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Zölibat:Katholische Priester beklagen Einsamkeit

Priesteranwärter des Erzbistums Freiburg 2010

Die elf Priester fordern auch ein gemeinsames Abendmahl von Protestanten und Katholiken.

(Foto: picture alliance / dpa)

Hochrangige Geistliche aus dem Rheinland wenden sich in einem offenen Brief gegen das Zölibat. Das erzwungene Leben als Alleinstehende mache sie zu "alternden Ehelosen".

Elf Priester aus dem Rheinland sorgen mit einem offenen Brief für Aufsehen, in dem sie von Amts wegen auferlegte Einsamkeit beklagen. Sie bekämen diese "als alternde Ehelose jetzt manchmal deutlich zu spüren", schreiben die Geistlichen. Das Zölibat führe gerade im Alter oft zur Vereinsamung, kritisieren sie in ihrem Schreiben und fordern eine Novellierung. Die elf katholischen Priester wurden alle vor 50 Jahren geweiht, sind dementsprechend Mitte 70. Den offenen Brief im Wortlaut hat der Kölner Stadt-Anzeiger veröffentlicht.

In der Liste der Unterzeichner stehen bekannte Namen: Franz Decker, viele Jahre Chef der Kölner Caritas, Günter Fessler, Willi Hoffsümmer oder auch Monsignore Prof. Wolfgang Bretschneider.

"Bunkermentalität sollte den Glauben sichern"

Die Unterzeichner regen auch an, das Priesteramt für Frauen zu öffnen. "Es hat für uns keinen Sinn, den Heiligen Geist ständig um Berufungen (von Männern) zu bitten und gleichzeitig alle Frauen von diesen Ämtern auszuschließen." Sie selbst hätten sich Anfang der 60er Jahre unter dem Eindruck des Zweiten Vatikanischen Konzils und seiner weit reichenden Reformen zum Theologiestudium entschlossen. "Leider nahmen später bei Kirchenmännern in Rom und auch im Kölner Bistum die Ängste zu. Eine Art von Bunkermentalität sollte den Glauben sichern."

Die elf Priester fordern ein gemeinsames Abendmahl von Protestanten und Katholiken. Besonders schmerzhaft sei für sie, dass heute kaum noch Kinder und junge Familien die Gottesdienste besuchten.

Bretschneider sagte in einem Interview mit dem Kölner Domradio, sie hätten damals gedacht, die Reformen des Konzils würden wieder zu vollen Kirchen führen. Im Nachhinein sei das "ein bisschen naiv und blauäugig" gewesen.

© SZ.de/dpa/lalse/fued

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