7. Januar 2017, 07:30 Hacker-Attacken bei US-Wahl 2016 Das steht im Hacking-Bericht der US-Geheimdienste

FBI, CIA und NSA sind überzeugt: Auf Putins Befehl haben russische Hacker versucht, die US-Wahl zu beeinflussen und Clinton zu schwächen. Die Botschaft der Dienste an Trump: Das wird nur der Anfang sein.

Analyse von Matthias Kolb, Washington

Am Freitagmittag, kurz vor 13 Uhr, betreten vier Männer die Lobby des Trump Tower in New York. Es sind FBI-Chef James Comey, CIA-Chef John Brennan, NSA-Direktor Mike Rogers und James Clapper, der US-Geheimdienstkoordinator. Ihre Aufgabe: Sie sollen Donald Trump überzeugen, dass Russland versucht hat, durch Hacking und andere Methoden den Ausgang der US-Wahl zu beeinflussen.

90 Minuten später verschickt der künftige US-Präsident eine Mitteilung: Das Treffen sei "konstruktiv" gewesen und er habe "enormen Respekt" für die Arbeit der Geheimdienstmitarbeiter. Das klang wochenlang anders - und erstmals deutet Trump an, dass Moskau neben "anderen Staaten oder Gruppen" Hacker-Angriffe in Auftrag gegeben habe.

Am Abend veröffentlicht der Geheimdienstkoordinator einen 25 Seiten langen Bericht. Er enthält die Schlussfolgerungen von FBI, CIA und NSA, doch es gibt keine Informationen über die Quellen (es existiert eine weitere Version für Kongressabgeordnete sowie die detaillierteste Fassung, die neben Obama und Trump ausgewählte Politiker sehen). Skepsis ist bei allen Geheimdiensten und besonders bei den amerikanischen angebracht, aber das Papier legt detailliert dar, wieso Amerikas Intelligence Community überzeugt ist, dass Moskau die Siegchancen von Hillary Clinton minimieren und - von Sommer 2016 an - Trump helfen wollte.

"Wir treffen keine Aussage über die Auswirkungen der russischen Aktivitäten auf den Wahlausgang", heißt es im ersten Kapitel "Ziel und Quellen". Hier wird also Überparteilichkeit betont. Die wichtigsten Punkte im Überblick:

Die Regierung von US-Präsident Barack Obama, der das Gutachten in Auftrag gab, hat als eine ihrer letzten Amtshandlungen die Wahl-Infrastruktur als schützenswert eingestuft. Das gab Heimatschutzminister Jeh Johnson bekannt. Der Geheimdienstbericht erwähnt, dass sich russische Hacker Zugang zu Wahlkommissionen auf Stadt- und Bundesstaaten-Ebene verschafft hätten.

Obama selbst zeigte sich nach den neuen Hackervorwürfen gegen Moskau beunruhigt. Die Russen hätten sich in den politischen Prozess in den USA eingemischt, erklärte er dem Sender ABC. Er sei sehr besorgt über republikanische Fachleute und TV-Kommentatoren, die mehr Vertrauen in Russlands Präsident Putin hätten als in amerikanische Mitbürger. "Das kann nicht sein", kritisierte Obama. Auf die Frage, ob seine Bemerkung auf seinen Nachfolger Trump abziele, entgegnete er nur, Amerikaner seien in einem Team: "Putin ist nicht in unserem Team."

Die meisten Kongressabgeordneten, die sich am Freitag zu Wort meldeten, äußerten im Gegensatz zu Trump keine Zweifel an den Erkenntnissen der US-Geheimdienste. So sagte Paul Ryan, der mächtigste Republikaner im Repräsentantenhaus, dass Moskau seit langem gegen die amerikanischen Interessen arbeite und nun versucht habe, in die US-Wahl "hinein zu pfuschen". Dies müsse in Zukunft verhindert werden. Der Geheimdienstbericht dürfe allerdings nicht dazu missbraucht werden, "den Sieg des gewählten Präsidenten zu delegitimieren", so Ryan.

Trump spricht von "politischer Hexenjagd"

Trump selbst scheint jedoch noch immer nicht überzeugt, dass Moskau die US-Wahl beeinflusst hat. Vor dem Treffen hatte er in einem Interview mit der New York Times erklärt, er halte die Diskussion über die Angriffe für politisch motiviert. China habe vor relativ kurzer Zeit Daten von 20 Millionen Regierungsbeamten gehackt, sagte Trump. "Wie kommt es, dass da niemand drüber redet? Das ist eine politische Hexenjagd."

Nach dem Treffen mit den Geheimdienstchefs kündigte Trump ein Sofortprogramm zur Abwehr von Cyberangriffen an, dass er innerhalb der ersten 90 Tage seiner Amtszeit auf den Weg bringen wolle und für das sein Vize Mike Pence zuständig sein solle. In seinem Statement betonte er erneut, dass die Hacking-Versuche jedoch "absolut keinen Effekt" auf den Ausgang der Wahl am 8. November gehabt hätten.

Dass das Hacking-Thema trotz Trumps wütender Tweets nicht verschwinden wird, liegt nicht nur an kritischen Demokraten sowie russland-kritischen republikanischen Senatoren wie John McCain oder Lindsey Graham. Buzzfeed News meldete am Freitag, dass kurz vor Neujahr (und damit kurz nach Obamas Sanktionen gegen Russland) erneut Hacker versucht hätten, ins Computernetzwerk der demokratischen Partei zu gelangen.

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