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60 Jahre BRD: Die Wirtschaft der Achtziger:Es wird härter

In den achtziger Jahren verwischen die Grenzen zwischen der Wirtschaft und der Politik zusehends: Die Namen Flick und "Neue Heimat" stehen für Korruptionsskandale in bislang ungekanntem Ausmaß.

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Demo gegen das Kernkraftwerk Brokdorf 1981, Foto: dpa

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In den achtziger Jahren verwischen die Grenzen zwischen der Wirtschaft und der Politik zusehends: Das gewerkschaftseigene Unternehmen Neue Heimat und der Unternehmer Flick stehen für Korruptionsskandale in einem bislang ungekannten Ausmaß. Die Zahl gewaltsamer Auseinandersetzungen wächst.

Protest gegen Kernkraft

Der Protest gegen die Kernenergie hatte sich schon in den siebziger Jahren formiert, doch im Februar 1981 kommt es zu der bislang größten Demonstration von Atomkraftgegnern im Brokdorf. Etwa 100.000 Menschen kommen in die schleswig-holsteinische Gemeinde, um gegen den Bau der Anlage zu protestieren. Über 100 Polizisten und etwa gleich viele Demonstranten werden bei heftigen Krawallen verletzt, bei denen rund 10.000 Polizisten im Einsatz sind.

Der weitere Bau des Kernkraftwerkes wird zu einem Politikum, das unter anderem zum Rücktritt von Hamburgs Bürgermeister Hans-Ulrich Klose (SPD) führt.

Im Oktober 1986 geht das Kernkraftwerk als weltweit erste Anlage nach dem Reaktorunglück von Tschernobyl vom April desselben Jahres in Betrieb.

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Auseinandersetzung um die Startbahn West, Foto: dpa

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60 Jahre BRD: Die Wirtschaft der Achtziger:Auseinandersetzung um die Startbahn West

Im November 1981 demonstrieren zunächst 100.000 Menschen friedlich gegen die Erweiterung des Frankfurter Flughafens durch die Startbahn West.

Im weiteren Verlauf werden die Auseinandersetzungen zwischen den Gegnern der Startbahn West und den Polizisten aber immer gewaltsamer.

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An der Startbahn West erschossene Polizisten, Foto: AP

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60 Jahre BRD: Die Wirtschaft der Achtziger:An der Startbahn West erschossene Polizisten

Ihren tragischen Höhepunkt finden die Zusammenstöße schließlich nach der Inbetriebnahme der Startbahn: Im November 1987 eskaliert eine Demonstration gegen die Startbahn, als aus der Menge heraus mit einer gestohlenen Polizeidienstwaffe auf Polizisten geschossen wird.

Dabei werden neun Wachleute getroffen, wobei die zwei Polizeibeamten Thorsten Schwalm und Klaus Eichhöfer tödliche Verletzungen erleiden. Eine große Durchsuchungs- und Festnahmewelle gegen die gesamte Startbahnbewegung ist die Folge. Für die Tat wird schließlich der Startbahngegner Andreas Eichler zur Rechenschaft gezogen und zu 15 Jahren Haft verurteilt. Auf Grund der tragischen Ereignisse bricht die Protestbewegung gegen die Startbahn West auseinander.

Foto: Polizisten trauern an den Gräbern ihrer erschossenen Kollegen, die bei den Auseinandersetzungen um die Startbahn West ums Leben kamen, AP

Kinder spielen mit dem Commodore 64, Foto: dpa

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60 Jahre BRD: Die Wirtschaft der Achtziger:Computerindustrie boomt

Anfang der achtziger Jahre boomt die Computerindustrie. Deutschland hat 1981 den höchsten Absatz von Kleinrechnern in Europa. Der Umsatz mit Kleinrechnern beträgt 475 Millionen D-Mark, 1987 sind es 1,25 Milliarden D-Mark.

Legendär ist das Modell Commodore 64 (kurz C64), das bis Mitte der achtziger Jahre auch als Spielekonsole äußerst populär ist. Der C64 gilt nach wie vor mit über 30 Millionen verkauften Geräten als der meistverkaufte Heimcomputer weltweit.

Allerdings herrscht gegenüber dem Computer auch große Skepsis in der linken und alternativen Szene. Der österreichische Liedermacher Georg Danzer singt 1982: "Zerschlagt die Computer".

