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Jahresrückblick:In Deutschland gelingt doch noch die Bildung einer neuen Regierung

Die Entspannung wirkte sich 2018 bis nach Moskau aus. Als Zeichen des guten Willens ließ Präsident Putin dem Kollegen Trump mitteilen, ein gewisses Video, das es eigentlich ohnehin nicht gebe, sei im Zuge einer großen Säuberung in der Lubjanka verloren gegangen, jedenfalls vielleicht. Russland sagte außerdem zu, die Zahl der Trollfabriken im Land bis 2038 um drei Prozent zu reduzieren und die vielen geschassten US-Präsidentenberater, für die sich kein Platz mehr in amerikanischen Läuterungsanstalten fand, in geeigneten Einrichtungen nahe Workuta unterzubringen. Die Therapiemethoden dort hätten sich in jahrzehntelanger Praxis bewährt.

In Deutschland gelang gegen Jahresende 2018 schließlich doch die Bildung einer großen Koalition. Politische Beobachter sprachen von einem Erfolg der SPD. Sie hatte zu Jahresbeginn 398 rote Linien genannt, von denen sie im Laufe der Koalitionsgespräche unter keinen Umständen abweichen werde. Nach mehreren Tausend Verhandlungsrunden wurden immerhin vier davon in den Koalitionsvertrag hineingeschrieben. Martin Schulz, dem Vorsitzenden, allerdings war es nicht gelungen, den Genossen seinen strategischen Dreisprung zu erklären: Warum also seine Partei vier Jahre lang erfolgreich in der großen Koalition gearbeitet habe, um nach der Wahl jählings festzustellen, dass sie diese Koalition aus Verantwortung für die deutsche Sozialdemokratie unter keinen denkbaren Umständen fortsetzen dürfe, woraufhin sie das dann aus Verantwortung für die deutsche Sozialdemokratie dennoch tat. Schulz wurde zur Strafe in den SPD-Landesverband Bayern verbannt, wo sich in den üblichen ideologischen Querelen dieser Truppe seine Spur allerdings verlor.

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Silvester

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Andrea Nahles hingegen stieg weit auf. Sie belegte auf Drängen der Kanzlerin einen Benimmkurs, in dem man ihr erste Grundlagen höflichen Verhaltens nahezubringen versuchte. Im Bundeskabinett, wohin sie zurückgewechselt war, hat sich das nach Informationen aus gut unterrichteten Kreisen insgesamt positiv bemerkbar gemacht. Nur gelegentlich soll Frau Nahles unter dem Tisch nach dem einen oder anderen Bundesminister der CSU getreten haben.

Diese wiederum verlor die Landtagswahl 2018 gegen das Bündnis "Mia san des Volk", das Linke, Grüne, SPD, FDP und die Freien Wähler einschloss. Die Partei war so fixiert auf das Dauerduell Söder/Seehofer, dass sie den Wahlkampf schlicht vergessen hatte. Auch war ihr der Nachweis missglückt, das christliche Familienbild gebiete es, durch Verbote, Einreisesperren und Abschiebungen die Zusammenführung von Flüchtlingsfamilien mit allen Mitteln zu verhindern. In moraltheologischen Zirkeln hieß es, eine solche Auslegung der Schrift habe den Himmel herabstürzen lassen, jedenfalls den in Bayern und für die CSU.

Es gibt Dinge, bei denen nicht einmal göttliche Fügung hilft: den BER zum Beispiel

Der Stabilisierung des Landes insgesamt kam eine weitere Spaltung der AfD zugute. Das Höcke-Lager hatte festgestellt, dass die vom Co-Vorsitzenden Gauland beim Übertreten der Geschwindigkeitsbegrenzung bevorzugte Luxuslimousine der Marke "Jaguar" ein fremdvölkisches Erzeugnis sei. Noch dazu stamme es aus einem Land, das sich dereinst erdreistet hatte, sich unseren ruhm- und ehrenvollen Soldaten zu widersetzen.

Christian Lindner von der FDP lieferte 2018 ebenfalls gute Nachrichten. Er stellte das ganze Jahr über eine vierstellige Zahl von Bedingungen auf, dafür, eventuell über eine Wiederaufnahme der Jamaika-Sondierungen nachzudenken, einschließlich der Übernahme des Kanzleramtes durch ihn selbst. Da ihm aber niemand mehr zuhörte, scheint die FDP zurück auf dem Weg in die Versenkung zu sein, aus der sie 2017 gekommen war.

Nur eine schlechte Nachricht mussten die Jahresrückblicksmacher 2018 noch finden. Zuversichtlich blickten sie nach Berlin, wo zu erfahren war, man habe wegen technischer Probleme die Eröffnung des Flughafen BER leider auf den 2. Januar 2107 verschieben müssen. Man sei aber zuversichtlich, diesen Termin halten zu können. Es gibt eben Dinge, bei denen nicht einmal göttliche Fügung weiterhilft.

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