Vorsitzenden. Nach dem Wahlsieg des Likud-Blocks 1977 übernahm Begin den Posten des Ministerpräsidenten. Trotz seiner antiarabischen Haltung verständigte er sich im 1978/79 unter der Vermittlung des US-Präsidenten Jimmy Carter mit dem ägyptischen Präsidenten Anwar el-Sadat (Foto) auf ein israelisch-ägyptisches Friedensabkommen. Begin und Sadat wurden für ihre Bemühungen um den Nahen Osten mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

1981 wurde Begin im Amt bestätigt. Danach zeigte er sich wieder als Falke: Er annektierte die Golanhöhen,1982 ließ er israelische Streitkräfte im Südlibanon einmarschieren und zwang damit die PLO zum Abzug aus dem Libanon. Aus gesundheitlichen Gründen, aus Trauer über den Tod seiner Frau und zermürbt durch die Kontroverse über die Besetzung des Libanon, trat Begin schließlich Ende 1983 zurück. Er verbrachte den Rest seines Lebens in völliger Abgeschiedenheit.

Schamir

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Jitzhak Schamir (1915-2012) Schamir, dessen ursprünglicher Name Jaziernicki lautete, kam in Polen zur Welt und wanderte 1935 nach Palästina aus. Schamir engagierte er sich bei der Irgun, einer militanten Untergrundorganisation. Nach deren Spaltung schloss er sich deren radikalster Gruppe an, der "Stern-Bande" und kämpfte gegen Briten und Araber. Schamir entkam einem Internierungslager und führte danach eine weitere Terrorgruppe, die Lechi, und war für mehrere Mordanschläge - unter anderem an den UN-Vertreter Bernadotte - verantwortlich. Nach der Staatsgründung wurde er amnestiert und später Mitglied beim Auslandsgeheimdienst Mossad. In den siebziger Jahren begann die politische Karriere beim rechtsgerichteten Likud-Block. Zunächst war Schamir Abgeordneter, bald Parlamentspräsident, 1980 Außenminister, 1983 Ministerpräsident.

Der Hardliner musste 1984 mit der Arbeitspartei koalieren. Die große Koalition einigte sich auf eine Rotation auf dem Premierssessel: Schimon Peres amtierte die ersten beiden Jahre, danach kam wieder Schamir auf den Posten. Beim Ausbruch der ersten palästinensischen Intifada, der Erhebung der Araber in den besetzten Gebieten, reagierte Schamir mit Härte.

Anfang der neunziger Jahre ordnete Schamir, der inzwischen einer Minderheitsregierung vorstand, den Ausbau der Siedlungen im Westjordanland an sowie die "Heimholung" äthiopischer Juden nach Israel. Gleichzeitig wurde er von den Amerikanern zu Friedensgesprächen mit den arabischen Nachbarn in Madrid gedrängt. Dort holte ihn seine terroristische Vergangenheit ein: Die arabischen Vertreter warfen ihm Mord vor, die Amerikaner misstrauten ihm. Derart politisch geschwächt verlor er die nächsten Wahlen. 1992 wurde Jitzchak Rabin von der Arbeitspartei sein Amtsnachfolger.

Rabin

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Jitzchak Rabin (1922-1995) Rabin kam als Kind osteuropäischer Einwanderer im britischen Mandatsgebiet Palästina zur Welt. Früh engagierte er sich in der Hagannah, auch in deren Eliteeinheit Palmach. Im Jahre 1941 nahm er, als Angehöriger der britischen Armee, an militärischen Operationen in Syrien und dem Libanon teil, nach dem Krieg kämpfte er an führender Stelle gegen die britischen Mandatstruppen. Unter anderem war er an der Befreiung von Holocaust-Überlebenden beteiligt, die von den Briten in Lagern unter anderem auf Zypern interniert wurden.

Während des israelischen Unabhängigkeitskriegs 1948 befehligte er bei der Verteidigung Jerusalems, später kämpfte er im Negev gegen die Ägypter. Im Jahre 1949 handelte er als Delegierter der israelischen Waffenstillstandsdelegation auf Rhodos das Waffenstillstandsabkommen von 1949 mit Ägypten mit aus.

Nach dem Krieg wurde Rabin in den Generalstab befördert. Hier war er Chef der Operationsabteilung der Armee Israels. Im Laufe der nächsten Jahre stieg er rasch in der militärischen Hierarchie auf. 1964 wurde Rabin zum Generalstabschef der israelischen Armee ernannt. Unter seinem Kommando errangen die Streitkräfte einen umfassenden Sieg über Ägypten, Syrien und Jordanien im Sechs-Tage-Krieg.

