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1968 - Attentat auf Rudi Dutschke:Marek Dutschke will im Gegesatz zu Rudi die Welt nicht retten

Sein jüngerer Bruder Marek zog mit 21 nach Berlin - auch er, um herauszufinden, wer er ist und wer sein Vater wirklich war. Und auch er hat darüber ein Buch veröffentlicht, bereits 2001: "Spuren meines Vaters". Es ist seine Analyse der damaligen Weltlage und Abrechnung mit den Überbleibseln der Außerparlamentarischen Opposition, der APO.

Wie sein Bruder ist er zweifacher Vater, allerdings kein Sozialist, sondern Mitglied der Grünen, aber "eine Karteileiche". Dabei wirkte sein Name zunächst wie ein Donnerhall bei den Grünen in der Hauptstadt, bei denen er "mit großem Sendungsbewusstsein" 2005 allerdings krachend scheiterte, bei der Listenaufstellung für den Bundestag. ("Young Jesus ist durchgefallen", schrieb damals die taz).

Rudi Dutschke

Familie Dutschke 1970: Gretchen und Rudi mit den beiden ältesten Kindern Polly-Nicole und Hosea-Che.

(Foto: SZ Photo)

Heute sagt er über seine Partei: "Ich habe das Gefühl, die können ganz gut ihre Klientel erreichen, aber jenseits des links-liberalen Bürgertums sehe ich da nicht besonders viel. Falls sie eine linke, soziale Partei sein wollen, dann fehlt da noch was." Ein Linker wie Fraktionschef Anton Hofreiter ("besonders charismatisch ist der nicht") vertrete nur eine Minderheitenmeinung innerhalb der Partei.

68er Bewegung "Die SPD ist Opfer des neoliberalen Globalisierungskonzeptes"
Sohn von Willy Brandt

"Die SPD ist Opfer des neoliberalen Globalisierungskonzeptes"

Peter Brandt, Sohn des früheren Kanzlers Willy Brandt, provozierte seinen Vater schon vor 1968 als Trotzkist und in der APO. Ein Gespräch über die SPD, Nationalbewusstsein und Renitenz.   Interview von Lars Langenau

Haben Sie linke Gene, Herr Dutschke? Habe er nicht, sagt er und verordnet sich im Vergleich zu seinen Eltern "in the middle of the road". 2013 unterstützte er in Berlin einen CDU-Kandidaten, weil er ihn mochte. Marek denkt nicht in Schubladen, weder stellt er die Systemfrage, noch will er die Welt retten. "So wie mein Leben jetzt ist, kann ich mich nicht als Rebell bezeichnen. Ich bin klassische Samariterkiez-Friedrichshain-Mittelschicht." Der 38-Jährige arbeitet in der Univerwaltung und ist für die Begutachtung ausländischer Studienbewerber zuständig. Er nimmt es mit Humor, wenn er gefragt wird, ob er da mal beruflich hin wollte. "Ich bin zufrieden mit meinem Leben", antwortet er.

Über einen wie den CSU-Politiker Alexander Dobrindt und seine Verdammung der '68er lacht er: "Nichts gegen mehr politische Auseinandersetzung, aber der antiautoritäre Ansatz der Generation meiner Eltern war für Deutschland unglaublich wichtig. Das setzte Energien frei und brachte das Land voran."