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Zuwanderer und Kriminalität:Armutskriminalität - "Die hat tatsächlich zugenommen"

Anders als 1990, wo zum Beispiel viele Balkanflüchtlinge wieder in ihre Heimat zurückgingen, andere sich gut integrierten, werden nun Flüchtlinge mit schlechten Aussichten auf Arbeit und Beruf bleiben.

Sozialpolitik ist und bleibt die beste Kriminalpolitik. Heute kommt die internationale Politik hinzu: Solange der Balkan, Osteuropa oder Afrika politisch und sozial instabil sind, werden von dort weiter Menschen nach Westeuropa gehen. Die Kriminalität, die dabei entsteht, ist Armutskriminalität. Die hat tatsächlich zugenommen.

Und wenn in einigen Jahren viele junge Männer aus Syrien, Irak, Afghanistan vergleichbar perspektivlos sind?

Das Risiko besteht, doch die Chancen stehen vielleicht besser als vor 25 Jahren. Es gibt Integrationskurse, man kann sich nach drei Monaten eine Arbeit suchen. Wie wichtig Arbeit ist, zeigt eine niederländische Studie. Insgesamt war dort die Kriminalitätsbelastung von Geflüchteten nach zehn Jahren höher als im Durchschnitt. Hatten die Flüchtlinge aber eine Arbeit, gab es keinen Unterschied.

Inzwischen begrenzt man die Hilfe, um keine Anreize zu schaffen, nach Deutschland zu kommen.

Das ist aus kriminologischer Sicht eine sehr riskante Strategie. Je schneller Flüchtlinge Zugang zur Gesellschaft, zum Arbeitsmarkt, zu Sprache bekommen, desto eher haben sie eine Bindung an die Gesellschaft und ihre Normen.

Umso unheimlicher ist es, dass der Axt-Attentäter von Würzburg und auch der mutmaßliche Mörder von Freiburg beste Unterstützung erhielten.

Ja, das ist furchtbar, und man muss schauen, wo Gastfamilien besser unterstützt werden könnten. Aber auch die beste Hilfe und Förderung kann nicht verhindern, dass solche Verbrechen geschehen. Der Freiburger Fall ist ein absoluter Ausnahmefall, an dem sich keine Muster erkennen lassen. Außer dem banalen Satz, dass mancher Flüchtling seine Traumatisierung und Gewalterfahrung mit sich bringt.

Wie viel Angst muss man auf Deutschlands Straßen nun haben?

Angst ist immer subjektiv, das macht die Antwort schwierig. Insgesamt sind Menschen heute sicherer vor Kriminalität als vor 20 Jahren; viele Sorgen sind unbegründet. Ich möchte aber niemandem absprechen, dass er Angst hat, durch einen Park zu gehen, der als Drogenumschlagsplatz gilt, dass er sich vor Wohnungseinbrüchen fürchtet oder davor, nachts einer Gruppe aggressiver Jugendlicher am Hauptbahnhof zu begegnen.

Was könnte gegen diese Angst helfen?

Man muss sich um solche Problemgruppen kümmern, mit Repression und Angeboten. Das ist nicht einfach, aber auch junge Männer, die stark in der Kriminalität verhaftet sind, wünschen sich ja oft ein anderes Leben. Wobei die beste Arbeit von Sozialarbeitern, Polizei und Justiz nichts daran ändert, dass manche keine Aufenthaltsperspektiven haben.

Welche Rolle spielt die Religion der Geflüchteten bei der Akzeptanz von Gewalt?

Man hat bei muslimischen Jugendlichen eine höhere Verbreitung von gewaltlegitimierenden Männlichkeitsnormen festgestellt - allerdings auch bei Spätaussiedlern und bei Jugendlichen vom Balkan. Solche Männlichkeitsbilder entstehen aber auch durch Entwertungserfahrungen. In unserer eigenen Studien hat sich gezeigt: Je besser die jungen Männer integriert und ausgebildet sind, umso weniger akzeptieren sie Gewalt.

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