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Künstliche Intelligenz:Wer hat Angst vorm bösen Wolf?

A robot called Monster Wolf  is installed in an effort to scare away bears that have become an increasingly dangerous nuisance in the countryside, in Takikawa

Sieht aus wie ein Ungeheuer aus der Geisterbahn: der Monster-Wolf. Kommt ihm jemand zu nahe, bewegt er seinen Kopf, brüllt, und seine roten Augen glühen.

(Foto: REUTERS)

Zum Beispiel der Braunbär. Deshalb hat eine Stadt in Japan jetzt Roboter-Attrappen mit Pelz, aufgerissenen Mäulern und Zähnen aufgestellt, die auch noch brüllen können.

Von Thomas Hahn, Tokio

In der Vogelscheuchen-Entwicklung meldeten die Amerikaner vor einigen Jahren einen Durchbruch. Sie brachten aufblasbare Schlauchfiguren auf Felder und Weinberge, jene lustigen Lufttänzer also, die sonst vor allem in der Autohaus-Werbung im Einsatz waren. Viele Landwirte schwärmten von der Wirkung der föhnbetriebenen Gestalten. Heute vermarkten diverse Firmen den sogenannten Air-Ranger in verschiedenen Farben und Größen. Romantiker könnten sich etwas Schöneres vorstellen als Felder, über denen sich knallbunte, diabolisch grinsende Nylonkameraden biegen und beugen. Aber so schützt man im 21. Jahrhundert eben die Ernte vor hungrigen Tieren. Und der Fortschritt hat sich seither nicht aufhalten lassen, wie jetzt die nächste Vogelscheuchen-Generation zeigt.

Diese kommt aus Japan: Das Modell "Monster-Wolf" setzt sich durch, ein Roboter, der mit seiner künstlichen Intelligenz die Leistungen herkömmlicher Vogelscheuchen übertrifft. Die Stadt Takikawa auf der Nordinsel Hokkaido hat gerade weltweit Aufsehen erregt, weil sie die Wolfsattrappe als erste bei Wohngebieten einsetzt, um "Spannungen zwischen Anwohnern und Bären zu vermeiden", wie sie laut der Zeitung Mainichi mitteilte. Die Braunbären der Gegend wagen sich dieses Jahr ungewöhnlich oft in die Nähe der Menschen. Der Monster-Wolf sieht aus wie ein Ungeheuer aus der Geisterbahn. Aufgerissenes Maul, spitze Zähne, Pelz über dem Metallkörper. Er ist mit Infrarotsensoren ausgestattet. Wenn ihm jemand zu nahe kommt, bewegt er seinen Kopf, brüllt, und seine roten Augen glühen.

Schon die alten Ägypter verwendeten Vogelscheuchen

Seit 3000 Jahren ist die Vogelscheuche eine Institution in der Landwirtschaft. Die alten Ägypter sollen sie eingeführthaben, und zwar als Hybrid aus Jagdgerät und Scheuche: Entlang der Weizenfelder am Nil sollen sie Holzrahmen mit Netzen aufgestellt haben, in die sie hungrige Wachteln trieben. Im mittelalterlichen England übernahmen Kinder den wichtigen Job des Vögel-Verscheuchens. Letztlich bewährte sich die klassische Vogelscheuche: ein Holzgestell, das Hut und alte Klamotten trägt. Auch in Japan werden sie noch benutzt und teilweise sogar sehr gut ausgestattet, mit Handtaschen und modischen Halstüchern.

Klassische Vogelscheuchen sollte man immer wieder wechseln oder woanders aufstellen, um Gewöhnungseffekte zu vermeiden. Wenn die Kleidung so eng anliegt, dass der Wind nicht mit ihr spielen kann, verscheucht sie die Tiere nicht. Etwas an ihr muss sich bewegen. Deshalb funktionierte wohl auch der Air-Ranger so viel besser als Luftkanonen oder chemisch hergestellte Gerüche. Und jetzt zeigt also der batteriebetriebene Wolf, was er kann.

Wildschweine, Rehe und Bären rennen in Panik weg

Entwickelt hat ihn die Maschinenbau-Firma Ohta Seiki aus Naie mit der Hokkaido-Universität und der Tokio-Universität für Landwirtschaft. Im November 2016 war Premiere. Insgesamt sind in Japan 62 Geräte im Einsatz. Filmaufnahmen zeigen, wie Rehe, Wildschweine und Bären auf den brüllenden Wolfsroboter reagieren. Sie rennen in Panik weg. Es muss ihnen vorkommen, als würden sie einem Gespenst begegnen. Wölfe sind in Japan ausgestorben.

Ohta-Seiki-Chef Yuji Ohta hat längst eine Vision für den nächsten Fortschritt auf dem Vogelscheuchensektor. Der Monsterwolf kann vorerst nur den Kopf drehen. Er kann nicht auf seinen Beinen laufen, sondern ist auf eine Stange montiert. "In der Zukunft möchte ich, dass er sich fortbewegt und selbst Schädlinge jagt", hat Ohta einmal gesagt. Er will die Vogelscheuchen zum Leben erwecken.

© SZ/ake

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