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100 Jahre Schlacht um Verdun:Erster Weltkrieg: "So furchtbar kann nicht einmal die Hölle sein"

Vor 100 Jahren begann die Schlacht um Verdun, bis heute Inbegriff des sinnlosen, menschenverachtenden Krieges. Eine Annäherung in Zitaten und Bildern.

11 Bilder

Deutsche Soldaten vor Verdun, 1916

Quelle: SZ Photo

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Am 21. Februar 1916 begann die Schlacht um Verdun. Bis heute Inbegriff des sinnlosen, menschenverachtenden Ersten Weltkrieges. Eine Annäherung in Zitaten und Bildern.

"Seien wir von dem Bewußtsein durchdrungen, dass das Vaterland Großes von uns erwartet! Es gilt unseren Feinden zu zeigen, dass der eiserne Wille zum Siege in Deutschlands Söhnen lebendig geblieben ist und dass das deutsche Heer, wo es zum Angriff schreitet, jeden Widerstand überwindet!"

(Aus dem Armeebefehl des Oberbefehlshabers der Heeresgruppe Deutscher Kronprinz zum Angriff auf Verdun, 12. Februar 1916. Das Zitat ist, wie die meisten nachfolgenden, dem Buch "Verdun 1916. Urschlacht des Jahrhunderts" von Olaf Jessen (C.H. Beck 2014) entnommen.)

Das Bild zeigt deutsche Soldaten des Infanterieregiments 102 auf dem Marsch an die Front bei Verdun.

Französische Soldaten bei Verdun, 1916

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"Wir sind immer noch hinter der Linie im Lager von Châlons, wo das Bataillon neu aufgestellt wird. Wir haben diese Ruhe nötig, denn die 15 Tage, die wir in Verdun verbracht haben, die haben uns mehr ermüdet und demoralisiert als sechs Monate Krieg im Schützengraben. Aber, liebe Mutter, Du wirst verstehen, dass es beinahe unmöglich ist in diesem endlosen Krieg unbeschadet davonzukommen, wenn man ständig der Gefahr ausgesetzt ist. Du weißt es besser als ich, es gibt wenige Familien, die nicht mit einem oder mehreren Trauerfällen ihren Blutzoll diesem schrecklichen Krieg gegenüber entrichtet haben. Unsere Familie kann dieser Regel ohne Ausnahme nicht entgehen! Ohne Angst warte ich einfach nur, dass ich an die Reihe komme."

(Feldpostbrief eines französischen Soldaten)

Auf dem Foto aus dem Jahr 1916 sind französische Infanteristen zu sehen, die in Lastwägen an die Front bei Verdun gebracht werden.

Trichterfeld bei Verdun, 1916

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"Das Schauspiel, das sich uns bot, war überwältigend. Man hörte die riesigen Geschosse aufheulend heranorgeln und fauchend und knatternd über uns hinwegrauschen. Die ganz schweren Geschosse, die "Langen Maxe", (...) rauschten mit tiefem Brummbass vorüber. Mit ganz kurzem Knall beim Abschuss und hellem Zischen sausten die leichten Geschosse (...) vorüber. Es war ein Höllenkonzert von gewaltiger Schönheit, eine Sinfonie des Teufels."

(Aus den Erinnerungen des Leutnants Eugen Radtke)

Zu sehen ist die von Trichtern durchlöcherte Kasemattenschlucht bei Verdun, im Vordergrund ein deutscher Schützengraben.

Schlacht um Verdun, 1916

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"Schon nach kurzer Zeit kamen die Franzmänner ins Rennen, und es machte uns riesig Spaß, die Biester stehend freihändig abzuknallen."

(Aus dem Bericht des Musketiers Otto Paulitz, 1916)

Im Bild sind Soldaten des 1. bayerischen Infanterieregiments im Trichtergelände bei Fort Douaumont zu sehen.

Deutsche Artillerie bei der Schlacht von Verdun, 1916

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"Wenn man von Ferne das Pfeifen hörte, so zog sich der ganze Körper zusammen, um der maßlosen Gewalt der Explosionswellen standzuhalten, und jede Wiederholung war ein neuer Angriff, eine neue Erschöpfung, ein neues Leiden. (...) Durch die Kugel zu sterben, scheint nicht schwer; dabei bleiben Teile unseres Wesens unversehrt; aber zerrissen, in Stücke gehackt, zu Brei zerstampft zu werden, ist eine Angst, die das Fleisch nicht ertragen kann."

(Aus den Erinnerungen eines französischen Feldwebels)

Das Bild zeigt deutsche Artilleriesoldaten, die mit einem schweren 21-Zentimeter-Geschütz das französische Fort Vaux beschießen.

