2. September 2016, 11:14 Sturmgewehr Heckler & Koch muss wegen G36 keinen Schadenersatz zahlen

Was taugt das Sturmgewehr G36? Experten diagnostizieren schwere Mängel, Soldaten finden es trotzdem gut. Nun hat das Landgericht Koblenz entschieden.

Zumindest bei der Bundeswehr war das Schicksal des G36 schon längst besiegelt. Es wird ab 2019 ausgemustert. Der Streit zwischen Hersteller Heckler & Koch und dem Beschaffungsamt der Streitkräfte schwelte trotzdem weiter, zuletzt auf juristischer Ebene. Nun hat das Landgericht Koblenz entschieden, dass das Gewehr die notwendigen Anforderungen erfüllt. Die Richter wiesen die Schadenersatzforderungen zurück.

Die Affäre um das Sturmgewehr begann vor fünf Jahren, schon damals gab es erste Hinweise auf Präzisionsprobleme. Untersuchungen kamen dann allerdings zu widersprüchlichen Ergebnissen. Es ging um Zweifel an der Treffsicherheit bei großer Erhitzung der Waffe, sei es durch äußere Temperaturen oder Dauerfeuer.

Im April vergangenen Jahres war ein ausführliches Gutachten zu dem Ergebnis gekommen, dass das Gewehr die heutigen Präzisionsanforderungen der Bundeswehr nicht erfüllt. Allerdings, argumentierte im Gegenzug der Hersteller, seien diese auch andere, als bei der Auftragsvergabe in den Neunzigerjahren vereinbart. Das wiederum musste auch das Verteidigungsministerium zugeben.

Bundeswehr G36 verfehlt Bundeswehr-Anforderungen
Standardwaffe

G36 verfehlt Bundeswehr-Anforderungen

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Heckler & Koch geht es auch um den Ruf

Trotzdem entschied Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen dann im September, 167 000 Gewehre auszumustern und durch neue zu ersetzen. Denn bei einer Temperaturveränderung von 30 Grad sank die Trefferquote des Gewehrs bei Labortests auf nur noch sieben Prozent. Die Bundeswehr fordert 90.

Doch damit war der Streit nicht beigelegt. Für Heckler & Koch geht es schließlich nicht nur um einen lukrativen Auftrag, sondern auch um den guten Ruf als "weltweit führender Hersteller von Handfeuerwaffen", wie sich das Unternehmen selbst auf seiner Webseite beschreibt.

Eine vom Ministerium beauftragte Expertenkommission befragte schließlich 200 Soldaten. Das Ergebnis war überraschend eindeutig: Präzisionsmängel seien im Einsatz nie wahrgenommen worden, berichteten die Soldaten. Die Waffe sei leicht, bedienungsfreundlich und zuverlässig.

Bundeswehr Gelobtes Gewehr
Fragen und Antworten
G36 der Bundeswehr

Gelobtes Gewehr

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