100  Jahre Schwarz-Rot-Gold Wider die Fahnenflucht

Schwarz-Rot-Gold sind die Farben der Heimat - der Heimat Demokratie nämlich. Man darf diese Farben so wenig wie das Wort Heimat denen überlassen, die mit ihnen Schindluder treiben und den Nationalismus sowie den Rassismus propagieren.

Von Heribert Prantl

Wenn man die deutsche Geschichte in Farben beschreibt, dann steht die Farbe Braun für das schandvollste Kapitel. Das Braun der SA-Uniformen war von 1925 an Kennfarbe der Nationalsozialisten. Die Gegenfarben waren und sind Schwarz-Rot-Gold: Sie stehen für das Wertvollste, was die deutsche Geschichte zu bieten hat: Sie stehen für den Widerstand gegen Monarchie und Diktatur, für Einheit und Freiheit, für Demokratie und Rechtsstaat. Die deutsche Trikolore hat jetzt Jubiläum, offiziell ist sie hundert Jahre alt: Am 18. Februar 1919 beschloss der Ausschuss der Länder in der Weimarer Nationalversammlung, die Traditionsfarben Schwarz-Rot-Gold als deutsche Nationalfarben einzuführen.

Ausgerechnet zum Jubiläum passiert diesen Farben das Schlimmste, was ihnen bisher widerfahren ist: Auf Demonstrationen der Pegidisten, Nationalisten und Rassisten wurden und werden sie mitgeführt, als handele es sich um die Farben des populistischen Extremismus. Es ist dies ein Missbrauch sondersgleichen, eine Unverschämtheit. Auch die AfD wickelt sich in Schwarz-Rot-Gold, um sich auf diese Weise zu nobilitieren. Rechtsaußen versucht, vom Zauber schöner Fußballfeste zu profitieren. Dies ist der Versuch einer feindlichen Übernahme. Man tarnt sich mit den Farben, die für das Gegenteil dessen stehen, was Rechtsaußen will. Dieser Versuch gehört zu den Perversitäten des neuen Rechtsextremismus; der versucht ja auch, sich auf den Widerstandsartikel des Grundgesetzes zu berufen, um gegen Flüchtlinge zu hetzen und um zum Bruch mit dem "System", also der rechtsstaatlichen Demokratie, aufzufordern.

Der nationalistische Missbrauch ist nicht ohne Wirkung. Auf Demonstrationen, die gegen Rechtsaußen protestieren, wurde im vergangenen Jahr scheel angeschaut, wer die Deutschlandfahne mit sich führte. Diesen Erfolg der Umwertung der Farben darf man den Nationalisten nicht gönnen. Man muss Hetzern und Hassern das Schwarz-Rot-Gold wegnehmen und es wieder als das Symbol hochhalten, das es ist: Symbol von Freiheit und Verfassungspatriotismus. Schwarz-Rot-Gold ist die Farbe der Heimat, der Heimat Demokratie nämlich. Man darf diese Farben so wenig wie das Wort Heimat denen überlassen, die damit Schindluder treiben. Es wäre dies eine seltsame Fahnenflucht.

Schwarz-Rot-Gold: Es waren die Sehnsuchtsfarben der ersten deutschen Demokraten. Johann Georg Abresch aus Neustadt/Weinstraße trug diese Fahne 1832 aufs Hambacher Schloss, an der Spitze der ersten deutschen Großdemonstration; er pflanzte sie dort auf den Turm. Für diese Farben haben dann die deutschen Demokraten immer wieder gekämpft - 1848, 1918, 1989. Die Nazis haben diese Farben verhöhnt als Schwarz-Rot-Senf. Die Beschimpfung der "Mostrich-Fahne" war Kennzeichen der Rechtsextremisten der Weimarer Republik. Gegner der Weimarer Republik führten ihren Kampf vordergründig als Kampf gegen die Farben und ließen nur das Schwarz-Weiß-Rot des Kaiserreichs gelten. Die Verteidiger von Republik und Demokratie, Gewerkschaften, SPD und Zentrumspartei, sammelten sich unter dem "Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold". Es war damals vergeblich. Das ist Mahnung für heute.

Bei einem neuen Hambacher Fest würden die Demokraten nicht nur die deutsche, sondern auch die europäische Fahne vom Turm wehen lassen.