Zyklon "Idai" "Wir sind weit vom Ende der Krise entfernt"

"90 Prozent der Stadt sind zerstört", sagt Jennifer Bose über die Stadt Beira in Mosambik.

(Foto: AP)

Tausende Menschen warten in den überschwemmten Regionen Südostafrikas auf Hilfe. Wegen anhaltendem Regen könnte sich die Lage noch verschlimmern. Ein Gespräch mit Nothelferin Jennifer Bose.

Interview von Regina Steffens

Die Folgen des tropischen Wirbelsturms "Idai" sind verheerend: 1,5 Millionen Menschen sind laut der internationalen Hilfsorganisation CARE in den Ländern Malawi, Simbabwe und Mosambik von der Zertörungen des Zyklons und den enormen Überschwemmungen betroffen. Die Vereinten Nationen berichten, dass bisher 550 Menschen gestorben sind.

Besonders schlimm ist die Lage in Beira, eine Küstenstadt in Mosambik, in der eine halbe Millionen Menschen leben. "90 Prozent der Stadt sind zerstört", sagt Jennifer Bose. Die 31-Jährige gehört zu den 70 Nothelfern von CARE in Mosambik. Am Freitagmorgen ist sie in der Hauptstadt Maputo gelandet und auf dem Weg nach Beira.

SZ: Frau Bose, haben Sie schon einen Eindruck von der Lage vor Ort gewinnen können?

Jennifer Bose: Die Menschen hier haben so ziemlich alles verloren, was man sich vorstellen kann. Also ihr komplettes Hab und Gut, und das innerhalb von Minuten und Stunden. Seit dem Beginn der Hilfsarbeiten war ich mit unserem Hilfsteam in Kontakt. Ein Kollege, der vor mir ankam, berichtete von etwa 5000 Menschen, die er aus dem Flugzeug gesehen hat, und die auf einem Dach in den Wasserfluten auf Rettung warten.

Welche Aufgaben kommen jetzt auf Sie zu?

Wir koordinieren uns mit anderen Hilfsorganisationen und versuchen die, die noch nicht aus den überschwemmten Gebieten gerettet werden konnten, von dort herauszuholen. Wir von CARE haben 13 Lastwagen, mit denen wir Zelte und Baumaterialien für die Notunterkünfte verteilen. Außerdem versorgen wir die Menschen mit Hygienemitteln, Moskitonetzen und, was gerade am aller wichtigsten ist, mit Trinkwasserkanistern.

Jennifer Bose, 31, arbeitet als Nothelferin bei der internationalen Hilfsorganisation CARE.

(Foto: Josh Estey/Care)

Wie schwierig ist Ihr Einsatz?

Wir kämpfen mit einer großen logistischen Herausforderung. Es sind hier Boote, Hubschrauber und Geländewagen im Einsatz. Nur leider sind die überschwemmten Gebiete sehr schwer zugänglich, fast alle Straßen gesperrt. Es gibt in Beira nur am Flughafen Strom und Internet.

Gehen die Wassermassen denn zurück?

Gerade sieht es nicht so aus. In Beira regnet es und die nächsten Tage soll es nicht aufhören. Es gibt immer noch Sturzfluten, das macht es nicht leichter, die Menschen überhaupt zu erreichen. Die Wassermassen sind enorm. Man muss es sich wie ein Binnenmeer vorstellen, das plötzlich da ist, wo vorher Häuser standen und das 125 Kilometer breit ist. Das Wasser ist tödlich, denn es fördert die Seuchengefahr. Cholera oder Durchfallerkrankungen können sich schnell verbreiten. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit.

Wie schätzen Sie das langfristige Ausmaß der Katastrophe ein?

Ich war schon bei anderern Naturkatastrophen im Hilfseinsatz, zum Beispiel dem Taifun "Haiyan" auf den Philippinen 2013. Das Ausmaß solcher Katastrophen wird erst nach und nach sichtbar. Wir wissen jetzt noch nicht, wie viele Meschen ihre Familien verloren haben. Die Zahl der Toten oder Vermissten ändert sich von Stunde zu Stunde. Wir sind weit vom Ende der Krise entfernt.

Können Sie absehen, wie viel Hilfsgeld benötigt wird?

In den nächsten Monaten rechnen wir mit 32 Millionen Euro, die in Mosambik, Simbabwe und Malawi gebraucht werden.

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