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Zoo in Hannover:"Die Brutalität hat selbst uns überrascht"

  • Nach den Filmaufnahmen, die zeigen, wie im Zoo in Hannover Elefanten mit Haken und Peitschen dressiert werden, hat die Tierrechtsorganisation Peta eine Mahnwache am Samstag angekündigt.
  • Der Zoo-Direktor hat Morddrohungen erhalten. Damit die Lage nicht eskaliert, fährt die Polizei seitdem verstärkt Streife vor dem Zoo.
  • Peta hat Bedenken, dass der Zoo damit nur vom Thema ablenken will.

Für den Samstagabend ist eine Mahnwache angekündigt, dann werden sich einige hundert Tierschützer und Schaulustige vor dem Zoo im schicken Hannoveraner Zooviertel versammeln. Aktivisten der Tierrechtsorganisation Peta haben die Veranstaltung angemeldet, ihr Aufruf: "Elefantenfolter stoppen!" Es könnte hitzig werden.

Die Mahnwache ist nicht der einzige Grund, weshalb das Gelände rund um den Zoo unter verschärfter Beobachtung steht. Nach den belastenden Filmaufnahmen von Peta im ARD-Magazin "Report Mainz", die zeigen sollen, wie in Hannover junge Elefanten unter Schlägen mit dem Elefantenhaken und Peitschenhieben dressiert werden, sind zahlreiche Drohanrufe und Beschwerden eingegangen. Allein auf der Facebook-Seite des Zoos gibt es minütlich neue Beiträge, mehr als 10 000 sind es mittlerweile.

"Schlechtester Zoo Deutschlands", schreibt jemand, es ist noch einer der sachlicheren Kommentare. Ein anderer fordert: "Euch sollte man die Elefanten-Haken in den Körper rammen!" Es hat auch Morddrohungen gegen den Direktor Andreas Casdorff gegeben.

"Die Anschuldigungen erschüttern einen in den Grundfesten", sagt der Zoo-Chef. Da niemand ausschließen kann, dass die Lage noch weiter eskaliert, fährt die Polizei seit Donnerstag verstärkt Streife. Der Zoo sammelt alle Drohungen und Beleidigungen, will sie an die Polizei weiterleiten, in einigen Fällen sogar Strafanzeige stellen. Castorff sagt, er habe "eine hohe Verpflichtung meinen Mitarbeitern gegenüber". Der Zoo-Chef schützt die eigenen Tierpfleger gegen den Shitstorm - das ist die eine Seite der Geschichte.

Andererseits sorgt sich Peta, dass der Zoo gerade vom Thema ablenken will. Zwar betont der Zoo, dass alle erdenklichen Maßnahmen zur Aufklärung des Falles ergriffen würden. "Wir haben aber erheblichen Zweifel am Aufklärungswillen der Verantwortlichen", sagt Peter Höffken, Fachreferent bei Peta. Anstatt aufzuklären, werde nur "abgestritten und heruntergespielt". Sollte es tatsächlich Morddrohungen gegeben haben, sei das "schlimm" und werde von Peta nicht unterstützt, so Höffken. Ansonsten betreibe der Zoo bloß "PR-Schadensbegrenzung".

Zentraler Punkt der Debatte ist, aus welchem Zeitraum die Aufnahmen stammen. Der Zoo erklärte, man nehme die Vorwürfe "sehr ernst", wolle das Filmmaterial mit einem externen Sachverständigen analysieren. Allerdings sei es falsch, zu behaupten, der Zoo dressiere die Elefanten für Kunststücke - weil Elefantenshows bereits vor drei Jahren aus dem Programm genommen worden seien. Es müsse sich also um ältere Aufnahmen handeln.

Zoo will ab 2018 auf ein tierfreundlicheres Haltungsverfahren umstellen

Stimmt so nicht, sagt Höffken von Peta. Die Aufnahmen aus den aktuellen Videos seien aus dem Herbst 2016, und da sei sehr wohl zu beobachten, wie Tierpfleger mit Elefanten "klassische Zirkusnummern" einübten, unter hartem Einsatz des Elefantenhakens. "Die Brutalität hat selbst uns überrascht", sagt Höffken. Auch deshalb habe Peta Strafanzeige erstattet. Zoo-Chef Casdorff erklärt wiederum, dass die Zusammenarbeit mit Peta zu wünschen übrig lasse. Er habe die Tierrechtsorganisation gebeten, das ungeschnittene Filmaterial ausgehändigt zu bekommen - bislang ohne Reaktion. Er sehe "keine Bereitschaft zur Unterstützung", so Casdorff.

Trotzdem soll vieles besser werden in Hannover. Angekündigt wurde, dass die Elefantenhaltung vom direkten auf den geschützten Kontakt - mit einem Gitter zwischen Tieren und Pflegern - umgestellt wird. Die Mehrheit der deutschen Zoos arbeitet bereits nach dem modernen, tierfreundlicheren Verfahren. Ab 2018 wird das Elefantengehege im Zoo Hannover deshalb umgebaut.

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