bedeckt München
vgwortpixel

50 Jahre nach Schweinebucht-Invasion:Umsteuern oder Untergehen

Vielleicht wird der genesene Genosse Fidel dabei sein, wenn am Samstag zur Erinnerung an die Schweinebucht alias Girón eine Parade auf dem Platz der Revolution stattfindet. "Was kostet dieser Exzess die Nation?", fragt auf Twitter die Bloggerin Yoani Sánchez, die von ihrem Balkon aus zuschauen kann. Doch den Umbau der Republik hatte vor fünf Monaten im Parlament Fidels fast 80-jähriger Nachfolger Raúl angekündigt: "Wir müssen die elementaren Fehler korrigieren, die wir in diesen fünf Jahrzehnten des Aufbaus des Sozialismus begangen haben", sagte er. "Entweder berichtigen wir, oder wir gehen unter."

So schwimmt Kuba notgedrungen ins Meer des Kapitalismus. Die Krise nach dem Zusammenbruch des sowjetischen Hauptsponsors vor 20 Jahren war ja nie überstanden. Mit Hilfe von außen, vor allem aus Venezuela und China, konnten die Engpässe nur teilweise überwunden werden, die globale Finanzkrise und Hurrikane waren endgültig zu viel. "Strukturelle Reformen" versprach Raúl Castro, manche davon sind schon zu besichtigen. 171.000 Lizenzen für neue Kleinunternehmer vergab die Regierung, es gibt trotz hoher Steuern viel mehr Privatrestaurants, Cafés, Pizzastände, Fremdenführer, Friseure und Maniküresalons.

Etwa 300.000 Kubaner arbeiten inzwischen legal auf eigene Rechnung. Dafür lässt der aufgeblasene Staatsapparat Luft ab. 500.000 und später mehr als eine Million Beamte sollen entlassen werden, um den Haushalt zu entlasten. Branchen wie Ölindustrie, Nickel, Biotechnologie und Tourismus könnte das Eiland für ausländische Investoren öffnen. Die Doppelwährung mit einheimischen und dollarähnlichen Pesos dürfte abgeschafft werden und vielleicht auch das zerfledderte System der Lebensmittelkarten.

Für die versprengte Opposition ist das zu wenig. Man brauche einen Systemwechsel, findet der Dissident Oswaldo Payá. Das hat er auch dem früheren US-Präsidenten Jimmy Carter gesagt, als der kürzlich Kuba besuchte. Immerhin entließ Castro mittlerweile mehrere Regimegegner aus dem Gefängnis.

Vor einem texanischen Gericht wurde derweil ein Planer der Schweinebucht-Attacke freigesprochen, der nachmalige Terrorist Luis Posada Carriles. Und eine republikanische Abordnung im Kapitol von Washington empfing überlebende Besiegte von damals. "Diese Männer", sprach die exilkubanische Abgeordnete Ileana Ros-Lehtinen, "sind Helden."