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Vor Gericht:Youtuber Yo Oli wegen Missbrauchs Jugendlicher verurteilt

  • Der 25-jährige Junus W. wurde unter dem Namen "Yo Oli" mit Videos wie "Wenn sie ihre Tage hat" oder "Wie Yo Oli zum Fuckboy wurde" zum Star.
  • Nun stand er in Berlin vor Gericht, weil er drei minderjährige Fans sexuell missbraucht haben soll.
  • Das Gericht begründete sein Urteil, acht Monate auf Bewährung, ausführlich - auch, weil es in wesentlichen Teilen von der Anklage abwich.

Von Hannah Beitzer, Berlin

Wenn Eltern, Tanten, Onkel, Lehrer sich mit Youtube, Snapchat, Instagram beschäftigen, eröffnet sich ihnen nicht selten eine fremde Welt. Eine Welt, die den meisten Kindern und Jugendlichen wohlvertraut ist. In dieser Welt wurde der 25-jährige Junus W. unter dem Namen "Yo Oli" zum Star. Mit Videos wie "Sex ohne mich ist möglich, aber sinnlos", "Wenn sie ihre Tage hat" oder "Wie Yo Oli zum Fuckboy wurde". Nun stand er in Berlin vor Gericht, weil er drei minderjährige Fans sexuell missbraucht haben soll. Der Prozess fand wegen des jugendlichen Alters der Mädchen unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Das Gericht begründete sein Urteil, acht Monate auf Bewährung, jedoch ausführlich - auch, weil es in wesentlichen Teilen von der Anklage abwich. Zwei Mädchen, die zum Zeitpunkt der Treffen mit Yo Oli 14 und 16 Jahre alt waren, hatten ihm sexuellen Missbrauch, Vergewaltigung, Körperverletzung und Freiheitsberaubung vorgeworfen. Im dritten Fall fand der Geschlechtsverkehr zwar einvernehmlich statt, das betroffene Mädchen war aber erst 13 Jahre alt. Deswegen war Junus W. auch wegen schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes angeklagt. Das Gericht sprach ihn letztlich nur des sexuellen Missbrauchs von Jugendlichen schuldig.

Bekannt geworden ist "Yo Oli" mit sogenannten "Kiss Pranks", in denen er Mädchen auf der Straße überredete, sich von ihm küssen zu lassen. Er stand für seine Videos schon länger in der Kritik, Youtube hatte seinen Kanal zuletzt gesperrt. Doch Junus W. machte auf anderen Kanälen weiter, bis zu 100 000 Mal am Tag wurden seine Videos geklickt. Er mietete regelmäßig Autos und fuhr mit ihnen auf vorher publik gemachten Routen durch Deutschland, explizit um weibliche Fans zu treffen, mit ihnen Videos zu drehen und, so schrieb er es ihnen freimütig, "rumzumachen".

Zu diesem Zweck legte er eine Matratze in den hinteren Teil des Wagens. So hat er auch die drei Mädchen getroffen, die ihn schließlich angezeigt haben. Junus W. bestritt vor Gericht nicht den sexuellen Kontakt, bestand aber darauf, dass er einvernehmlich geschehen sei. Das Gericht wertete Videos, Nachrichten und Fotos aus, hörte 16 Zeugen an und kam zu dem Schluss, dass sich die Tatvorwürfe nicht bestätigen ließen. Insbesondere die 16-Jährige habe in ihrer Aussage nachweislich falsche Angaben gemacht. Sie habe zudem den Tathergang unglaubwürdig geschildert. Die 14-jährige Zeugin gab vor Gericht selbst zu, teilweise falsche Aussagen gemacht zu haben.

Noch einmal anders lag der Fall der 13-Jährigen. Sie hatte "Yo Oli" versichert, 15 zu sein, ihm gefälschte Belege für ihr Alter geschickt. In diesem Fall kam das Gericht zu dem Schluss, dass der 25-jährige Angeklagte ein Machtgefälle ausgenutzt und die 13-Jährige zu Dingen gedrängt habe, für deren Beurteilung ihr die Reife fehlen. Und dass diese mangelnde Reife für ihn erkennbar gewesen sei. So sei sie zum Beispiel zuerst in Begleitung zu ihren Treffen erschienen, bis er sie aufforderte, allein zu kommen. Beim Geschlechtsverkehr habe sie zunächst gezögert. Sie sei jedoch in ihn, "den Internetstar", verliebt gewesen, hatte gehofft, dass er mit ihr eine Beziehung eingehe - eine Hoffnung, die der Angeklagte genährt habe. Zu den acht Monate Bewährungsstrafe kamen im Urteil 100 Stunden gemeinnützige Arbeit.

Zudem legte das Gericht dem Angeklagten 30 Stunden sexualpädagogische Einzelgespräche auf. Denn, so sagte es der Vorsitzende Richter: Auch jene sexuellen Aktivitäten, die nicht strafbar gewesen seien, seien durchaus einen Perspektivwechsel wert.

© SZ vom 21.12.2019/afis
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