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40 Jahre Watergate:Einbrecher im Dienste des Präsidenten

Das Weiße Haus als kriminelles Unternehmen: Vor 40 Jahren erschütterte die Watergate-Affäre die USA. Der innenpolitische Skandal um Verschwörung, Spionage und Machtmissbrauch zwang Richard Nixon als einzigen US-Präsidenten der Geschichte zum Rücktritt.

Friederike Hunke

9 Bilder

FILE PHOTO OF RICHARD NIXON WAVES AS HE LEAVES THE WHITE HOUSE AFTER HIS RESIGNATION

Quelle: REUTERS

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Das Weiße Haus als kriminelles Unternehmen: Vor 40 Jahren erschütterte die Watergate-Affäre Amerika. Der innenpolitische Skandal um Verschwörung, Spionage und Machtmissbrauch zwang Richard Nixon als einzigen US-Präsidenten der Geschichte zum Rücktritt.

Der Schein trügt. Als dieses Bild aufgenommen wurde, war Richard Nixon bereits seit einigen Stunden nicht mehr Präsident der USA. Am 9. August 1974 trat er als erster und bis jetzt einziger Präsident in der Geschichte der USA von seinem Amt zurück. Er entging damit seiner offiziellen Amtsenthebung durch das Repräsentantenhaus. Seine Verwicklung in den Watergate-Skandal hatte ihn zu Fall gebracht.

Die Watergate-Affäre

Quelle: dpa

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Der Watergate-Gebäudekomplex im Zentrum Washingtons gab dem Spionageskandal seinen Namen. Anfang der 1970er Jahre befand sich dort unter anderem das Hauptquartier der Demokratischen Partei. Am 17. Juni 1972 brachen fünf Männer in die Parteizentrale ein und versuchten, Abhörwanzen zu installieren und Dokumente zu fotografieren. Ein Wachmann erwischte sie und brachte damit die Watergate-Affäre ins Rollen.

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Quelle: AFP

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Richard Nixon bestritt von Anfang, etwas mit dem Einbruch und dessen Vertuschung zu tun zu haben. Zunächst schien es, als habe er mit dieser Strategie Erfolg: Bei der Präsidentschaftswahl im November 1972 bestätigten ihn die Amerikaner mit großer Mehrheit im Amt. Als während der Gerichtsverhandlungen gegen die Einbrecher immer mehr Details über die Hintergründe bekannt wurden, geriet Nixon zunehmend in Bedrängnis.

Das Bild zeigt Nixon mit seiner Frau Pat während des Präsidentschaftswahlkampfs.

John Mitchell

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FBI-Ermittlungen ergaben, dass die Auftraggeber für den Einbruch aus dem unmittelbaren Umfeld des Präsidenten stammten. An den Machenschaften beteiligt war vor allem John Mitchell, ehemaliger Justizminister und Leiter des Ausschusses für die Wiederwahl Nixons. Mitchell plante neben dem Watergate-Einbruch noch zahlreiche weitere zwielichtige Aktionen - alles für den Präsidenten.

Hier ist Mitchell bei seiner Aussage vor dem Untersuchungsausschuss zur Watergate-Affäre zu sehen.

Ihre Arbeit begeisterten die Studentin Jill Abramson für den Journalismus: Die Journalisten Carl Bernstein (links) und Bob Woodward, die die "Watergate-Affäre" aufdeckten (im Mai 1973).

Quelle: dpa/dpaweb

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Triumph der Presse: Die Reporter Carl Bernstein (links) und Bob Woodward deckten den Skandal auf, indem sie immer mehr Informationen über die Einbrecher und den Hintergrund des Verbrechens sammelten. Dabei stießen sie auf Verbindungen der Männer bis ins Weiße Haus. Hilfe erhielten sie von einem Informanten aus dem FBI, dessen Identität erst 33 Jahre später bekannt wurde. 1973 erhielt die Washington Post für die Artikel über die Watergate-Affäre den Pulitzer-Preis. Mit ihrem Glanzstück des investigativen Journalismus bleiben Bernstein und Woodward bis heute in Erinnerung. Bernstein sagte zu den Enthüllungen kürzlich im amerikanischen Nachrichtensender CBS News: "Wir fanden heraus, dass sein [Nixons] Weißes Haus zu einem erheblichen Anteil ein kriminelles Unternehmen geworden war, wie es das in unserer Geschichte niemals gegeben hat."

FILE PHOTO OF RICHARD NIXON ON THE TELEPHONE

Quelle: REUTERS

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"I'm not a crook" (Ich bin kein Gauner), beteuerte Nixon noch Ende 1973. Doch die Untersuchung des Watergate-Ausschusses des Senats legte unter anderem offen, dass er selbst die Vertuschung des Einbruchs angeordnet hatte. Der Präsident weigerte sich stur, zur Aufklärung der Affäre beizutragen und versuchte sogar, die Ermittlungen gegen ihn zu behindern. Spätestens nach der erzwungenen Veröffentlichung von Tonbändern, auf denen der misstrauische Präsident alle Gespräche im Oval Office hatte aufzeichnen lassen, konnte er seinen Sturz aber nicht mehr abwenden. Die Aufnahmen stellten Nixon als hinterhältigen, manipulativen Machtmenschen bloß und bewiesen seine Verantwortung für die Verschleierungsmanöver.

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Quelle: AFP

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Nachdem sich die Rücktritte und Entlassungen von Beratern und anderen Mitgliedern des inneren Machtzirkels häuften, war schließlich auch der Präsident an der Reihe. Führende Politiker beider amerikanischer Parteien leiteten ein Amtsenthebungsverfahren gegen Richard Nixon ein. Viele Amerikaner demonstrierten für die Absetzung des Präsidenten. Im Juli 1974 verabschiedete der Rechtsausschuss des US-Repräsentantenhauses die Anklageartikel gegen Nixon.

Nixon-Rücktritt

Quelle: dpa/dpaweb

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Die Schande einer Absetzung wollte sich der Präsident ersparen und verkündete am 9. August 1974 seinen Rücktritt. Vier Wochen später begnadigte ihn der neue Präsident Gerald Ford "für alle Verstöße gegen die Vereinigten Staaten". Die umstrittene Entscheidung Fords rettete Nixon vor einer Strafverfolgung.

Das Bild zeigt den Präsidenten bei seiner Abschiedsrede in Washington.

Mark Felt, Informant im Watergate-Skandal, outet sich als "Deep Throat", 2005

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Informant im Hintergrund: Mark Felt, damals stellvertretender Direktor der Bundespolizei FBI, war jener Informant, der dem Journalisten Bob Woodward ab Juni 1972 heimlich Hinweise gab. Unter dem Decknamen "Deep Throat" spielte er eine Hauptrolle bei den Enthüllungen, die letztlich zum Sturz des Präsidenten führten. Er habe dabei nur seine Pflicht getan, sagte Felt . Erst 2005 bestätigte er seine Identität und lüftete damit eines der bestgehüteten Geheimnisse der US-Geschichte.

Im Bild zu sehen ist der 2008 verstorbene Felt mit seiner Tochter und seinem Enkel im Mai 2005.

© sueddeutsche.de/fhu
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