Ab 1968 wirkte Rabin als Botschafter in den Vereinigten Staaten und erkannte, dass der künftige engste Bündnisparter Israels die USA sein würden. In dieser Zeit baute er ein enges Verhältnis mit Regierungschefin Meir auf, deren Nachfolger er 1974 wurde. Zwei Jahre später trat er zurück, unter anderem, weil ein damals verbotetes Auslandskonto seiner Frau bekannt wurde, auf dem ein paar tausend Dollar lagen.

In der Politik blieb er weiter aktiv. Als Verteidigungsminister zwischen 1984 und 1990 verfolgte er eine bisweilen brutale Linie gegenüber den Palästinensern während der Intifada. Ganz anders verhielt er sich nach seiner Wahl zum Ministerpräsident 1992: Rabin leitete mit seinem Außenminister Peres den Friedensprozess von Oslo ein, akzeptierte PLO-Chef Arafat als Gesprächspartner. Schritt für Schritt sollten den Palästinensern hoheitliche Rechte übertragen werden. Für ihre Bemühungen erhielten Rabin, Peres und Arafat 1994 den Friedensnobelpreis.

Innerisraelisch wackelte die Administration Rabins allerdings immer mehr. Zuletzt verfügte der Premier nur noch über eine Minderheitsregierung. Das innenpolitische Klima war wegen der Zugeständnisse an Arafat massiv aufgeheizt, es gab offene Drohungen und Hetztiraden gegen Rabin.

Am 4. November 1995 wurde Rabin bei einer Friedenskundgebung mitten in Tel Aviv von einem rechtsradikalen Israeli erschossen.

Foto: Reuters

Ariel Sharon

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Ariel Scharon (1928-2014) galt als einer der polarisierendsten Spitzenpolitiker, die in Israel gewirkt haben. Als Verteidigungsminister der Likud-Regierung von Menachem Begin befahl der "Falke der Falken" im Juni 1982 den umstrittenen israelischen Einmarsch in den Libanon, der sich gegen die Palästinensische Befreiungsorganisation (PLO) richtete. 2000 provozierte Scharon die Palästinenser durch einen demonstrativen Besuch auf dem Tempelberg in Jerusalem. Es kam zu Unruhen in Ostjerusalem, die sich rasch ausweiteten und in eine neue Intifada mündeten. Für großen Prostest sorgte auch Scharons Entscheidung, einen Grenzzaun zwischen Israel und den Palästinensergebieten zu bauen. Im Januar 2006 fiel Scharon, der wenige Monate zuvor den Likud verlassen und die neue Zentrumspartei Kadima gegründet hatte, ins Koma, aus dem er bis zu seinem Tod 2014 nicht mehr aufgewacht war.

Ariel Scharon gemeinsam mit Verteidigungsminister Shaul Mofaz (rechts) nahe der palestinensischen Stadt Tulkarem während einer Reise am 25. November 2003 entlang des umstrittenen Grenzzauns.

Foto: AFP

Shimon Peres

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Shimon Peres (1923-2016) war jahrzehntelang eine Galionsfigur der Arbeitspartei, für die er höchste Posten bekleidete: Darunter drei kurze Perioden als Ministerpräsident (obwohl er nie eine Wahl gewonnen hatte), Vize-Premier und Außenminister. Als solcher wirkte er maßgeblich am Zustandekommen des Gaza-Jericho-Abkommens mit, das eine palästinensische Teilautonomie im Gazastreifen und im Gebiet von Jericho vorsah. Dafür erhielt er 1994 zusammen mit Jassir Arafat und Jitzchak Rabin den Friedensnobelpreis. Mehrmals wirkte er auch als Minister in großen Koalitionen zwischen Likud und Arbeitspartei mit. 2006 verließ Peres die Arbeitspartei und schloss sich der Kadima-Partei an. Zwischen 2007 und 2014 war er Staatspräsident von Israel.

Vor seiner politischen Karriere gehörte Peres zum Umfeld von Ben Gurion. In den fünziger Jahren war er für diverse, teilweise geheim gehaltene Rüstungsabkommen zuständig. Außerdem gilt er als "Vater" des israelischen Atom-Programms.

Linktipp: Peres erklärt dem SZ Magazin 2016, warum er seinen Optimismus nicht verloren hat

© SZ.de/odg
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