Hype um das Spiel "Wordle":Fünf Richtige

Lesezeit: 3 min

Hype um das Spiel "Wordle": Beispiel zum Lösungswort Rebus, im vierten Versuch gelöst: R, S und E (in Zeile 1) sowie U (ab Zeile 2) gehören zum Lösungswort, stehen aber noch nicht in der korrekten Position. Ab Zeile 2 steht R, ab Zeile 3 S an der richtigen Stelle. In Zeile 4 wurde das korrekte Wort erraten.

Beispiel zum Lösungswort Rebus, im vierten Versuch gelöst: R, S und E (in Zeile 1) sowie U (ab Zeile 2) gehören zum Lösungswort, stehen aber noch nicht in der korrekten Position. Ab Zeile 2 steht R, ab Zeile 3 S an der richtigen Stelle. In Zeile 4 wurde das korrekte Wort erraten.

(Foto: gemeinfrei)

Wer derzeit grüne und gelbe Kästchen twittert, der spielt, na klar, Wordle. Wie konnte aus der Faszination für Wörter mit fünf Buchstaben so ein Hype entstehen?

Von Elisa Britzelmeier

Die kleinen Kästchen wirken wie eine Geheimschrift. Grün, gelb, grau, angeordnet in Reihen, wie Botschaften nur an Eingeweihte. Überall in den sozialen Medien tauchen sie gerade auf. Zur Entschlüsselung muss man aber weder Zaubertinte erwärmen noch das Morsealphabet verstehen - es reicht, das Online-Rätsel Wordle zu kennen.

Was da so fleißig geteilt wird, sind Ergebnisse, die Nutzerinnen und Nutzer bei dem Spiel erreichen. Es gilt, ein Wort aus fünf Buchstaben zu erraten, jeden Tag ein neues, wofür man sechs Versuche hat. Ist ein Buchstabe richtig, wird die Kachel grün, kommt er im Wort vor, aber an anderer Stelle, wird sie gelb - grau-schwarz bedeutet, dass der Buchstabe nicht in der Lösung enthalten ist. Im besten Fall ist im Ergebnis also die unterste Reihe grün, und im allerbesten steht sie recht weit oben.

Ausgedacht hat sich das Josh Wardle, ein Software-Entwickler aus Brooklyn, und ja, der Spielename ist ein Wortspiel mit seinem Nachnamen. Noch dazu ist Wordle eine Liebeserklärung - entworfen hat Wardle das Spiel nämlich für seine Freundin, wie er kürzlich der New York Times erzählt hat. Zuerst rätselte das Paar nur zu zweit, dann verbreitete sich das Spiel per Whatsapp bei Freunden und Familie, und irgendwann ging es viral. Im November spielten 90 Menschen Wordle. Im Januar waren es 300 000.

Was Bananenbrot und Sauerteig für die Corona-Anfangszeit, das ist Wordle in Zeiten von Omikron. Zum Hype beigetragen haben dürften Prominente wie der US-Late-Night-Moderator Jimmy Fallon, der seine grünen und gelben Kästchen twitterte. Besonders Passionierte filmen sich inzwischen beim Rätseln, bauen 3-D-Würfel-Modelle aus ihren Ergebnissen oder sticken das Muster im Kreuzstich nach. Ein Fan hat sogar eine Software erstellt, die die Resultate zu Musik werden lässt. Wie viele aus Deutschland mitraten, verrät Wardle nicht. Inzwischen gibt es auch eine deutschsprachige Version, wordle.at, nachgebastelt aus der frei zur Verfügung stehenden Originalsoftware.

Das Geheimnis: zwei sehr alte Spielemechanismen

Was aber macht nun die Faszination aus? Christina Valentiner-Branth leitet die Brettspielakademie bei Hamburg und beschäftigt sich mit Fragen wie der, warum Menschen überhaupt spielen. Sie sagt: "Bei Wordle sind zwei sehr alte Spielemechanismen am Werk." Der eine: raten. Klar, Wordle ähnelt dem guten alten Kreuzworträtsel, nur in digitaler Form. Es erinnert an Scrabble, Galgenmännchen und Boggle. Praktisch eins zu eins findet sich das Wordle-Prinzip bereits im Spiel und der gleichnamigen Show Lingo, oder, ohne Buchstaben, bei Mastermind. Valentiner-Branth nennt weitere Spiele, die nach dem Rate-Mechanismus funktionieren, Versteckspielen etwa oder Puzzeln: "Warum spielen wir so etwas? Weil bei jeder Puzzle-Passung ein winziges Quäntchen Glückshormon ausgeschüttet wird." Man hat das Gefühl, etwas erreicht zu haben. Dass man mit Wordle dann auch noch in sozialen Medien angeben kann, nennt Valentiner-Branth die "bekannte Lust am Gewinnersein".

Und der andere Mechanismus? Begrenzung, sagt die Spieleexpertin. Ausschließlich Wörter mit fünf Buchstaben, nur sechs Versuche. "Diese Begrenzung bedeutet zugleich Reiz und Herausforderung: Wenn etwas zu leicht ist, dann können wir uns nicht stolz fühlen", sagt sie. "Man ist weder über- noch unterfordert und gerät in einen Flow." Deduktive Spiele, die nach logischem Ausschlussverfahren funktionieren, erlebten schon länger einen Boom, sagt sie, Escape-Games etwa. "Und Rätsel, die ich allein lösen kann, sind in der Pandemie mindestens so beliebt wie Gesellschaftsspiele allgemein."

Der Reiz der Begrenzung dürfte im Fall von Wordle aber gleich ein doppelter sein. Er besteht auch darin, dass es jeden Tag nur ein Rätsel zu lösen gibt. Nicht mehr. Wordle bedeutet Reduktion inmitten der Online-Überflutung, auf der Seite sind keine ablenkenden Inhalte, keine Werbung. Die Aufgabe ist überschaubar und nach ein paar Minuten erledigt, wunderbar zu integrieren in die Morgenroutine zwischen Yoga und großem Glas Wasser. Und damit ist Wordle inmitten der Pandemie endlich etwas, das bewältigt werden kann.

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