Foto: Kinder spielen mit dem Commodore 64, dpa

Neue Heimat, Foto: AP

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60 Jahre BRD: Die Wirtschaft der Achtziger:Neue-Heimat-Skandal

Im Februar 1982 erhebt der Der Spiegel Vorwürfe gegen den Wohnungsbaukonzern "Neue Heimat" wegen persönlicher Bereicherung. Vorstandschef Albert Vietor und weiteren Managern wird vorgehalten, sich persönlich bereichert zu haben.

Der Bericht über das gewerkschaftseigene Unternehmen erschüttert das Vertrauen der Bevölkerung in die Gemeinwirtschaft, woraufhin der Aufsichtsrat unter dem DGB-Vorsitzenden Heinz Oskar Vetter die Beschuldigten nur eine Woche später entlässt.

Im Januar 1983 veröffentlicht der Konzern schließlich Auszüge aus einem unabhängigen Gutachten der Wirtschaftsprüfergesellschaft "Treuarbeit", aus dem hervorgeht, dass die Privatgeschäfte Vietors das Unternehmen mit 105 Millionen D-Mark schädigten.

In den weiteren Untersuchungen stellt sich zudem eine Verschuldung des Konzerns in dreistelliger Millionenhöhe heraus. Der DGB verkauft das Unternehmen daraufhin zunächst an einen mittelständischen Unternehmer zum symbolischen Preis von einer D-Mark. Dessen Sanierungskonzept wird von den Banken allerdings verworfen. Die Neue Heimat wird schließlich abgewickelt, indem ihre Wohnungsbestände häppchenweise von mehreren Bundesländern und zwei Privatunternehmen übernommen werden.

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AEG Werk Berlin, Foto: AP

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60 Jahre BRD: Die Wirtschaft der Achtziger:Pleite von AEG Telefunken

In den achtziger Jahren zeigt sich, dass die internationale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands nicht mehr so unantastbar ist wie in den Jahrzehnten davor: Im August 1982 meldet AEG-Telefunken, der zweitgrößte Elektrokonzern Deutschlands die Zahlungsunfähigkeit an - es ist der größte Firmenzusammenbruch seit 1949.

Der französische Staatskonzern Thomson-Brandt übernimmt in der Folge die Sparte Unterhaltungselektronik, der die Produktion mit Saba und Nordmende zusammenlegt.

Den Rest des AEG-Konzerns kauft 1985 der Automobilhersteller Daimler-Benz, dessen Vorstandschef Edzard Reuter aus beiden Unternehmen einen integrierten Technologiekonzern schaffen will. Doch das Experiment scheitert: Daimler-Benz beschließt 1996 unter Reuters Nachfolger Jürgen Schrempp das endgültige Ende für den verlustbehafteten Konzern. Der Name AEG und die dazu gehörenden Marken wird von Lizenznehmern aber weiter verwendet.

Foto: AEG Werk Berlin, AP

FDP-Politiker Otto Graf Lambsdorff den wartenden Journalisten lachend mit seinem Gehstock, Foto: dpa

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60 Jahre BRD: Die Wirtschaft der Achtziger:Ende der SPD-Ära

Die angespannte Haushaltslage macht es immer schwieriger, den Sozialstaat zu finanzieren. In den achtziger Jahren endet daher auch die Ära einer sozialdemokratisch geführten Bundesregierung. Im Oktober 1982 stürzt die Bundesregierung unter SPD-Kanzler Helmut Schmidt, weil der bisherige Koaltionspartner FDP die Seiten wechselt. Neuer Regierungschef wird der CDU-Vorsitzende Helmut Kohl.

Foto: Nach der Probeabstimmung der FDP-Fraktion am 28. September 1982, in der sich eine Mehrheit von 34 Abgeordneten für das Konstruktive Misstrauensvotum gegen Bundeskanzler Schmidt ausgesprochen hatte, droht der FDP-Politiker Otto Graf Lambsdorff den wartenden Journalisten lachend mit seinem Gehstock, dpa

Studierende in den achtziger Jahren, Foto: AP

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60 Jahre BRD: Die Wirtschaft der Achtziger:Sozialabbau wie etwa Beschneidungen beim Bafög

Die neue Bundesregierung kürzt bereits im Januar 1983 das Kinder- und Wohngeld. Zuzahlungen der gesetzlich versicherten Patienten für Medikamente und Krankenhausaufenhalte werden erhöht und die Beiträge zur Renten- und Arbeitslosenversicherung angehoben.

