bedeckt München 22°

5 Jahre BSE:Der vergessene Wahnsinn

Wer erinnert sich noch an BSE? Erst trat das Land in den Konsumstreik - heute ist alles schon vergessen. Fünf Jahre nach der ersten Nachricht ist kaum mehr die Rede vom Rinderwahn. Dabei ist die Krankheit immer noch weitgehend unerforscht.

Der Schrecken, der auf den Tag genau vor fünf Jahren Deutschland erreichte, hatte seine Ursache nicht in kriminellen Machenschaften von Fleischverarbeitern und -händlern im strafrechtlichen Sinne. Gesetzeskonform, aber in einem allgemeinen Sinne kriminell war aber die Verfütterung von Tiermehl an Pflanzenfresser - bis heute die plausibelste Erklärung für das massenhafte Auftreten von BSE (Bovine spongiforme Enzephalopathie; schwammartig das Gehirn zersetzende Rinderkrankheit) in Großbritannien.

Die Folgen des ersten, vor genau fünf Jahren in Deutschland entdeckten Falls auf einem schleswig-holsteinischen Hof vergällten der Bevölkerung die Lust auf Rindfleisch; der Konsum sank im nächsten Jahr um ein Drittel.

Davon ist heute kaum mehr etwas zu spüren, obwohl die obligatorischen Schnelltests der Schlachtrinder auch in Deutschland weiterhin BSE-Befunde erbringen. Allerdings gehen die Zahlen seit den Spitzenwerten von 2001 in allen Ländern kontinuierlich zurück, auch im Mutterland der Rinderkrankheit, wo ungefähr 99 Prozent der Fälle auftraten. Großbritannien verzeichnet seit dem Jahr 1987 mehr als 180 000 Fälle, in Deutschland sind es knapp 400 - weniger als in Irland, Frankreich, Portugal, Spanien und der Schweiz.

Die Ursachen von BSE sind immer noch unklar

Über die Ursachen und die Verbreitung von BSE ist bis heute vieles ungeklärt. Seit in der EU die Verfütterung von Tiermehl nicht nur an Kühe verboten ist, geht die tödliche Krankheit zurück, sodass ein Zusammenhang evident erscheint. Daneben gibt es Hinweise darauf, dass der Erreger vom Muttertier auf das Kalb übergehen kann. Da in einer Herde immer nur einzelne Tiere befallen sind, liegt es nahe, dass genetische Faktoren die Krankheit begünstigen.

In Bayern wurden erstmals zwei BSE-Rinder ermittelt, die nach dem Tiermehl-Verbot auf die Welt gekommen waren. Möglicherweise ist Tiermehl in die Nahrungskette gelangt, das offiziell nur mehr für andere Zwecke, etwa als Düngemittel, verwendet werden durfte. Andererseits aber gingen die Zahlen in Deutschland schon im ersten Jahr nach dem Tiermehlverbot zurück, was bei den Briten erst fünf Jahre später der Fall gewesen war - wieder eine der offenen Fragen.

Gleichzeitig häufte sich in Großbritannien im Lauf der Zeit eine neue Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit, einer sehr seltenen, am Ende tödlichen neurologischen Erkrankung; inzwischen sind dort 152 Menschen daran gestorben. In Deutschland gibt es offiziell noch keinen solchen Fall, allerdings wird nicht jeder Creutzfeldt-Jacob-Tote daraufhin untersucht, ob diese neue Variante vorliegt. Da massive Symptome erst nach vielen Jahren, manchmal nach Jahrzehnten auftreten, sind Prognosen schwierig.

Horrorszenarien haben sich nicht bestätigt

In der Hochzeit von BSE gab es vereinzelt wissenschaftliche Horrorszenarien, nach denen in Folge von BSE Hunderttausende Menschen sterben würden, was mittlerweile längst völlig unhaltbar ist. Seit 2001 muss in der Europäischen Union Risikomaterial beim Schlachten entfernt werden - bei Rindern sind das Gehirn, Schädel mit Augen, Rückenmark, Darm und Mandeln. Unter dem Verdacht, BSE auf Kälber zu übertragen, standen auch so genannte Milchaustauscher, das sind mit tierischen Fetten angereicherte Milchprodukte, die nur in Deutschland verboten sind.

Schnell verbreitete sich seinerzeit die Angst vor BSE, bald wurde sie abgelöst von der Erregung über die Maul- und Klauenseuche, welche nur Tiere bedroht. Auch das Vergangenheit, wie die Furcht vor Acrylamid in Kartoffelchips. Der Mensch vergisst, das Fleisch ist schwach.