Niedersachsen Gericht gibt Problemwolf zum Abschuss frei

Ein Wolf in einem Gehege im niedersächsischen Neuhaus. Einem freilebenden Artgenossen droht nun der Abschuss.

(Foto: dpa)
  • Das zuständige Gericht in Oldenburg hat einen Eilantrag gegen die Bejagung eines Problemwolfes abgewiesen.
  • Bereits im Januar hatte das Umweltministerium in Hannover den Abschuss angeordnet, dann aber verkündet, die Gerichtsentscheidung abzuwarten.
  • Der Rüde soll Schafe, Rinder, Ponys und ein Alpaka getötet haben.

Der Leitrüde des Rodewalder Wolfsrudels darf wie vom Umweltministerium geplant abgeschossen werden. Das hat das Verwaltungsgericht Oldenburg entschieden und damit einen Eilantrag gegen den Abschuss abgelehnt. Alternativen zur Tötung wie eine Vergrämung, also das Vertreiben aus dem Gebiet, oder ein besserer Schutz der Nutztierherden seien nicht zu erkennen, teilte das Gericht mit. Das Tier zu betäuben und dann umzusiedeln, hält das Gericht für "nicht zielführend bzw. unverhältnismäßig".

Das Tier hatte laut Umweltministerium nachweislich mehr als 40 Nutztieren gerissen, darunter Schafe, Rinder, Ponys und ein Alpaka. "Wir haben das Verhalten des Wolfes über Wochen intensiv beobachtet und keinen anderen Weg mehr gesehen", sagte Ministeriumssprecherin Lotta Cordes vergangene Woche. Es sei zu befürchten, dass der Wolf sein Verhalten an andere Rudelmitglieder weitergeben würde.

Tiere "Eine große Herausforderung"
Jäger über Wolfsabschuss

"Eine große Herausforderung"

Der Problemwolf von Pinneberg ist zum Abschuss freigegeben. Marcus Börner vom Landesjagdverband Schleswig-Holstein über den Auftrag zur "Entnahme" und das Problem, das Tier zu orten.   Interview von Thomas Hahn

Das Umweltministerium hatte den Abschuss des Wolfes bereits im Januar beschlossen. Der "Freundeskreis freilebender Wölfe", eine anerkannte Naturschutzvereinigung, hatte die Tötung mit dem Eilantrag verhindern wollen. Ihrem Argument, dass sie an der Abschuss-Entscheidung hätten beteiligt werden müssen, widersprach das Gericht. Ein solches Recht stehe der Organisation nicht zu.

Die Kammer folgt in ihrer Entscheidung dem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz, der in dem Prozess das Land Niedersachsen vertreten hatte. Die Behörde habe den Richtern zufolge überzeugend dargelegt, dass die strengen Voraussetzungen für eine rechtmäßige Abschussgenehmigung vorliegen. Der Beschluss der Kammer ist noch nicht rechtskräftig. Die Naturschützer können nun Beschwerde beim Obverwaltungsgericht des Bundeslandes einlegen.

Erstmals war im April 2016 ein Wolf in Niedersachsen mit behördlicher Genehmigung abgeschossen worden, weil er einen Hund angegriffen und zu wenig Scheu vor Menschen gezeigt hatte.

Tiere Das Rotkäppchen-Syndrom geht um

Wölfe in Deutschland

Das Rotkäppchen-Syndrom geht um

Der Wolf ist zum Symbol geworden - und ist doch vor allem ein Tier. So sollte er auch behandelt werden.   Kommentar von Matthias Drobinski