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SZ-Kolumne "Bester Dinge":Beweismittel Wurst

Bockwurst
(Foto: Imago)

Auch einen Einbrecher überkommt bei der Arbeit mal der kleine Hunger und er muss eine Pause einlegen. Blöd nur, wenn Essensreste liegen bleiben. Das kann auch Jahre später noch zum Verhängnis werden.

Von Oliver Klasen

Im Ruhrgebiet, und die kleine Stadt Gevelsberg liegt gerade noch so im Ruhrgebiet und eben noch nicht im Sauerland, ist die Wurst kulturhistorisch und identitätspolitisch wichtig, vor allem die Currywurst. Herbert Grönemeyer, in Bochum aufgewachsen, besang sie 1982. "Kommste vonne Schicht, wat schönret gibt et nich', als wie Currywurst". Der Mann, der im März 2012 in Gevelsberg spontan Lust auf eine Wurst verspürte, kannte Grönemeyer vielleicht gar nicht und vonne Schicht kam er auch nicht so direkt. Er war Einbrecher, und der kleine Hunger überkam ihn ausgerechnet am Tatort.

Ob er die Wurst selbst mitbrachte oder am Tatort vorfand, ob es sich tatsächlich um eine Currywurst handelte oder nicht doch um eine Wiener oder ein Stück Fleischwurst, hat die Polizei nicht mitgeteilt, ja vielleicht nicht mal ermittelt, obwohl die Beamten Grönemeyer sicher kannten und sich der kulturhistorischen und identitätspolitischen Bedeutung von Würsten bewusst gewesen sein dürften. Entscheidend in diesem Fall ist, dass der Einbrecher die Wurst nicht komplett aufaß. Die Beamten sicherten DNA, die jetzt - neun Jahre später - zu einem 30-Jährigen führte, der in Frankreich wegen eines Gewaltdelikts aufgefallen war und dort einen genetischen Fingerabdruck abgeben musste.

Dass Ganoven plötzlich hungrig werden, kommt öfter vor. So wie kürzlich in Garching bei München. Da war ein Einbrecher derart frustriert, dass es in einer Kita nichts zu klauen gab, dass er sich wenigstens ein Wurstbrot schmierte. Hoffentlich hat er nichts übrig gelassen, sonst könnte es für ihn irgendwann wirklich um die Wurst gehen.

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