Bombeneinschlag bei Verdun, 1916

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"Es gibt keine Hoffnung auf ein paar Stunden Ruhe, in Verdun gibt es das nicht. Wir sind in die Erde eingetreten, sie hat uns absorbiert, wir kleben auf ihr, um den Tod zu vermeiden, der überall lauert. Die einzige Hoffnung sind die Löcher, die ein wenig Illusion zulassen. Man zwängt sich dort hinein, indem man sich ganz klein macht. Man versteckt sich hinter einem Toten. Man lebt mit den Toten in guter Kameradschaft. Man beerdigt sie längst nicht mehr. Wozu auch? Die nächste Granate gräbt sie wieder aus."

(Aus dem Bericht des französischen Soldaten Fernand Léger)

Im Bild: Eine schwere Granate schlägt am Straßenrand im Bois des Caures ein.

Deutsche Soldaten in einer eroberten französischen Stellung, 1916

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"Ich bin zum Wild geworden, das der Jäger beobachtet. (...) Ich bin außer Atem und drücke mich dicht auf den Boden. Ein schrecklicher Geruch dringt alsbald zu mir. Ich kauere auf einem Stück Mensch, der halb im Schlamm steckt. Der Stoff der Feldbluse hat die Farbe der Erde und nur ein paar Einzelheiten der Ausrüstung weisen darauf hin, dass es ein toter deutscher Soidat ist. Ich krieche weiter, um die ekelhafte Berührung zu vermeiden, aber der Boden ist überall mit schrecklichen Resten übersät. Ich komme an einem toten Franzosen vorbei, dessen verkrampfte, schwarze, abgezehrte Hände zum Himmel ragen, als ob der Tote noch um Gottes Erbarmen flehte. (...) Durch Regen und Schlamm gehen die Leichen in Verwesung über, so dass ihnen ein übler Geruch entströmt. Wir essen nicht mehr. Ich sehe, wie vierzigjährige Männer wie Kinder weinen. Manche möchten lieber sterben."

(Aus dem Bericht des französischen Unteroffizieres Robert Perreau)

Deutsche Soldaten posieren hier in einer zerstörten und eingenommenen französischen Stellung.

Deutsche Soldaten auf dem Schlachtfeld vor Fort Douaumont, 1916

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"So furchtbar kann nicht einmal die Hölle sein."

(Tagebucheintrag des französischen Leutnants Alfred Joubaire, 23. Mai 1916)

Das Bild zeigt deutsche Soldaten, auf dem Hügel im Hintergrund befindet sich das schwer umkämpfte Fort Douaumont, das zu Beginn der Schlacht um Verdun von deutschen Truppen eingenommen und gegen Ende der Kämpfe von den Franzosen zurückerobert wurde.

Brennendes Verdun, 1916

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"Seit Tagen sehe ich nichts als das Entsetzlichste, was sich Menschengehirne ausmalen können."

(Der Maler Franz Marc am 2. März 1916 an seine Frau. Zwei Tage später wurde er in der Nähe von Verdun von einer französischen Granate getötet.)

Diese Luftaufnahme zeigt das von deutschen Truppen in Brand geschossene Verdun.

Deutsches unterirdisches Feldlazarett bei Fort Douaumont, 1916

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"Dann wurde es heiß, und Durst und Hunger fingen an, uns furchtbar zu plagen; Gott, was hätte ich für eine Halbe Bier, für ein Tröpflein Wasser, für das gräulichste Schmutzwasser gegeben. (...) Wir krochen heraus, sobald es dunkel war, suchten die Feldflaschen der Toten zu bekommen. Wir gruben in die Granatlöcher, ob nicht ein wenig Schlammwasser darinnen wäre. Mit welcher Begier tranken wir den Schlamm, der von Leichen nur so roch."

(Feldpostbrief des Rekruten Franz Winhard, 8. Kompanie, Königlich Bayerisches 15. Infanterie-Regiment)

Im Bild: Ein unterirdisches Feldlazarett, das die Deutschen in einen Kalkfelsen bei Fort Douaumont geschlagen hatten.

Zerstörte Festung von Verdun, 1919

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"Ich habe doch das Gefühl (...), dass spätere Generationen, die die Geschichte dieses Krieges lesen und daraus lernen sollen, doch zu der Überzeugung kommen müssen, dass wir alle zusammen Trottels gewesen sind..."

(Erich Kewisch, in Verdun Stabschef der sogenannten Angriffsgruppe Mudra, in einem Brief, 1935)

Das Bild zeigt die Festung Verdun, ein Jahr nach Ende des Ersten Weltkriegs.

© SZ.de/pamu

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