Zugunglück in Tschechien:Frontaler Zusammenstoß

Ein Zug von München nach Prag kollidiert nahe der deutsch-tschechischen Grenze mit einer anderen Bahn - die Lokführer und eine Passagierin überleben den Crash nicht.

Von Oliver Das Gupta

Grenzort Furth im Wald am Mittwochmorgen. Gegen 7.40 Uhr kommt der Frühzug aus München an. Das Personal der tschechischen Bahn České Drahy (CD) löst die deutschen Kollegen für die Weiterfahrt nach Prag ab, alles wie gewohnt. Einige Minuten nachdem der Alex-Express des privaten Anbieters "Länderbahn" die bayerisch-böhmische Grenze überquert hat, passiert das Unglück. Der Zug aus Bayern kollidiert auf dem eingleisigen Streckenabschnitt frontal mit einer tschechischen Regionalbahn.

Die ersten Helfer treffen wenige Minuten nach der Kollision am Unfallort beim Dorf Milavče nahe Domažlice ein. Neben tschechischen Feuerwehrleuten, Sanitätern und Polizisten kommen auch Einsatzkräfte aus der benachbarten Oberpfalz, um Verletzte zu versorgen, auch vier Hubschrauber werden eingesetzt. Keiner der Züge kippt durch die Kollision aus dem Gleis, die Wucht des Aufpralls jedoch ist immens. Die Führerstände der Lokomotive des deutschen Zuges und des Triebwagens der Regionalbahn werden fast vollständig eingedrückt.

Drei Tote, mehrere Schwerverletzte

Die beiden aus Tschechien stammenden Lokführer überleben den Zusammenprall nicht, auch eine Frau aus der Regionalbahn stirbt an ihren Verletzungen. Die Eisenbahner dürften sich in den Momenten vor dem Zusammenstoß der Situation bewusst gewesen sein, die Streckenführung am Unfallort ist relativ gerade.

Zehn Menschen seien mit schweren bis lebensgefährlichen Verletzungen in tschechische Krankenhäuser gebracht worden, sagte eine Sprecherin des tschechischen Rettungsdienstes. Mehr als 30 Personen erlitten demnach leichtere Verletzungen wie Schürfwunden und Prellungen.

Viele Fahrgäste standen unter Schock und mussten psychologisch betreut werden. Sie kamen vorübergehend in einem Gemeindehaus unter, bevor ihre Weiterreise organisiert werden konnte. Obwohl die Strecke zwischen München und Prag gerade in der Urlaubszeit beliebt ist, befanden sich im Alex-Zug nur etwa 20 Fahrgäste. Der Grund für die relativ geringe Anzahl ist wohl die Abfahrtszeit in München: Die Bahnfahrt hatte um 4.44 Uhr am Hauptbahnhof begonnen.

Der tschechische Verkehrsminister Karel Havliček fuhr zur Unglücksstelle. "Die Situation ist ernst", sagte er im Fernsehen. Er lobte die Reaktion der Rettungskräfte. Nach ersten Erkenntnissen habe der Expresszug München - Prag zunächst ein Langsamfahrt- und dann ein Haltesignal missachtet, sagte der Minister. Er sei dann auf der eingleisigen Strecke mit dem entgegenkommenden Triebwagenzug kollidiert.

Die tschechische Eisenbahninspektion hat Ermittlungen aufgenommen, die Monate in Anspruch nehmen dürften. Der Sachschaden geht nach ersten Schätzungen in die Millionen. Die Strecke bleibt voraussichtlich längere Zeit gesperrt.

Sechs Stunden Fahrzeit für nur 300 Kilometer

Auf tschechischen Eisenbahnstrecken kommt es immer wieder zu Unfällen. Die Sicherungstechnik gilt vielerorts als veraltet. Erst vor einem Jahr waren im Erzgebirge nahe der deutschen Grenze zwei Züge frontal zusammengestoßen. Dabei waren zwei Menschen ums Leben gekommen.

Die Regierung in Prag hatte daraufhin ein Modernisierungsprogramm für die Signaltechnik angekündigt. Das moderne europäische Zugsicherungssystem ETCS ist bisher erst auf rund 200 Kilometern des Streckennetzes installiert. Bis 2025 soll es zumindest auf allen Hauptkorridorstrecken vorhanden sein.

Seit Jahren wird über einen Ausbau der Bahnverbindung zwischen München und Prag gesprochen. Derzeit beträgt die Fahrzeit zwischen den beiden Großstädten, die nur knapp 300 Kilometer Luftlinie voneinander entfernt sind, noch fast sechs Stunden.

Mit Material der dpa.

Die Länderbahn hat eine Hotline für Angehörige eingerichtet. Sie ist unter der Nummer 0341 9135 4040 zu erreichen, teilte das Unternehmen mit.

© SZ/dpa/feko
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