32-Stunden-Woche für Eltern:Wie reagiert die Frauenlobby?

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Beide Elternteile haben mehr Zeit für die Familie, ohne Einkommenseinbußen befürchten zu müssen. Das klingt insbesondere aus Sicht der Frauen geradezu paradiesisch, sind sie es doch, die sich immer noch hauptsächlich um Kinderbetreuung und -erziehung kümmern - und dafür im Beruf zurückstecken. Lob für die Initiative von Familienministerin Schwesig kommt deshalb vom Deutschen Frauenrat, der Interessenvertretung von mehr als 50 Frauenverbänden in Deutschland. "Der besondere Charme ihres Vorschlages besteht darin, dass beide Elternteile gleichzeitig ihre Arbeitszeit verkürzen und somit ihre Familienaufgaben gleichberechtigt aufteilen können", kommentiert Hannelore Buls, Vorsitzende der Frauenlobby, den Vorschlag.

Der setzt allerdings auch voraus, dass tatsächlich Mütter wie Väter ihre Arbeitszeit reduzieren wollen, um sich mehr für und in der Familie zu engagieren. Beim Elterngeld hat sich jedoch gezeigt, dass die Bereitschaft dazu, noch immer eher gering ist. Der Großteil der Männer nutzt das Angebot nicht in vollem Umfang.

Vor diesem Hintergrund spricht sich Eva Hartmann, Leiterin der Geschäftsstelle des Deutschen Ingenieurinnenbundes (dib e.v.), dafür aus, das "begrüßenswerte Angebot der 32-Stunden-Woche" gesetzlich an die Bedingung zu koppeln, dass zumindest zeitweise beide Elternteile ihre Arbeitszeit zurückfahren. "Das ist auch wichtig, um das Image der Teilzeitarbeit zu verbessern, die ja heute immer noch als Karrierehemmnis gilt." Wenn Frauen wie Männer Teilzeit arbeiteten, bestehe die Chance, dass Führungspositionen irgendwann nicht mehr zwangsläufig mit Vollzeitbeschäftigten besetzt würden. "Ohne eine rechtliche Regelung ändert sich im Alltag und in den Köpfen der Chefs nichts", sagt Hartmann.

Annette Bruhns, Vorsitzende des Vereins ProQuote Medien, hält die Befürchtung, dass am Ende überwiegend Frauen langfristig im Job reduzieren, für übertrieben. "Frauen verdienen immer mehr und kommen heute häufiger in Führungspositionen. Und Männer bleiben immer öfter eine Zeitlang fürs Kind daheim. Unsere Arbeitswelt vollzieht einen notwendigen Kulturwandel - je schneller, umso besser." Zusätzliche gesetzliche Anreize, die beide Elternteile zu Erziehungsarbeit ermuntert, wären hilfreich. "In der Schweiz beispielsweise nutzen viele Eltern, Mütter wie Väter, die Möglichkeit, Vier-Tage-Wochen zu machen, auch in Leitungsfunktionen." Dass viele Männer in Deutschland nach der Geburt nur kurz im Job aussetzten, liege auch an den Frauen, die freiwillig länger zu Hause blieben. "Gleichberechtigung ist keine Einbahnstraße - auch manche Frau muss ihr Rollenbild überdenken."

Mit Material von Reuters.

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