5. Oktober 2016, 19:58 Ministerpräsident von Baden-Württemberg Kretschmann über die Grünen: "Wir sind keine Heiligen"

Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat seine Partei zu mehr Selbstkritik aufgerufen. "Wir sind keine Heiligen und werden es auch dann nicht, wenn man uns dazu machen will", schrieb der Grünen-Politiker in einem Gastbeitrag für Die Zeit. "Wir sollten daher das Moralisieren lassen." Zugleich verteidigte er in dem Beitrag die Ehe zwischen Mann und Frau. Wörtlich schrieb Kretschmann: "So ist und bleibt die klassische Ehe die bevorzugte Lebensform der meisten Menschen - und das ist auch gut so."

Äußerung stößt auf Kritik

Für diese Äußerung erntete er Kritik - auch in der eigenen Partei. Die klassische Ehe sei "in Ordnung", sagte daraufhin Grünen-Politiker Volker Beck. "Genauso gut" seien aber auch eine "Ehe zwischen zwei Männern oder zwei Frauen" - was in Deutschland rechtlich nicht möglich ist - sowie das "nichteheliche Zusammenleben mit oder ohne Kinder". Beck sagte weiter: "Familie ist da, wo Kinder sind. Und da gibt es in Deutschland eine große Vielfalt. Und die Vielfalt ist auch gut so."

Der stellvertretender Vorsitzende der Linken-Fraktion, Jan Korte, erklärte mit Blick auf die Ehe-Äußerungen: "Erst kommt der Porsche, dann die Moral: Kretschmann entschuldigt sich dafür, dass die Grünen früher auch mal einen Beitrag zum gesellschaftlichen Fortschritt geleistet haben. So muss man es machen, wenn man sich nach der CDU auch der CSU als Regierungspartner anbiedern möchte."

Kretschmann über AfD

Neben den Aussagen zur Ehe riet Kretschmann seiner Partei, sich auf den Kampf für eine gute Ordnung der Dinge zu konzentrieren, anstatt Vorgaben für das gute Leben und die individuelle Lebensgestaltung zu machen. Er ergänzte, dass aus seiner Sicht die "kulturelle Hegemonie" der Grünen indirekt zum Aufstieg der AfD beigetragen habe.

Angesichts einer umfassenden Modernisierung der Gesellschaft wachse sich bei vielen Menschen "das Gefühl der Überforderung zum Gefühl des Kontrollverlusts aus", schrieb Kretschmann weiter. Nun gehe es darum, deutlich zu machen, "dass die neuen Freiheiten in der Lebensgestaltung ein Angebot und keine Vorgabe sind".