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Kokain am Hamburger Hafen:Jagd nach dem weißen Pulver

LKW Weißraum

In der Containerprüfanlage in Waltershof können ganze LKW durch eine riesige Röntgen-Anlage geschickt und durchleuchtet werden. So entdecken die Zollfahnder auch Schmuggelgut hinter Stahlplatten.

(Foto: Zoll)
  • Als einer der größten Häfen Europas ist der Hamburger Hafen auch Umschlagplatz für illegale Waren.
  • Immer wieder gelingen dem Zoll dort spektakuläre Funde, etwa von großen Mengen Kokain.
  • Trotzdem können die Beamten nur einen Bruchteil der angelieferten Container durchsuchen.

Das Zeug kann überall stecken, das wissen die Jäger. Draußen an Deck, in Türmen von Containern. Drinnen in Schränken oder Hohlräumen, hinter Stahlverstrebungen, unter doppelten Böden, im Ankerkettenkasten. Oder vielleicht unter dieser Eisenplatte, die da gerade abgeschraubt wird?

Bei der Jagd auf Schmuggelware wurden schon allerlei bizarre Verstecke entdeckt, auch hier, im Hamburger Welthafen. "Hundertprozentig ist das nicht zu kontrollieren", sagt der Zollhauptsekretär Marco H. und klettert hinab in den Ballasttank der Vera Rambow.

Die Razzien sind Routine

Der Einsatztrupp KE26 vom Hauptzollamt Hamburg-Hafen startet früh zu dieser Mission. Es ist kalt und klar, die tiefe Sonne funkelt auf der Elbe, die Riesenschiffe, die Kräne und die massenhaft hochgeschichteten Container am Eurogate bilden das Panorama eines der größten Terminals dieser Art in Europa. Ein Hotspot der Globalisierung und der deutschen Exportwirtschaft, gleich neben dem Elbtunnel und der A 7. Für die Profis vom Hauptzollamt ist dies eine ganz normale Inspektion auf der Suche nach allem, was verzollt werden muss oder was gar nicht rein darf nach Deutschland und in die EU. Zum Beispiel Kokain.

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Die Vera Rambow ist häufig in Hamburg, solche Razzien sind auch ohne konkreten Verdacht Routine. Das Containerschiff ist ein Zulieferer, ein sogenannter Feeder, und kam durch den Nordostseekanal, später geht's zurück Richtung Skandinavien und Baltikum. Mit seinen 168 Metern Länge, 27 Metern Breite und 1420 Standardcontainern ist es eine kleine Nummer, wenn man andere Pötte am Eurogate oder Burchardkai sieht. Nebenan liegt die MSC Beatrice, Flagge Panama, 366 mal 51 Meter, 14 000 Container. Oder die MSC Erica, Flagge Liberia, 399 mal 59 Meter, 20 000 Stahlboxen.

Geschossen und verfolgt wird eher in Filmen

Wie checkt man all diese Kolosse auf verbotene Ladung wie diesen unfassbar wertvollen,weißen Stoff? Die Kontrolleure der KE26 kommen in Mannschaftsstärke über die Gangway an Bord, die Besatzung besteht aus 15 Seeleuten aus den Philippinen, der Ukraine oder Deutschland.

Die meisten der Fahnder tragen Pistolen im Halfter und eine kugelsichere Weste, Zoll steht darauf. Am Gurt klemmen außerdem Funkgerät, Pfefferspray, Handschellen. Geschossen und verfolgt wird eher in Filmen, aber man weiß ja nie, es könnte im Ernstfall um sehr viel Geld gehen. Um illegal eingeführte Waffen, Zigaretten oder Alkohol, um gefälschte Turnschuhe oder gepanschtes Parfüm - oder eben um Kokain.

Hamburgs Hafen ist die Nummer 18 der Welt und in Europa die Nummer drei nach Rotterdam und Antwerpen. Ein paar Zahlen: 9 000 Schiffe im Jahr, 2300 Güterzüge (und noch mehr Lastwagen) pro Woche, 136,5 Millionen Tonnen Güter und 8,8 Millionen Container alleine 2017. Auf der anderen Seite wird nach Schätzungen der UN weltweit Kokain für mindestens 88 Milliarden Euro gehandelt.

Der Stoff kommt bevorzugt auf dem Seeweg in die EU

Kokain ist längst mehr als eine Luxusdroge, es ist Teil des Welthandels. Sehr klar beschrieben beispielsweise im Buch "Zero Zero Zero" von Roberto Saviano. Untertitel: "Wie Kokain die Welt beherrscht." Ein Buch der in Mexiko bedrohten Journalistin Ana Lília Pérez trägt den Titel "Kokainmeere", auch Hamburg kommt darin vor.

Die Routen in diesem Wettkampf zwischen Staat und Mafia führen aus Kolumbien, Peru oder Bolivien über Brasilien und andere Ausfalltore Lateinamerikas bevorzugt auf dem Seeweg auch in die EU - nach den USA der zweitgrößte Markt für Koks. Die Europäische Beobachtungsstelle für Drogen vermutet, dass in der EU 2017 Kokain für 5,7 Milliarden Euro unter die Kunden gebracht wurde, trotz 87 000 gemeldeter Sicherstellungen.