23-facher Lottomillionär:Das Glück ist mit dem Friedvollen

Politprominenz im Lokal

Auch ohne Rang und Titel hat Jawat Ibrahim Kultstatus erreicht. Politiker aus aller Welt waren in seinem Restaurant, Bill und Hillary Clinton, der Bürgermeister von Chicago, Dennis Ross, fast sämtliche Politiker Israels, darunter Ariel Scharon, Ehud Olmert, Schimon Peres, Benjamin Ben-Eliezer, Dalia Itzik.

Schon ein paar Mal führten israelische Politiker hier auch Friedensgespräche mit Palästinensern wie Saeb Erekat. An den Wänden des Restaurants hängt ein in Gold gerahmter Brief von Bill Clinton zum Geburtstag Ibrahims und Fotos, auf denen Jawat Ibrahim mit dem verstorbenen König Hussein von Jordanien zu sehen ist.

Im Wohnzimmer seiner Wohnung, die über dem Restaurant liegt, kramt Ibrahim in Fotokisten und zeigt Stars und Sternchen aus aller und der nahöstlichen Welt, wie sie lachen und Humus essen und sich umarmen. Derzeit strebt er eine Städtepartnerschaft mit einer Kommune in Deutschland an.

Und die Liebe? Auch die hat er nach mehreren Anläufen endlich gefunden. Tanyalak Ibrahim heißt sie, ist 34 Jahre alt, und kommt aus Thailand. Gemeinsam haben sie den Sohn Jasem und die Tochter Jasmin, drei und anderthalb Jahre alt, und die Erinnerung an einen Zufall, der sie vor vier Jahren in einem Einkaufszentrum in Bangkok zusammengebracht hat.

Tanyalak Ibrahim sitzt auf dem schwarzen Ledersofa am Wohnzimmertisch, den sie mit einer pinkfarbenen Orchidee geschmückt hat, und erstmals an diesem Tag schweigt Jawat Ibrahim, als er seiner Frau zuhört. Als höre er die Geschichte zum ersten Mal.

Mit einer Freundin war sie damals in einer Shoppingmall in Bangkok, als sie Jawat Ibrahim über den Weg lief. Er wollte bei einem Schneider Anzüge und Hemden in Auftrag geben, aber der Schneider sprach kein Englisch.

Hilfesuchend blickte Jawat Ibrahim sich um und fragte Tanyalak, ob sie ihm übersetzen könne. Das tat sie. Und handelte für Jawat auch noch einen guten Preis aus.

Als der Schneider eine Vorauszahlung wollte, musste Jawat Ibrahim, der 23-fache Millionär, erneut passen. Er hatte kein Bargeld bei sich. Tanyalak bot an, die Summe vorzuschießen und ging anschließend mit Jawat Ibrahim zu einem Geldautomaten. Auf dem Weg dorthin vertieften sie sich in ein Gespräch.

Und verabredeten sich für den nächsten Tag. Tanyalak Ibrahim sagt: "Ich war überzeugt, dass er ein großes Herz hat, denn er war weit weg von Zuhause und dachte an seine Familie und ließ Anzüge und Blusen für sie anfertigen." Noch ein paar Mal reiste Jawat Ibrahim nach Thailand, lernte Tanyalaks Familie kennen, bis die beiden sich vor vier Jahren zur Hochzeit und für den Lebensmittelpunkt Abu Gosch entschieden.

"Meine Freunde haben mich vor Israel gewarnt", sagt Tanyalak Ibrahim. "Bist du wahnsinnig, haben sie gesagt, in einen Krieg zu ziehen. Geh doch nach Deutschland."

Inzwischen haben sich ihre Freunde davon überzeugen können, dass man auch in Israel in Frieden leben kann, und Tanyalak Ibrahim hat Humus lieben gelernt (im Gegensatz dazu kann Jawat Ibrahim der thailändischen Küche nichts abgewinnen).

Auch im Dorf haben sich die arabischen Männer an den Anblick der Asiatin gewöhnt. Behilflich waren dabei nicht nur Tanyalaks Aura, sondern auch die Tatsache, dass sie Muslimin ist. Jawats Mutter hat die Schwiegertochter vom ersten Moment an in ihr Herz geschlossen und liebt deren thailändische Suppen.

Nur an den Konflikt hat sich Tanyalak Ibrahim bis heute nicht gewöhnt. "Hier in Israel ist es wichtig, welcher Religion du angehörst. Alle fragen immer, ob man Muslim oder Jude oder Christ ist. Bei uns in Thailand kümmern wir uns nicht darum, ob du Buddhist, Christ oder Muslim bist. Bei uns sind alle Menschen gleich."

© SZ vom 20.3.2007
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