Das Bafög für Schüler wird fast völlig abgeschafft, für Studierende auf Volldarlehen umgestellt. Das neue Mietrecht stärkt die Rechte des Vermieters.

Foto: Studierende in den achtziger Jahren: Die Unterstützung durch Bafög gibt es nur noch auf Darlehensbasis, AP

DGB-Logo, Foto: dpa

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60 Jahre BRD: Die Wirtschaft der Achtziger:Gewerkschaften demonstrieren ihre Macht

Die Gewerkschaften treten zunehmend in Opposition zur Regierung: Im Oktober 1982 demonstrieren auf DGB-Kundgebungen in Nürnberg, Frankfurt und Dortmund 200.000 Arbeitnehmer gegen Arbeitslosigkeit, die Kürzung sozialer Leistungen und Lohnabbau.

Foto: Logo des Deutschen Gewerkschaftsbundes, dpa

Stahlindustrie im Strukturwandel, Foto: dpa

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60 Jahre BRD: Die Wirtschaft der Achtziger:Stahl und Kohle: Verlierer des Strukturwandels

Der Strukturwandel macht der deutschen Wirtschaft in den achtziger Jahren immer mehr zu schaffen: Im Dezember 1987 treten im Ruhrgebiet mehr als 100.000 Stahlarbeiter in den Streik. Sie protestieren gegen die Stilllegung von Hochöfen in Duisburg-Rheinhausen. Seit den siebziger Jahren sind etwa 50 Prozent der Arbeitsplätze in der Branche verloren gegangen.

Foto: dpa

Bergmann im Ruhrgebiet, Foto: ddp

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60 Jahre BRD: Die Wirtschaft der Achtziger:Milliardenprogramm für das Ruhrgebiet

Das Ruhrgebiet - einstiges Herz des deutschen Wirtschaftswunders - wird zum Sanierungsfall. Im Feburar 1988 wird ein Milliardenprogramm für den größten Ballungsraum Deutschlands beschlossen. In dem Gebiet zwischen Moers und Hamm soll die Steinkohleförderung deutlich verringert und rund 30.000 Arbeitsplätze abgebaut werden.

Foto: Bergmann im Ruhrgebiet. Für die Kumpel gibt es immer weniger zu tun, ddp

Flick-Parteispendenskandal: Vertrauensverlust in die Politik, Foto: dpa

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60 Jahre BRD: Die Wirtschaft der Achtziger:Flick-Parteispendenskandal: Vertrauensverlust in die Politik

Die achtziger Jahre stehen auch für einen Vertrauensverlust der Politik in der Bevölkerung, der vor allem durch die Affäre um den Flick-Konzern ausgelöst wurde.

Steuerfahnder waren bereits Anfang der achtziger Jahre in Unterlagen des Flick-Generalbuchhalters Rudolf Diehl auf Zahlungen des Unternehmens an Politiker aller im Bundestag vetretenen Parteien gestoßen. Zu den Empfängern zählen auch die zwei früheren FDP-Wirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff und Hans Friderichs, die unter Bestechungsverdacht geraten.

In der Folge werden Lambsdorff, Friderichs und der Flick-Manager Eberhard von Brauchitsch vor dem Landgericht Bonn angeklagt und 1987 wegen Rechtsverstößen verurteilt.

Die Urteile ergehen allerdings lediglich wegen Steuerhinterziehung, beziehungsweise Beihilfe zur Steuerhinterziehung. Eine Beeinflussung politischer Entscheidungen durch die Geldzahlungen läßt sich nicht nachweisen.

Von Brauchitsch erhält eine Bewährungs-, Lambsdorff und Friderichs Geldstrafen.

Foto: Zeichnung aus dem Gerichtssaal des Landgerichts Bonn während der Verhandlung am 29. August 1985 zum Flick-Parteispendenskandal. Sie zeigt die Angeklagten Hans Friedrichs (2.v.li.), Eberhard von Brauchitsch (3.v.li.) und Otto Graf Lambsdorff (2.v..re.), AP

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