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50 Jahre Élysée-Vertrag:Hollande und Merkel hatten einen schlechten Start

Das ist der große Vorwurf Frankreichs an Deutschland: dass es Regeln bestimmen will, die für ganz Europa gelten, nur nicht für sich selbst. Das zeigte sich auch im Herbst, als die EU-Kommission mit den Euro-Ländern "Verträge" aushandeln sollte, als Ergänzung zu ihren Reformanstrengungen. François Hollande hat klar gemacht, dass auch Deutschland eine solche Verpflichtung eingehen müsste. Angela Merkel soll plötzlich sehr viel weniger Interesse an der ganzen Idee gehabt haben.

Hollande und Merkel "beschnuppern sich noch"

François Hollande und Angela Merkel hatten einen sehr schlechten Start. Das ist normal. Die Beziehungen zwischen Jacques Chirac und Helmut Kohl sowie Gerhard Schröder waren genauso von Misstrauen geprägt wie die zwischen Nicolas Sarkozy und Angela Merkel. François Hollande reizte es, gemeinsame Sache mit den Italienern und den deutschen Sozialdemokraten zu machen. Auf der europäischen Bühne hat er sich mit zwei Marios verbündet, dem italienischen Premier Mario Monti und dem EZB-Chef Mario Draghi.

"Sarkozy hatte einen Pakt mit Merkel geschlossen", sagte Hollande Ende Sommer 2012. "Sarkozy sorgte dafür, dass Deutschland nicht isoliert wurde, dafür hat Merkel ihn mit der Glaubwürdigkeit der Bestnote AAA belohnt, unter der Bedingung, dass er seinen Haushalt in Ordnung hält. Ich habe dieses Spiel beendet, ich habe darauf gedrungen, dass man Kompromisse schließt, indem andere einbezogen werden."

Im Élysée empfing der sozialistische Präsident ostentativ die SPD-Größen Sigmar Gabriel, Frank-Walter Steinmeier und Peer Steinbrück - die dann zurück in Berlin prompt die Kanzlerin dazu brachten, der Finanztransaktionsteuer zuzustimmen, im Gegenzug für das Ja der SPD zum Fiskalpakt.

François Hollande, der ein wirtschaftlich geschwächtes Land regiert, muss möglicherweise noch länger mit der Kanzlerin auskommen. Die beiden lernen gerade, sich kennenzulernen. "Sie beschnuppern sich noch", sagt Pascal Lamy, der Direktor der Welthandelsorganisation, der beide gut kennt.

Frédéric Lemaître ist der Korrespondent von Le Monde in Berlin, Arnaud Leparmentier ist Kolumnist der Zeitung. Übersetzung: Caroline Ischinger