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Nach Rassismus-Vorwürfen:Xavier Naidoo muss DSDS-Jury verlassen

Xavier Naidoo

Sänger Xavier Naidoo beim Blue Balls Festival 2019 in Luzern

(Foto: dpa)
  • Xavier Naidoo macht in einem Videoclip Stimmung gegen Migranten.
  • In den sozialen Medien wird der Sänger harsch kritisiert - aber auch in politisch rechtsgerichteten Kreisen gefeiert.
  • Naidoo weist die Rassismus-Vorwürfe vehement zurück.

Kaum zu glauben, dass der Gesang dieses Mannes einst der Soundtrack des Sommermärchens war. 2006 war das, wir erinnern uns. "Die Welt zu Gast bei Freunden" lautete das Motto, aus Deutschland wurde Schland, schwarz-rot-goldene Überzieher an Autospiegeln, Humba-Humba-Tätärä. Die Männer, deren Fußballspiel die Nation entzückte, hörten in der Kabine vor den Spielen einen Song von Xavier Naidoo: Dieser Weg wird kein leichter sein, dieser Weg wird steinig und schwer. Das stimmte im Groben. Die deutsche Mannschaft wurde Dritter.

14 Jahre ist das jetzt her, und es hat sich gezeigt, dass bei der Vergabe des Sommermärchens, um es gelinde auszudrücken, nicht alles mit rechten Dingen zuging. Außerdem hat sich gezeigt, dass aus einem Mann mit begnadeter Stimme anscheinend ein Wirrkopf geworden ist, der ausweislich dessen, was er öffentlich sagt, kruden Verschwörungstheorien anhängt, der in einem seiner Songs, dem 2017 erschienenen Stück "Marionetten", mit antisemitischen Klischees arbeitet, eine Nähe zum den sogenannten Reichsbürgern offenbart und die Erlöservorstellung radikaler evangelikaler Gruppen politisch interpretiert.

Nur 54 Sekunden lang ist das Video, das nun seit Dienstagabend im Internet kursiert. Zu sehen ist Xavier Naidoo, 48, orangefarbener Hoodie, Sonnenbrille, Cappy, beim A-cappella-Gesang: Eure Töchter, eure Kinder sollen leiden. Sollen sich mit Wölfen in Sporthallen umkleiden. (...) Aber was, wenn fast jeden Tag ein Mord geschieht. Bei dem der Gast dem Gastgeber ein Leben stiehlt. (...) Lass uns das beenden, und zwar nun. Ihr seid verloren.

Diese Zeilen brachten Naidoo einen Shitstorm in sozialen Medien ein und veranlassten den TV-Sender RTL, in dessen Show "Deutschland sucht den Superstar" Naidoo in der Jury sitzt, sich von dem Sänger zu distanzieren und eine Erklärung zu fordern. Am Mittwochabend teilte der Sender dann mit: Xavier Naidoo wird nicht weiter Jury-Mitglied bei "Deutschland sucht den Superstar" sein. Er bleibe trotz einer schriftlichen Erklärung dem Sender viele Antworten schuldig, zudem seien weitere Videos aufgetaucht, "die in eine ähnliche Richtung gehen". RTL-Geschäftsführer Jörg Graf sagte: "Die jetzt aufgetauchten Videos von Xavier Naidoo haben uns massiv irritiert." Daher habe sich der Sender entschieden, ihn für die kommende Liveshow am Samstag von DSDS auszuschließen.

Es ist nicht das erste Mal, dass Naidoo Ärger provoziert. 2015 wurde er vom NDR nach Protesten als deutscher Beitrag für den Eurovision Song Contest abgesetzt. 2015 stellte ein Gericht fest, dass man Naidoo zwar selbst nicht als "Antisemiten", seine Textpassagen aber als "antisemitisch" bezeichnen dürfe.

Die von RTL geforderte Erklärung hat der Sänger dann auch geliefert. Auf seiner Facebook-Seite wurde ein Statement veröffentlicht. Er wolle nur "wachsam sein" gegenüber "Angriffen auf das gesellschaftliche Miteinander", denn seine Familie sei als Gast nach Deutschland gekommen und "hat sich natürlich an Recht und Moralvorstellungen des Gastgebers gehalten". Er sei nur falsch interpretiert worden, sagt Naidoo

Es ist ein Muster, das man häufig findet bei rechten Akteuren, die dann hinterher sagen, man habe das ja nicht so gemeint. Naidoo, einst ein gefeierter, dutzendfach preisgekrönter Popsänger, hat sich inzwischen sehr weit entfernt von dem, was viele Rechte abschätzig Mainstream nennen. Und offensichtlich weiß er, wie man Provokationen platziert.

© SZ/lot
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